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Per Mausklick viel über Polen lernen

Das jüngste Projekt des Regensburger DPI-Mitarbeiters Matthias Kneip ist nun online: „Polen in der Schule“ hat für alle Interessierten viel zu bieten.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Die Plattform „www.poleninderschule.de“ ist nicht nur etwas für den Unterricht, sagen Dr. Matthias Kneip (l.) und Manfred Mack vom Deutschen Polen-Institut, sondern für alle.Foto: Tomasz Czebatul/DPI

Regensburg.Wie viele Einwohner hat Polen? Wie groß ist die Fläche des Landes? Wie heißt das Nationalgericht? Und welches dieser Gebirge liegt in Polen: Ural, Hohe Tatra, Erzgebirge oder Niedere Tatra? Wer auf diese Fragen keine Antworten weiß oder sein Wissen über den östlichen Nachbarn vertiefen will, der sollte einmal die Internetseite www.poleninderschule.de besuchen. Dort lässt sich nicht nur ein Wissenstest nach Art des Quiz’ „Wer wird Millionär?“ absolvieren, sondern dort lassen sich Informationen über Polen in großer Zahl aus verschiedenen Genres und in unterschiedlichster Darreichungsform finden. Seit Mittwoch ist die Seite online. Das Interesse ist enorm: 2200 Klicks zählte die Internetplattform bereits am ersten Tag.

Die Spur des neuen Bildungsangebots des Deutschen Polen-Instituts (DPI) in Darmstadt führt zurück in die Brückenstadt Regensburg: Denn einer der Hauptverantwortlichen des Projekts „Polen in der Schule“ ist der Regensburger Dr. Matthias Kneip. Der DPI-Mitarbeiter leitet mit seinem Kollegen Manfred Mack das auf drei Jahre angelegte Projekt, das von der Regensburger Sanddorf-Stiftung finanziert wird. Der Herausgeber, das Deutsche Polen-Institut, steuert die Arbeitsleistung seiner Mitarbeiter bei – und damit vor allem das fachliche Know-how.

Das Nachbarland im Unterricht

Seit eineinhalb Jahren wird an der Plattform gearbeitet, erzählt Matthias Kneip. „Ausgehend vom Grundgedanken, dass im deutschen Regelunterricht Kenntnisse über das Nachbarland Polen wichtig sind, haben wir versucht, an vorhandenen Inhalten der Lehrpläne entlang Brücken nach Polen zu schlagen“, erklärt Kneip. „Günter Grass, Gottfried Keller, E.T.A. Hoffmann – die haben alle Bezüge zu Polen, nur wissen das viele nicht.“

Der 1927 in Danzig geborene deutsche Schriftsteller Günter Grass zum Beispiel, der sehr viel für die Verständigung zwischen Polen und Deutschen getan hat, wird in Polen sehr verehrt. Als Grass 1999 den Literaturnobelpreis verliehen bekam, titelte eine große polnische Tageszeitung: „Unser Grass erhielt den Nobelpreis“. Die Plattform widmet sich dem Autor an mehreren Stellen. So findet sich der Trailer zum Film „Die Blechtrommel“ auf der Homepage, es gibt Arbeitsblätter zum Unterrichtsmodul „Günter Grass: Polen in der Blechtrommel“ und Linktipps zu Grass.

An dem Beispiel lassen sich die Vorteile der neuen Plattform gut ablesen: Lehrer können Schülern im Unterricht mittels Beamer oder auf computergestützten Whiteboards umfangreiche Unterrichtsmaterialien, Arbeitsblätter, Filmausschnitte und Links zu polnischen und deutsch-polnischen Themen zur Verfügung stellen, erklärt Kneip. „Die Module sollen die Lehrer befähigen, mit kleinem Aufwand Brücken nach Polen zu schlagen.“ Und das, ohne selbst Spezialisten für Polen zu sein oder alles selbst zusammensammeln und aufbereiten zu müssen.

„Es lag nahe, auf digital umzuschalten, da man so auch das Medium Film nutzen kann“, sagt Kneip. Filmdokumentationen haben auf der Plattform tatsächlich besonderes Gewicht. Das Deutsche Polen-Institut hat sogar selbst die zwei Filme „Polen im Zweiten Weltkrieg„ und „Der polnische Dichter Tadeusz Rózewicz – ein Portrait“ in Auftrag gegeben, die schon auf der Homepage angesehen werden können. Möglich wurde dies durch die finanzielle Unterstützung der Regensburger Sanddorf-Stiftung. Außerdem habe beispielsweise das ZDF dem DPI für die Plattform begrenzt kostenloses Filmmaterial zur Verfügung gestellt, berichtet Kneip.

Von Geschichte bis Polnisch

Der Schwerpunkt der Inhalte, die von Kneip und Mack in Zusammenarbeit mit Dorothea Traupe zusammengetragen wurden, liegt auf Informationen zu den Fächern Deutsch, Geschichte, Gesellschaftskunde sowie zur polnischen Sprache und Landeskunde. Grundlage hierfür sind die vom DPI herausgegebenen Lehrwerke, die im Cornelsen Verlag erschienen sind. Die Seite bündelt Informationen des DPI und interessanter Internetseiten zum Thema Polen. Die Plattform wird während der nächsten zwei Jahre noch beständig weiterentwickelt und ausgebaut. Dabei werden auch Nutzerwünsche berücksichtigt. „Das ist ein lebendiges Produkt“, betont Kneip. Und eines, das sich nicht nur an Lehrer und Schüler wendet, sondern von jedem kostenlos und weitgehend auch ohne Registrierung nutzbar ist. Gerade im Aufbau sind Module zu Frédéric Chopin und Marie Sklodowska Curie, die sicher auch außerhalb von Bildungseinrichtungen ihre Leser und Nutzer finden werden. Das Interesse an Polen wächst ohnehin von Jahr zu Jahr, weiß Kneip, und das innerhalb und außerhalb der Schulen.

Vorstellung in Regensburg

Die Inhalte der Plattform werden auch beim Katholikentag in Regensburg Ende Mai eine große Rolle spielen. Zu fünf Veranstaltungen des Katholikentags ist der Polen-Experte Matthias Kneip geladen, so unter anderem zur Diskussionsveranstaltung „Gemeinsam anders – Deutsche und Polen in Europa“ über den gesellschaftlichen Wandel in den beiden Ländern. Dabei werden Inhalte der Homepage www.poleninderschule.de voraussichtlich für Projektionen und Einspieler herangezogen.

Im Vorfeld des Katholikentags gibt es von 5. bis 9. Mai schon eine Lesereise durch die Schulen der Diözese Regensburg. Veranstaltet wird die Lesetour von Renovabis in Zusammenarbeit mit der Diözese. „Auch da werde ich Themen, die auf der Homepage sind, vorstellen“, sagt Kneip. „Polen entdecken!“ ist das Thema der Lesereise und damit auch das Motto der Internetplattform, die mit ihren zahlreichen Informationen und Links vor allem eines will: Lust machen auf das Nachbarland Polen.

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