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Regensburg
Montag, 24. Juli 2017 27° 3

Streit

Museum: Entsetzen über Ausschreibung

Die Stadt Regensburg sucht einen Museumschef. Der Arbeitskreis Kultur läuft Sturm gegen die „katastrophale“ Ausschreibung.
Von Marion Koller, MZ

Eine Fechtvorführung bei der Museumsnacht. Um die Ausschreibung für die Leitung der städtischen Museen, die für Veranstaltungskonzepte dieser Art und mehrere Häuser verantwortlich ist, ist ein heftiger Streit entbrannt. Archivfoto: altrofoto.de

Regensburg.Dr. Peter Germann-Bauer, Leiter der städtischen Museen, wechselt 2017 in den Ruhestand. Vor wenigen Tagen hat das Kulturreferat die Stelle für einen „Amtsleiter“ ausgeschrieben – und erntet heftige Kritik. In einem offenen Brief äußert sich der Arbeitskreis Kultur Regensburger Bürger „entsetzt über die Ausschreibung“. Der oberflächlich und unbedacht formulierte Text verhindere, dass sich Fachleute bewerben, die die städtischen Museen dringend brauchen, formuliert Professorin Dr. Sabine Rieckhoff für den Arbeitskreis. Sie lehrte an der Uni Leipzig. Vorher leitete sie die Archäologische Abteilung des Historischen Museums. Der AK Kultur fordert die Stadt auf, die Ausschreibung zurücknehmen.

„Eine solche Eile ist unsinnig“

Noch immer wird in der Stadt heftig über Bewerbungskriterien und Besetzung einer leitenden Stelle bei der Stadtbau GmbH diskutiert. Jetzt sorgt die Museumsausschreibung für Wirbel.

Laut Aussage eines AK-Mitglieds soll Kulturreferent Klemens Unger die Ausschreibung auf einen mit ihm eng zusammenarbeitenden Museumsbeschäftigten zugeschnitten haben. Die Ungereimtheiten beginnen nach Meinung des AK Kultur schon mit der Terminsetzung: Der Ausschreibungstext ging am 9./10. September an Medien und den Deutschen Museumsbund. Bewerbungsschluss ist der 26. September. Interessenten hätten also gerade mal zwei Wochen Zeit. „Eine solche Eile ist unsinnig“, prangert der Arbeitskreis an.

Kommentar

Neu ausschreiben

Die Leitung der städtischen Museen ist eine Schlüsselposition, die nach außen wirken soll. Eine Welterbestadt mit 2000-jähriger Geschichte braucht einen...

Ernstzunehmende Fachleute, die bereits an einem anderen Museum etabliert sind und überlegen, ob sie größere Verantwortung übernehmen möchten, müssten sich vor Ort informieren, um eine fundierte Bewerbung verfassen zu können. Das sei bei dieser Terminsetzung unmöglich. Der Bewerber solle laut Stadt Kompetenz in der Sammlungsbetreuung, im Ausstellungswesen und in der Forschung, möglichst mit Schwerpunkt Regensburg oder Ostbayern, nachweisen. Rieckhoff schreibt, im Klartext bedeute dies, dass man am liebsten einen Bewerber sähe, der seine museologischen Schwerpunkte schon bisher in der Region hatte.

„Katastrophale“ Formulierung

Damit werde das Bewerberspektrum in einer lächerlichen Weise eingegrenzt. „Regionale Erfahrungen sind für die Leiterstelle nicht relevant“, argumentiert der AK. Die Regensburger Museen bräuchten eine erfahrene Fachkraft, die die Neugestaltung des Historischen Museums anpackt. Der AK Kultur fordert die Stadt angesichts des „katastrophalen Ausschreibungstextes“ auf, neu auszuschreiben und einen auswärtigen wissenschaftlichen Berater hinzuzuziehen.

OB Joachim Wolbergs ließ über seine Pressestelle ausrichten, die Ausschreibung ermögliche vielen Interessenten, sich zu bewerben. Eine zweiwöchige Frist sei nicht unüblich. Eine Vorfestlegung auf einen Bewerber gebe es nicht. Seine, Wolbergs‘ Aussage, die Fachöffentlichkeit bei der Neukonzeption des Historischen Museums einzubinden, habe Bestand. „Dazu gehört der Arbeitskreis, der die Ausschreibung kritisiert.“ Dr. Ansgar Reiß, Direktor des Bayerischen Armeemuseums Ingolstadt, der in Regensburg volontierte, widerspricht dem OB. Normal sei eine sechswöchige Ausschreibungsfrist Die städtischen Einrichtungen, vor allem das Historische Museum, bräuchten einen Neustart. Das komme in der Ausschreibung nicht zum Ausdruck.

Sieben Museen

  • Die Museumsleitung:

    Die städtischen Museen leitet noch bis zum Frühjahr 2017 Dr. Peter Germann-Bauer, der dann in den Ruhestand wechseln wird. 78 Beschäftigte sind in dem Bereich tätig, 30 davon in Teilzeit.

  • Die städtischen Museen:

    Dazu zählen das Historische Museum, die Galerie Leerer Beutel, das Kepler-Gedächtnishaus, das document Reichstagsmuseum, das document Neupfarrplatz, das document Schnupftabakfabrik und das document Legionslagermauer.

  • Arbeitskreis Kultur:

    Im AK Kultur wirken rund 70 Mitglieder mit. Professor Dr. Sabine Rieckhoff sagt: „Wir engagieren uns dann, wenn aus unserer Sicht im Kulturbetrieb einiges schiefläuft.“ Zusammen mit anderen Gruppierungen wie den Donauanliegern und dem Forum Regensburg hat sich der Arbeitskreis Kultur zum Beispiel starkgemacht für die Erhaltung des Velodroms, gegen die geplante Westtrasse über die Donau und gegen ein Hotel im fürstlichen Schlosspark.

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