mz_logo

Regensburg
Montag, 29. Mai 2017 30° 2

Gala

Publikum feiert „Menschen, die bewegen“

Der erste regionale Jahresrückblick im Regensburger Velodrom stößt auf Begeisterung – 15000 Euro für Hilfsprojekt „Sea Eye“.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Der Erlös der Gala kommt dem Verein „Sea-Eye e.V.“ zugute. Foto: Lex
  • Marina Gottschalk (TVA) und Josef Pöllmann, Stellvertreter des Chefredakteurs der MZ, führen durch den Abend. Foto: Lex

Regensburg.Schauspieler Marcus Mittermeier schickt am Ende des Interviews einen Kuss von der Bühne - an seine Frau. Sie sei für ihn der Mensch, der ihn 2016 am meisten bewegt hat. MZ-Herausgeber und Verleger Peter Esser nennt Barack Obama. Wie er seinen Abschied als US-Präsident gestaltet habe, das sei etwas Besonderes gewesen. Und immer wieder fällt der Name „Sea Eye“. Die Regensburger Organisation hat in diesem Jahr weit über die Region hinaus Schlagzeilen gemacht. Völlig unbedarft und ohne irgendeine Art von Vorkenntnissen beschloss Michael Buschheuer, wie er selbst behauptet „nach einem Bier zu viel“, mit Entschlossenheit gegen die humanitäre Katastrophe vorzugehen, die sich im Mittelmeer abspielt. Dort, wo bereits tausende Menschen auf der Flucht ertrunken sind. Seitdem hat der Verein, der inzwischen über 400 Mitstreiter zählt, mehr als 5500 Menschen mit einem umgebauten Fischkutter das Leben gerettet. Als Michael und Hans-Peter Buschheuer davon berichten, ist es bei der Premiere der Gala zum Jahresrückblick „Menschen, die bewegen“, mucksmäuschenstill im Regensburger Velodrom.

Hier bekommen Sie einen Eindruck von der Gala in 360 Grad:

MZ-Gala "Menschen, die bewegen" - Spherical Image - RICOH THETA

Es ist ein Abend, wie ihn die Region noch nicht erlebt hat. Die Menschen noch einmal ins Rampenlicht zu stellen, die Großes geleistet, Ungewöhnliches erlebt und Lustiges zu erzählen haben, das kennt man aus den großen Fernsehshows. Aber viele Schlagzeilen, die hier geschrieben wurden, die sind am Ende des Jahres schon wieder in Vergessenheit geraten. Mit der Idee hat das Mittelbayerische Medienhaus in Kooperation mit TVA und Charivari deshalb, so war der einstimmige Tenor der Gäste, voll ins Schwarze getroffen. „Ein wunderbar kurzweiliger Abend“, sagt etwa die Landtagsabgeordnete Margit Wild (SPD) nach der rund dreistündigen Show, die von Josef Pöllmann (Mittelbayerische) und Marina Gottschalk (TVA) moderiert wurde.

Die musikalische Umrahmungen übernahmen die Geff-Eisenhauer-Band und Sänger Markus Engelstädter mit einem Prince-Medley sowie Yinjia Gong (Tenor am Theater Regensburg) und Satomi NIshi (Piano).

Während das Regensburger Projekt „Sea Eye“ von internationaler Bedeutung ist, gibt es aber auch die vielen „kleinen“ Geschichten, an die es sich zu erinnern lohnt.

Sprengmeister Michael Filips (l.) und Johannes Buchhauser, Chef der Regensburger Feuerwehr. Foto: Lex

An die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gefunden wurde, konnten sich zwar die Gäste noch lebhaft erinnern, doch wer dafür sorgte, dass alles ein glückliches Ende nahm, daran darf am Ende des Jahres durchaus nochmals erinnert werden. Michael Filips war es. Ein cooler Typ, dem wie er im Gespräch mit Josef Pöllmann sagt, „Krieg und Krankheit Angst machen, aber nicht die Kampfmittel, die er zu entschärfen hat“.

„Ich habe Angst vor Krieg, vor Krankheit, aber nicht vor den Kampfmitteln, die ich entschärfe.“

Sprengmeister Michael Filips

Wenngleich er einräumt, dass sich in seinem Job auf keinen Fall eine Routine einschleichen dürfe, denn dann werde es riskant. Filips hat Johannes Buchhauser auf der Bühne mit dabei, den Chef der Regensburger Berufsfeuerwehr, der die Evakuierungsmaßnahmen leitete. Sie seien mittlerweile ein eingespieltes Team, sagt Buchhauser. Denn bombige Funde sind in Regensburg ja keine Seltenheit.

