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Regensburg
Freitag, 15. Dezember 2017 6

Gericht

Nach Streit Konkurrent angefahren

Ein 37-Jähriger verletzte einen 29-Jährigen nach einem Streit schwer. Dafür muss der Frührentner jetzt ins Gefängnis.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte muss für 20 Monate ins Gefängnis. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Regensburg.Ein 37-jähriger Frührentner aus Regensburg soll im Juni letzten Jahres einen Mann über den Haufen gefahren und sich zudem an einer Tankstelle bedient haben, ohne zu zahlen. Jetzt stand er wegen versuchten Betrugs, Kennzeichen-Missbrauchs, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung vor dem Amtsgericht.

Laut Anklage fuhr der Regensburger morgens mit seinem Auto mit überklebten Kennzeichen auf das Gelände des Eurorastplatzes in der Junkersstraße, füllte 64 Liter Benzin für über 100 Euro in seinen Tank und zwei Kanister und brauste davon. Eine Kamera zeichnete die Tat jedoch auf. Der 37-Jährige gestand sie.

Angeklagter wollte Abfall entsorgen

Einige Tage später fuhr er nachts mit Müllsäcken im Kofferraum zum Busparkplatz in der Frankenstraße, um den Unrat zu entsorgen. Der spätere Geschädigte (29) und ein Kumpel saßen dort gerade vor einem Wohnwagen beim Grillen. Die beiden protestierten gegen das Vorhaben. Es kam zum Streit. Doch was dann geschah, darüber gingen die Aussagen auseinander:

Auf diesem Busparkplatz soll der Angeklagte einen Mann angefahren haben. Foto: Gruber

Der Angeklagte erklärte, er sei von den Männern verprügelt worden. Sie hätten ihm den Arm gebrochen. Er habe wegfahren wollen. Doch dann sei der Geschädigte plötzlich auf ihn zugelaufen. „Ich bremste einen halben Meter vor ihm. Aber er ist mir in die Scheibe reingesprungen.“ Der 29-Jährige lieferte eine völlig andere Version: „Der Angeklagte packte mich am Hals und stieß mich gegen den Trailer.“ Dann sei er ins Auto gestiegen. „Er ließ den Motor aufheulen und fuhr mit quietschenden Reifen ein paar Runden über den Parkplatz. Ich wollte ihn mit Gesten beruhigen. Doch er blendete auf, beschleunigte in meine Richtung und fuhr mir frontal gegen die Kniescheibe.“

Durch den Aufprall wurde der 29-Jährige auf die Motorhaube und mit Ellenbogen und Kopf gegen die Windschutzscheibe geschleudert, die zersplitterte. Dann fiel er seitlich zu Boden. Er erlitt eine tiefe Schnittwunde im Nacken, die genäht werden musste, Prellungen, Wunden und Hämatome. Wochen nach dem Vorfall hatte noch Schlafprobleme und erschrak, „wenn ich Reifen quietschen hörte.“

Armbruch wohl keine Folge eines Schlags

Der rechtsmedizinische Gutachter stellte fest, dass ein Bruch des Radiusköpfchens am Arm des Angeklagten eine „typische Sturzverletzung“ sei und wohl kaum die Folge eines Schlages. Und die Verletzungen des Geschädigten, wie Glassplitter in der Wunde am Ellenbogen und Riss-Quetschwunden am Schienbeinkopf, sprächen klar für dessen Version.

„Wenn Sie einen so anfahren, haben Sie nicht in der Hand was passiert.“

Ein Gerichts-Gutachter

Die Tat hätte ihn leicht das Leben kosten können, so der Gutachter: „Wenn Sie einen so anfahren, haben Sie nicht in der Hand was passiert.“

Da der Angeklagte psychisch krank ist, war bei ihm verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen. Die Staatsanwältin forderte für den Mann, der oft Cannabis konsumiert, ein Jahr und zehn Monate Haft und die Einweisung in eine Entziehungsanstalt. Verteidiger Gerhard Müller beantragte eine Bewährungsstrafe: Sein Mandant sei nach dem Tod seiner Mutter in einer Ausnahmesituation gewesen.

Richter Dr. Moosburner schickte den nicht vorbestraften Frührentner jedoch für ein Jahr und acht Monate ins Gefängnis. Seine Tat sei hochgefährlich gewesen, sagte er. Der Angeklagte habe keine gute Sozialprognose und keinerlei Schritte zur Schadenswiedergutmachung unternommen.

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