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Regensburg
Samstag, 25. März 2017 16° 3

Zeitgeschichte

NS-Gedenken zu schleppend

Obwohl das Colosseum-Gutachten dem Kulturausschuss nur vorgelegt werden sollte, entbrannte gleich zu Beginn eine Debatte über die Studie.
Von Heike Haala, MZ

Eine Bodenplatte und diesen Gedenkstein in Stadtamhof halten die Autoren des Gutachtens zum ehemaligen KZ-Außenlager im Colosseum für unzureichend. Foto: Lex Foto: Lex

Regensburg.Die Tagesordnung für die Sitzung des Regensburger Kulturausschusses am Dienstag sorgte gleich zu Beginn für eine Diskussion. Die Debatte dauerte so lange, dass Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) mehrfach darauf hinwies, es handle sich bei diesem Punkt lediglich um die Tagesordnung selbst.

Doch das Thema brannte den Ausschussmitgliedern unter den Nägeln. Den Stadträten war mit der Einladung zur Sitzung auch das Gutachten zum Außenlager Regensburg des Konzentrationslagers Flossenbürg „zur Kenntnis“ übermittelt worden. Darüber debattiert oder abgestimmt sollte während der Sitzung jedoch nicht werden: „Es ist vorgesehen, in einer der nächsten Sitzungen, nach Bearbeitung der Verwaltung, entsprechende Vorschläge vorzulegen“, hieß es am Ende der Vorlage.

Thema unerträglich lange vertagt

Jürgen Huber (Die Grünen) monierte das Programm für den späten Dienstagnachmittag, nachdem Bürgermeister Joachim Wolbergs die Sitzung eröffnet hatte. Er kritisierte die Verzögerung, mit der das Thema inzwischen behandelt werde. Es werde seit fünf Jahren immer wieder verschoben. Dass es auch in dieser Sitzung ohne Beratung und Beschluss bleiben sollte, empfand er als schwierig. Irmgard Freihoffer (Die Linke) pflichtete Huber bei: „Die Art der Verzögerung ist mittlerweile unerträglich“, sagte sie.

Auch Prof. Dr. Eberhard Dünninger (ÖDP) meldete sich zum Thema Tagesordnung zu Wort. Er bemängelte, dass er sich einen Termin mit den Verfassern der Studie gewünscht hätte. Auch, dass der Text ohne Dank an die Wissenschaftler auf der Homepage der Stadt online gestellt werde, könne er nicht verstehen. Zudem habe er in der Regensburger Bevölkerung großen Unmut über die Art und Weise vernommen, wie die Stadt mit ihrem Teil des Erbes des Holocausts umgehe. „Die Autoren sollen zu Wort kommen“, sagte Dünninger.

Wolbergs konnte Dünninger entgegnen, dass er ihm genau diesen Wunsch erfüllen werde. Der Bürgermeister hätte mit Jörg Skriebeleit von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, der einer der Autoren des Gutachtens ist, telefoniert und einen Termin vereinbart. Alle drei Wissenschaftler seien für die nächste Kulturausschusssitzung eingeladen, um den Mitgliedern Rede und Antwort zu stehen.

Der „Gralshüter Wolbergs“

Am Dienstag Vormittag hatte sich Ludwig Artinger, Fraktionschef der Freien Wähler, in einem Pressepapier zu Wort gemeldet. Er warf Wolbergs vor, sich zum „Gralshüter der Erinnerungskultur“ aufzuschwingen. Fast alle Parteien hätten, so Artinger, auf Statements zu dem Gutachten im Vorfeld der Kulturausschusssitzung verzichtet: „Lediglich die SPD, allen voran Bürgermeister Joachim Wolbergs, hat sich nicht an diesen Konsens gehalten“, so Artinger.

Der FW-Fraktionschef betonte: Wolbergs habe nach Ansicht der Freien Wähler als führendes Mitglied der SPD seit der handstreichartigen Verlegung der Bodenplatte vor dem Colosseum sämtliche Vorstöße der Opposition, die Platte zu entfernen und durch eine neue Platte mit angemessenem Text zu ersetzen, zurückgewiesen. Wolbergs habe stets darauf verwiesen, dass der Text nicht falsch, sondern allenfalls unglücklich gewählt sei. Artinger: „Dass er sich nun, nach über zwei Jahren Bedenkzeit, ,mea culpa’ an die Brust klopft und einräumt, vielleicht nicht sensibel genug mit dem Thema umgegangen zu sein, wirkt auf mich schon ob der langen Bedenkzeit reichlich unglaubwürdig.“

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