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Regensburg
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Kultur

Orff steht nicht in den Charts

Beim Pupils’ Dance Project tanzen 180 Mittelschüler aus Regensburg und Hemau die Carmina Burana. So lernen sie auch klassische Musik kennen.
Von Lena Schroeder, MZ

  • Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen Regensburg und Hemau proben in der Bischof-Manfred-Müller-Schule die Carmina Burana. Foto: Schroeder
  • Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen Regensburg und Hemau proben in der Bischof-Manfred-Müller-Schule die Carmina Burana. Foto: Schroeder
  • Beim Tanz muss man sich nicht nur auf die eigenen Bewegungen, sondern auch auf sein Gegenüber konzentrieren. Foto: Schroeder
  • Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen Regensburg und Hemau proben in der Bischof-Manfred-Müller-Schule die Carmina Burana. Foto: Schroeder
  • Sumiaty Widjaja macht genau vor, wie sich die Schüler bewegen sollen.
  • Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen Regensburg und Hemau proben in der Bischof-Manfred-Müller-Schule die Carmina Burana. Foto: Schroeder
  • Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen Regensburg und Hemau proben in der Bischof-Manfred-Müller-Schule die Carmina Burana. Foto: Schroeder

Regensburg. Lisa macht eine schnelle Drehung und wirft dabei die Arme in die Luft. Ein langsamer Schritt nach vorne, dann kommt der Bodenteil. Vor dem hat Lisa am meisten Angst. Bloß nicht in die falsche Richtung rollen! Doch diesmal meistert sie auch das mit Bravour. Vier Wochen haben Lisa und die anderen Kinder noch Zeit bis zu ihrem großen Auftritt. Bis dahin muss alles sitzen. Dann werden sie an einem Nachmittag und an einem Abend im Regensburger Velodrom gemeinsam mit der Chorphilharmonie Regensburg und drei Solokünstlern auf der Bühne stehen.

Musische Bildung fördern

Eminem, Justin Bieber oder David Guetta – das sind die Künstler, deren Musik die Schüler normalerweise hören. Carl Orff gehört nicht dazu. Mit Klassik haben sie eher wenig am Hut. Genau das soll sich durch das Pupils’ Dance Project ändern. „Die kulturelle und musische Bildung der Schüler soll gefördert werden“, erklärt der Dirigent der Regensburger Chorphilharmonie, Horst Frohn, der das Projekt nach dem Vorbild von „Rhythm is it!“ der Berliner Philharmoniker gestaltete.

„Viele der Schüler waren noch nie im Theater“, erzählt Melanie Heigl-Birk, Konrektorin der Bischof-Manfred-Müller-Schule. Die Kinder sollen die Scheu vor dem Kulturbetrieb verlieren. Dies soll durch eigenes Handeln und die längerfristige Arbeit an dem Projekt gelingen.

Eigene Grenzen überwinden

Über einen längeren Zeitraum im Team an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten, ist eine Forderung und Förderung für Schüler aller Altersstufen. Dabei ist Engagement, Selbstständigkeit, Ausdauer und Kreativität gefragt. Aber auch der Umgang mit den eigenen Grenzen und der Mut, darüber hinaus zu gehen.

Immer wieder stoppt die Musik und wird auf Anfang zurückgespult. Das heißt, dass etwas nicht geklappt hat. „Noch mal von vorne bitte“, ruft Sumiaty Widjaja und alle kehren auf ihre Ausgangsposition zurück. Als Leiterin des Ballettpodiums Regensburg ist sie für die Choreographie zuständig. Seit Beginn des Jahres ist sie an den Schulen unterwegs, um die Tänze dort einzustudieren. Dies ist die erste große Probe, bei der alle Schüler aufeinander treffen.

Noch kommt die Musik vom Band, doch demnächst werden auch die Orchestermusiker bei den Proben anwesend sein. Widjaja ist das Arbeiten mit Kindern gewohnt, doch hier hat sie alle Hände voll zu tun, damit die Schülerinnen und Schüler auch nach zwei Stunden Training noch konzentriert arbeiten. Zwischendurch heißt es immer wieder: Warten bis man dran ist. Bei so vielen Kindern ist der Lärmpegel hoch. Immer wieder muss die Trainerin ihre Trillerpfeife einsetzen, damit Ruhe einkehrt.

Carl Orff verstummt. Zwanzig Minuten Pause, danach geht es weiter. Lisa nutzt die kurze Zeit, um frische Luft zu schnappen und etwas zu trinken. Einige der Schüler sind heute hier, obwohl sie gerade mitten in den Abschlussprüfungen stecken. Trotzdem haben sie sich bewusst entschieden, dabei zu sein. Mit echten Künstlern auf einer Bühne stehen, die Chance erhält man eben nicht alle Tage.

Auch die Lehrer engagieren sich

Aber auch die Lehrer zeigen Engagement, das weit über die normale Lehrtätigkeit hinausgeht. „Seit einem halben Jahr seine Freizeit zu opfern, um die Schüler an einem Samstag fünf Stunden lang zu beaufsichtigen – das ist schon toll“, lobt Heigl-Birk den Einsatz der Kollegen.

Die Aufregung wächst von Woche zu Woche. Eltern, Geschwister, Lehrer und Schüler – sie alle fiebern dem großen Tag entgegen. Wird alles klappen? Noch gibt es einige Fragen und Probleme zu klären. Wie viel Platz ist auf der Bühne? Wo werden die Musiker sitzen? Und Vorsicht mit den Scheinwerfern! Dass hier Profis und Kinder – also Amateure – aufeinander treffen, macht den besonderen Charme des Pupils’ Dance Project aus. Selbst wenn nicht alles reibungslos abläuft und sich die eine oder andere Panne einschleichen sollte, den Spaß und die Erfahrung kann den Kindern niemand nehmen.

Um 15 Uhr ist die Probe beendet. Am nächsten Tag ist schulfrei, da muss Lisa Mathe lernen. Und danach wird sie noch einmal die Choreographie durchgehen. Noch vier Wochen bis zur Premiere. Dann heißt es: Vorhang auf für 180 Schüler aus Regensburg und Hemau.

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