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Regensburg
Freitag, 19. Januar 2018 4

Recht

Nonstop-Feuerwerk sorgt für Kritik

Eigentlich dürfen Silvesterkracher nur an zwei Tagen gezündet werden. Vielen in Regensburg ist das egal.
Von Katharina Eichinger

Die Regeln, wann Böller und Raketen gezündet werden, sind eigentlich klar. Foto: Marc Müller dpa/lby

Regensburg.Ulrike Vest aus Stadtamhof ist sauer: In diesem Jahr werde besonders viel außerhalb der erlaubten Zeiten geböllert. „Am 31. Dezember und am 1. Januar stört es mich ja nicht.“ Doch 2017 habe die Zündelei schon am 28. begonnen, seit es die Kracher im Geschäft gibt – und dadurch, dass Silvester an einem Sonntag war, fand der Verkauf einen Tag früher statt. Um 17 Uhr habe alles angefangen und seitdem nicht mehr aufgehört.

„Das wird immer lauter“, sagt Vest, die in Stadtamhof wohnt. Sie erzählt von Kracherfans, die sich in Internetforen darüber austauschen, welche Böller am lautesten sind. Sie selbst hat recherchiert, dass manche bis zu 180 Dezibel erreichen können. Ihre Hunde trauen sich gar nicht mehr raus. Nur noch morgens um 6 Uhr geht sie mit ihren Vierbeinern Gassi. „Wenn nur an zwei Tagen geböllert wird, kann man sich darauf einstellen, aber so wird es zu viel. Mir geht es auch um die Wildtiere“, sagt die Tierfreundin. Am schlimmsten findet die Regensburgerin, dass scheinbar keiner etwas gegen das „Nonstop-Feuerwerk“ macht.

Unerlaubtes Zündeln kostet

Auch am 2. Januar ist die Stadt noch verdreckt. Foto: Froschhammer

Rein rechtlich ist die Lage klar: Wer zwischen 2. Januar und 30. Dezember Böller und Raketen zündet, begeht laut der Verordnung zum Sprengstoffgesetz eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld bestraft werden kann. Praktisch ist die Situation nicht mehr ganz so einfach: „Wenn wir den Anzünder ermitteln können, wird das zur Anzeige gebracht“, sagt Markus Damm, Sprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz. Doch meist werden die Beamten nicht auf die Zündler aufmerksam. „Wir sind zwar immer im Stadtgebiet und auf dem Land unterwegs – aber es ist relativ unwahrscheinlich, tatsächlich da zu sein, wenn so etwas passiert“, sagt Damm. Wenn die Beamten auf unerlaubte Böllerei aufmerksam werden, dann am Ehesten durch die Mitteilungen von Anwohnern.

„Feuer fasziniert die Menschen, das steckt wohl in unseren sozialen Genen.“

Prof. Dr. Ferdi Schüth, Chemiker am Max-Planck-Institut

Doch viele solcher Meldungen sind im Regensburger Stadtgebiet nicht eingegangen. Im Dienstbereich der PI Süd kam es zu einem Einsatz aufgrund einer Beschwerde über das Zünden von Feuerwerkskörpern außerhalb des erlaubten Zeitraums, sagt Polizeihauptmeister Markus Reitmeier. Den Verursacher konnten die Beamten aber nicht ermitteln.

Bei der PI Nord ging kein einziger Hinweis dieser Art ein. Sprecher Peter Hofmann rät, sich bei der Polizei zu melden, wenn die Böllerei außerhalb des erlaubten Zeitraums überhandnimmt. „Wenn die Menschen nicht anrufen, kriegen wir natürlich nichts mit. Wenn die Kollegen aber etwas bemerken, schreiten sie ein und stellen die Böller sicher.“ Oft handle es sich auch um illegale Böller.

Ob in diesem Jahr mehr Feuerwerk gezündet wurde, lässt sich nicht sagen, aber: „Es spricht einiges dafür, dass das hohe Niveau des Vorjahres erreicht wurde“, sagt Josef Kellermann, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern. „Dies würde bedeuten, dass in Deutschland ein Silvesterumsatz von knapp 140 Millionen Euro erreicht wurde.“ Genaue Zahlen gibt es nicht: Importierte Böller seien in keiner Statistik.

Fakten zum Silvestermüll

8,5 Tonnen Müll

Mehr Müll als sonst ist zumindest nicht angefallen. „Die an Silvester anfallende Gesamtmüllmenge bewegt sich seit Jahren zwischen 6 und 10 Tonnen“, sagt Dagmar Obermeier-Kundel, Pressesprecherin der Stadt Regensburg. In diesem Jahr betrug sie 8,5 Tonnen.

Flaschen, Kracher, Karton: An Silvester bleibt viel Müll liegen. Foto: Froschhammer

Die Straßenreinigung beginnt nach der Silvesterfeier um 1 Uhr. „Zunächst werden die Hauptverkehrsstraßen, wie die Thundorfer Straße, die Keplerstraße, der Weißgerbergraben, die Platzfolge und so weiter gereinigt, danach sämtliche Seiten- und Nebenstraßen“, sagt Obermeier-Kundel. Vier Großkehrmaschinen, zwei Transporter und etwa 30 weitere Mitarbeiter waren in der Neujahrsnacht bis 8 Uhr im Einsatz. Auch die Abfälle, die an den Tagen vor und nach Silvester und Neujahr entstehen, werden bei der täglichen, planmäßigen Straßenreinigung entsorgt.

„Wenn nur an zwei Tagen geböllert wird, kann man sich darauf einstellen, aber so wird es zu viel. Mir geht es auch um die Wildtiere.“

Ulrike Vest

Doch woher kommt eigentlich die Faszination für das Feuerwerk? „Feuer fasziniert die Menschen sowieso“, sagt Prof. Dr. Ferdi Schüth, Chemiker am Max-Planck-Institut. Man müsse sich nur in die Urzeit versetzen: „Da saßen die Menschen andächtig vor ihrem Lagerfeuer – und wenn man dann feststellt, dass man mit einem kleinen Streichholz einen Knall erzeugen kann, dann ist das schon faszinierend.“ Doch es gebe auch Unterschiede bei den Geschlechtern: „Männer lassen es lieber knallen, Frauen finden bunte Lichteffekte spannend.“

So feierte Regensburg Silvester.

2500 Menschen begrüßten in Regensburg am Donauufer und am Domplatz das neue Jahr. Eine Rakete zielte auf einen Polizisten.

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