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Regensburg
Sonntag, 22. Oktober 2017 19° 3

Jubiläum

„Offene Labore“: Informatik zum Anfassen

Seit 1973 gibt es den Studiengang Informatik an der Hochschule Regensburg. Am Samstag bekamen Besucher Einblicke in Lehre und Forschung.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Matthias Haselbeck und sein Sohn Johannes spielen Tischkicker gegen den Computer. Foto: Knobloch
  • Rebecca Wiesmüller und Doktorand Carlos Serra erläutern eine Simulation für Operationen an der Hand. Foto: Knobloch
  • Harriet Göhre und ihr Sohn Gabriel haben Spaß mit Retro-Computerspielen wie Space Invaders. Foto: Knobloch

Regensburg.„Tooor! Tooor! Tooor!“, brüllt eine Stimme vom Tonband. Ein Punkt für Matthias Haselbeck und seinen Sohn Johannes (15). Die beiden spielen eine Partie Tischkicker – gegen einen Computer. Den Kickerautomaten haben Maschinenbau-Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg gebaut, die Software wurde von Informatik-Studenten programmiert. Beim „Tag der offenen Labore“ am Samstag können die Besucher gegen den Automaten antreten. Mit der Veranstaltung feiert die Hochschule ein Jubiläum: Vor genau 40 Jahren, 1973, startete der Studiengang Informatik.

Auch Matthias Haselbeck ist Absolvent. Er hat 1993 sein Studium begonnen – also quasi zur „Halbzeit“. „Es ist gigantisch, was sich in der Informatik in den vergangenen 40 Jahren getan hat“, sagt Haselbeck. Dass am Ende der Computer gegen die menschlichen Spieler gewinnt, tut der Stimmung keinen Abbruch. „Er war etwas schneller als wir.“ Sohn Johannes ist von den Robotern fasziniert, die die Studierenden im Digitaltechnik-Labor programmiert haben. Mitarbeiter Dietrich Gossen lässt seinen Roboter zur Freude der Zuschauer sogar einen Purzelbaum rückwärts schlagen.

Nostalgie mit „Pacman“ und „Tetris“

Ein paar Räume weiter stellen Dozenten und Studierende der Medizinischen Informatik ihre Projekte vor. Mit einem Neuro-Headset steuert Student Michael Kutschin den „Emobot“. Die virtuelle Figur ahmt Kutschin nach, wenn er den Kopf bewegt, zwinkert oder lacht. Ausgestattet mit 3D-Brillen betrachten Prof. Dr. Manfred Hopfenmüller und sein Sohn Bernhard Computertomographie-Aufnahmen eines menschlichen Körpers. „Was die Kollegen hier an der Fakultät machen, finde ich sehr interessant und beeindruckend“, sagt der Dozent.

Mit Klaus Stampfer ist auch ein Informatik-Student der ersten Stunde zur Jubiläumsfeier nach Regensburg gekommen. Er hatte mit dem ersten Jahrgang 1973 angefangen. Die Ausstellung zur Entwicklung der Computerarbeitsplätze in den vergangenen 40 Jahren, die am Samstag ebenfalls gezeigt wird, ruft bei ihm viele Erinnerungen wach. Neu sind für ihn dagegen die Räumlichkeiten im Sammelgebäude der Universität. Hier ist die Informatik seit 1988 untergebracht – Stampfer hatte sein Studium noch in der Prüfeninger Straße absolviert. Im Jahr 2016 soll die Fakultät dann in ein neues Gebäude umziehen, für das diesen Sommer der Spatenstich stattfand.

In Erinnerungen schwelgen können Besucher auch in der Retro-Spielothek im fünften Stock: Über Emulatoren laufen auf den Computern Spiele-Klassiker wie Pacman, Tetris, Commander Keen oder Space Invaders.

Was an der Fakultät geforscht und gelehrt wird, erfahren die Besucher in Vorträgen und bei einem kleinen Science Slam: Prof. Dr. Stefanie Scherzinger, Prof. Dr. Christoph Skornia und Prof. Dr. Klaus Volbert erläutern auf unterhaltsame Art, wie Datenbanken funktionieren, warum es so schwierig ist, Schadsoftware aufzuspüren und wie nützlich Algorithmen sind.

Aus 24 wurden 1241 Studierende

Der Dekan der Fakultät Informatik und Mathematik, Prof. Dr. Thomas Waas, betont, die Informatik sei noch eine junge Wissenschaft. „Sie hat sich aber in kurzer Zeit schon stark verändert und hat auch die Welt mitverändert.“ Füllten in den 1970er Jahren Rechner noch ganze Räume, passt heutzutage ein Smartphone in die Hosentasche. Einen Überblick über die Entwicklung der Informatik in Regensburg und bundesweit gibt beim Festakt am Abend der ehemalige Leiter des Rechenzentrums, Prof. Dr. Herbert Kopp. Von 24 Studienanfängern im Jahr 1973 wuchs der Fachbereich auf heute 1241 Studierende. Diese würden als Fachkräfte in der Region gebraucht, betont Oberbürgermeister Hans Schaidinger. „Informatik ist eine Schlüsseltechnologie und somit wichtig für die Innovationsdynamik am Standort Regensburg.“

Wie es mit der Informatik künftig weitergeht, beleuchtet Johanna Laurer von Siemens. „Die Informatik in der Zukunft ist überall – sie wird ein integraler Bestandteil jeder Industrie sein.“ Durch die moderne Technik seien nicht nur Menschen, sondern auch Geräte immer stärker vernetzt. Laurer geht auf die Vorteile, aber auch auf die Gefahren dieser Entwicklung ein – etwa die Ausspähung von Daten oder Angriffe aus dem Cyberspace.

Im Rahmen des Festaktes bekommen die Bachelor- und Masterabsolventen der Fakultät Informatik und Mathematik ihre Zeugnisse überreicht. „Sie haben sich einen tollen Beruf gewählt“, sagt Laurer. „Die Informatik in der Zukunft – das sind Sie.“

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