Gespannte Erwartung im Foyer Foto: Lex

Bombige Stimmung kehrt im Velodrom ein, als Dr. Hans-Jürgen Moser auf die Bühne kommt. Er hat die größte Zirkus-Modellanlage Europas geschaffen. Ein Zelt des Circus Krone und dazu 300 Wagen hat er nachgebaut und nun an den Circus Krone verschenkt. Wie er auf die Idee zu dem Projekt kam? „Das habe ich von meinem Großvater geerbt“, erzählt er. Als seine Mutter festgestellt habe, dass auch ihr Sohn vom Zirkus fasziniert sei, habe sie gestöhnt: „Jetzt geht die Gaudi wieder los.“ Aber der Zirkus sei eben sein Leben, so der Mediziner - und zwar in jeder Hinsicht. Seine Zeit am Gymnasium sei ein Zirkus gewesen, weil der Vater mit den Noten nicht einverstanden war. Später habe er als landwirtschaftlicher Helfer mit den Rindern Zirkus im Stall gemacht. Und dann habe er in seiner Freizeit zur Entspannung an seinem Zirkusmodell gebaut, bis ins kleinste Detail sollte alles der Realität entsprechen. Jetzt, wo der Zirkus umgezogen ist, widmet sich Moser der Malerei. Seine Bilder stellt er aus und verschenkt sie anschließend für den guten Zweck. „Ich kann doch nicht für etwas 700 Euro verlangen, für das ich zehn Minuten gebraucht habe.“ Das Publikum applaudiert begeistert. Und als Moser die Bühne verlässt, ruft íhm ein Zuschauer „Zugabe“ hinterher. Man hätte diesem Chamer Original gerne noch länger zugehört.

Die schönsten Bilder der Gala sehen Sie hier:

MZ lädt zum ersten regionalen Jahresrückblick

Aus dem Nähkästchen plaudert der Amberger Schriftsteller Eckhard Henscheid, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feierte. Von seiner Fehde mit dem Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki, der den Oberpfälzer Autor einmal als „Idioten“ bezeichnet hatte. Im Alter sei es dann fast noch zu einer Freundschaft gekommen, die er aber ausgeschlagen habe. „Er hat mich wissen lassen, dass er ein großer Verehrer sei, aber Reich-Ranicki war auch auf dem Gebiet der Intrige unschlagbar.“ Und so wurde nichts aus der Verbrüderung. Aktuell schreibt Henscheid, der einst das Satiremagazin „Titanic“ mitbegründete, an Legenden über Heilige. Dafür muss er sehr viele alte Quellen studieren. „Ich weiß nicht, ob der Bischof Voderholzer das Thema so gut drauf hat, wie ich momentan.“

TV-Moderatorin Evelyn Weigert im Interview. Foto: Lex

Besser als ein Sternekoch hat Moderatorin Evelyn Weigert das Kochen drauf. Bereits zwei Mal führte sie in der Fernsehshow „Grill den Henssler“ den Profi vor der Jury vor - jeweils mit einer Dessertkreation, die sie zuvor mit ihrer Mutter Gabi Weigert einstudiert hatte. „Ich habe gemacht, was meine Mama gesagt hat und es hat geklappt.“ Sie sei zwar selbst eine gute Köchin, überlasse aber jetzt das Feld ihrem Freund. „Und ich konzentriere mich aufs Putzen.“ Evelyn Weigert ist seit Oktober mit einer neuen Wissensshow für Kinder auf RTL zu sehen.

Schlagzeilen machte die Region dieses Jahr auch in sportlicher Hinsicht. MIt Julia Görges und Angelique Kerber spielen derzeit zwei Ausnahme-Tennisspielerinnen für die Eckert Damen des TC Rot-Blau. Görges erreichte mit ihrer Partnerin Karolina Pliskova das WTA Finale in Singapur und stand im Einzel, unter anderem in Auckland, im Halbfinale. Allerdings müssen am Samstagabend Trainer Michael Geserer und Dr. Markus Witt, Vorsitzender des TC Rot-Blau, ohne die 28-Jährige auf die Bühne. Görges musste sich mit einer Virusinfektion entschuldigen. Geserer und Witt versprechen, dass Regensburg auch 2017 Weltklassetennis sehen wird und auch mit einigen Einsätze der aktuellen Weltranglistenersten Angelique Kerber rechnen darf.

Klaus Augenthaler sorgte in diesem Jahr für eine sportliche Sensation. Foto: Lex

Die Verpflichtung von Trainer Klaus Augenthaler beim Landesligisten SV Donaustauf war ein weiterer regionaler Paukenschlag im Jahr 2016. Vor allem das soziale Engagement des Vereins, der unter anderem den Leukämielauf und den Bau eines Patientenhauses am Uniklinikum Regensburg unterstützt, habe ihn überzeugt. Augenthaler wörtlich: „Ich bin fast 60 Jahre alt, habe eine künstliche Hüfte, aber wenn ich einen Ball sehe, dann muss ich immer noch hinhauen.“

„Ich bin bald 60 und habe eine neue Hüfte, aber wenn ich einen Ball sehe, dann muss ich immer noch hinhauen!“

Klaus Augenthaler

Die Arbeit mit den Amateurspielern sei ungewöhnlich, mache ihm aber sehr viel Spaß. „Die sagen das Training ab, weil sie Holz machen müssen oder Karten fürs Justin Bieber Konzert haben.“ Da er aber als Trainer einen gewissen Ehrgeiz habe, müsse man dann Kompromisse finden.

