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Soziales

Pürkelgut: Obdachlose müssen raus

Seit Jahrzehnten steht das Gebäude offiziell leer. Menschen ohne Zuhause fanden dort Unterschlupf. Nun mussten sie gehen.
Von Katharina Eichinger, MZ

  • Das ehemalige Gasthaus am Pürkelgut beherbergte viele Obdachlose. Doch nun hat die Polizei das Gebäude geräumt. Foto: Matthes
  • Der Haupteingang ist vergittert. Foto: Eichinger
  • Neben dem ehemaligen Gasthaus stehen ein Hotel und eine Wohnanlage. Foto: Matthes
  • Im Vorgarten wuchert Gestrüpp. Foto: Matthes

Regensburg.Seit vier Jahren ist „Zecke“ obdachlos, in den vergangenen drei Jahren hat er in der ehemaligen Gaststätte am Pürkelgut an der Landshuter Straße übernachtet. Damit ist jetzt Schluss. Vor Kurzem hat die RMI Facility Management GmbH, die das Gebäude verwaltet, den ehemaligen Gasthof von der Polizei räumen lassen.

Das Gebäude steht seit Jahrzehnten offiziell leer, aber wird von Obdachlosen genutzt. Wie viele dort geschlafen haben, ist unklar. „Es wäre mir neu, dass da schon länger jemand gewohnt hat“, sagt dagegen Josef Staller von der RMI Facility Management GmbH. Es habe einen Hausmeisterdienst gegeben, der dort zwar Müll, aber keine Menschen angetroffen habe. Man habe das Gebäude aus versicherungstechnischen Gründen räumen lassen. „Das Haus ist baufällig, da kann was passieren“, sagt Staller. In den kommenden zwei Monaten soll es Gespräche geben, „damit Bewegung in das Haus kommt“.

Lange gab es dort Probleme mit mit Müll, den Unbekannt dort abgeladen haben. „Da lagen sogar Kühlschränke herum“, sagt der Geschäftsführer des B&B-Hotels neben dem Gebäude. Doch die Situation habe sich gebessert: „Es ist nicht mehr so viel Müll, wie letztes Jahr.

Obdachlose haben aufgeräumt

Eine Wendeltreppe führt zu den Zimmern, in denen die Obdachlosen in der Vergangenheit gewohnt hatten. Foto: Eichinger

Das bestätigt auch das Umweltamt der Stadt: In den vergangenen Wochen habe sich niemand beschwert. Dazu haben auch die Obdachlosen beigetragen: „Zecke“ erzählt von Aufräumaktionen der Bewohner. Der gelernte Landschaftsgärtner wollte den Garten umgestalten. Doch dann kam die Räumung.

Die ehemalige Gaststätte

  • Lage:

    Die ehemalige Gaststätte am Pürkelgut befindet sich an der Landshuter Straße gegenüber dem Polizeipräsidium Oberpfalz.

  • Zukunft:

    Das Haus wird von der RMI Facility Management GmbH verwaltet. In den nächsten Monaten sollen Gespräche stattfinden, was es weiter geht.

  • Hilfe:

    Die Initiative „Recht auf Stadt“ möchte einen Verein gründen und das Haus kaufen.

Das Amt für Soziales weiß nichts von der Räumung auf dem Pürkelgut-Gelände, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Sie verweist darauf, dass die Menschen, die in dem Haus gelebt haben, in der Unterkunft in der Taunusstraße schlafen können. Diese Unterkunft kann insgesamt 33 Menschen beherbergen und im Bedarfsfall um etwa zehn Plätze erweitert werden. 2016 war sie zu keinem Zeitpunkt voll ausgelastet. 16 bis 19 Menschen übernachten dort im Schnitt. Bei vielen Obdachlosen ist die Unterkunft aber wenig beliebt. Man müsse nüchtern kommen, dürfe keine Tiere mitbringen, sagt Zecke. Um 21 Uhr müsse das Licht aus sein.

Diesen Müll wollten die Obdachlosen eigentlich wegräumen – doch die Räumung kam ihnen zuvor. Foto: Eichinger

Die Umstände in der Taunusstraße entsprechen nicht dem üblichen Standard, sagt Wolfgang Krinner, Referent für besondere Lebenslagen bei der Caritas. „Das sind Hausordnungsregeln, die eher abschrecken und mit denen sich die Menschen nicht wohlfühlen.“ Vor allem im Sommer schliefen sie lieber draußen. Nach dem Polizei- und Ordnungsrecht müssen Bürger von ihrer Gemeinde untergebracht werden, sofern sie sich selbst nicht helfen können, sagt Krinner. Weil aber die städtische Unterkunft nicht ausgelastet sei, werde der wirkliche Bedarf nicht klar.

Lieber im Gefängnis

Ein Blick ins Innere des nun versperrten Gebäudes. Foto: Eichinger

Tagsüber vertreibt „Zecke“ sich die Zeit mit Wohnungs- und Arbeitssuche. Für das Arbeitsamt ist der 25-Jährige ein „besonders schwieriger Fall“, sagt er. Wenn er blöd angeredet wird, sagt er: „Mach du erst einmal durch, was ich durchgemacht habe.“ Sein Schlafsack hält auch bei Minusgraden warm, deswegen schläft er lieber draußen als in der Unterkunft. „Und wenn es ganz hart ist – da bin ich ehrlich – dann bau ich halt scheiße, so dass ich im Knast lande.“ Nach Pürkelgut kann er nicht zurück.

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