Keinen Kompromiss machte dagegen Olympiasieger Christian Reitz, der in Rio Gold gewann. Der Regensburger wirke im Wettkampf sehr cool, sagt Moderatorin Marina Gottschalk. Das sei aber nicht wirklich so, widerspricht der Sportschütze. Deshalb könne er sich auch nicht mehr an alle Details seines Sieges erinnern. „Aber an die Verleihung der Medaille, das ist schon ein bewegender Moment.“ Den haben auch Urs und Klaus Eder miterlebt, die als Physiotherapeuten in Rio mit dabei waren und über die schwierigen Zustände im Olympischen Dorf berichten. Und Urs Eder bestätigt im Interview, dass für sie nach acht Einsätzen bei Olympischen Spielen nun endgültig Schluss ist.

Im Video – das war die MZ-Gala „Menschen, die bewegen“:

Das war die MZ-Gala "Menschen, die bewegen"

Deutschland diskutiert in diesem Jahr verstärkt über das Thema Integration. Gelebte Integration bringt Hacer Aslan auf die Bühne. Die junge Deutsch-Türkin ist die amtierende Kelheimer Volksfestkönigin und überaus glücklich in ihrem Amt. Die Stadt Kelheim wurde für diese Entscheidung bereits mit einem Integrationspreis ausgezeichnet. „Ich freue mich sehr, dass ich ein Bespiel für gelungene Integration sein kann. Für die Deutsch-Türken meiner Generation sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, sich zu integrieren, ihre Wurzeln sollten sie dabei aber nicht vergessen.“

Warum er sich als Schirmherr für Menschen mit Seltenen Erkrankungen engagiert und in der Vorstandschaft beim Verein zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder (VKKK) einbringt, berichtet Schauspieler Marcus Mittermeier auf der Bühne. Sein Engagement ist auch darin begründet, dass er in Regensburg gerne zu Hause ist. Er und seine Frau hätten beschlossen an dem Ort zu leben, „an dem wir uns kennengelernt haben“.

Bereits seine zweite Hausgeburt erlebte der Wörther Chefarzt Dr. Wolfgang Sieber. Als Notarzt war in Barbing Anfang des Jahres als Geburtshelfer gefordert. „Dann denkst du dir jedes Mal: Oh Gott, wie geht das nochmal?“ Aber alles lief gut. Die Mutter und das kleine Mädchen haben die dramatischen Minuten, in denen alles so schnell ging, dass der Weg ins Krankenhaus nicht mehr möglich war, gut überstanden.

Und dann war da noch Erich Rozyckyi aus Bach, auf dessen nagelneuem Auto – „erst zwei Tage alt und 120 Kilometer drauf“ – sich ein Paar im Fasching vergnügte und dabei die Motorhaube zerbeulte und den Spiegel abriss. Die Übeltäter wurden bis heute nicht gefunden. Und Rozyckyi sperrt jetzt immer das Garagentor ab.

Markus Engelstädter sorgte für Unterhaltung. Foto: Lex

Zwölf Themen, die die Region in diesem Jahr bewegten und die den Gästen der Gala einen spannenden, humorvollen und bewegenden Abend bescheren. Als am Ende Michael und Hans-Peter Buschheuer von ihren bislang 14 Missionen im Mittelmeer berichten, von den Menschen, denen sie so das Leben retten konnten, gibt es langanhaltenden Applaus. Es ist der Höhepunkt der ersten Gala „Menschen, die bewegen“, als MZ-Herausgeber und Verleger Peter Esser den Erlös der Gala für das Projekt „Sea Eye“ überreicht. 15 000 Euro, die der Verein für den Kauf eines weiteren Schiffes aufwenden will. Beim anschließenden Empfang wird noch lange über das Regensburger Hilfsprojekt gesprochen und auch darüber, was man noch tun kann, um solches herausragendes Engagement zu unterstützen.

Einig sind sich alle Gäste, dass diese Gala kein einmaliger Abend gewesen sein kann. Allein bei der Gästeauswahl, sagt die Landtagsabgeordnete Wild, muss noch etwas nachgearbeitet werden. „Da müssen noch mehr engagierte Frauen aufs Podium.“

TVA strahlt die komplette Gala am 10. Dezember um 20 Uhr und am 1. Januar um 18 Uhr aus.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht