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Regensburg
Samstag, 16. Dezember 2017 6

MZ-Serie

Rätselhafte Krone im Schlossgarten

Statt des thurn und taxisschen Fürstenhuts ziert die Wittelsbacher Krone den Obelisken bei St. Emmeram in Regensburg. Warum?
Von Eva-Maria Bast

Dr. Peter Styra, Leiter der Hofbibliothek, zeigt die Krone am Obelisken.Foto: Fürst Thurn und Taxis Zentralarchiv

Regensburg.Ein Initial und darüber eine Krone: An dem Obelisken, der sich stolz an der Einfahrt zu Schloss St. Emmeram erhebt, befindet sich oberhalb des Buchstabens „C“ die Krone der Wittelsbacher. Das verblüfft – schließlich residieren nicht die Wittelsbacher im Schloss, sondern seit 1748 die Thurn und Taxis. Warum dann nicht der thurn und taxissche Fürstenhut zu sehen ist? Nun, dieser Obelisk stand einst in München, nicht in Regensburg. Genau deshalb zeigt er die Wittelsbacher Krone und nicht den Thurn und Taxis Fürstenhut.

Ursprünglich befand sich aber gar keine Krone auf dem Obelisken – und auch kein „C“. „Angefertigt wurde er im Auftrag des Passauer Fürstbischofs Kardinal Joseph Franz Graf von Auersperg. Gedacht war er für den Englischen Garten seiner 1790 bis 1792 erbauten Sommerresidenz Schloss Freudenhain im Nordwesten Passaus“, erzählt Dr. Peter Styra, Leiter der Fürst Thurn und Taxis Hofbibliothek.

Ein Porträt des Fürstbischofs

Der Fürstbischof ließ in den Obelisken sein Porträt einmeißeln. Davon ist heute nichts mehr zu sehen, da der Obelisk nach der Säkularisation 1802/03 in staatlichen Besitz überging. Bayerns erster König Max I. Joseph ließ ihn in die Parkanlage des Schlösschens für seine Gemahlin Caroline, Schloss Biederstein in München, bringen. Nun wurde dort, wo sich einst das Porträt des Fürstbischofs und eine Inschrift befunden hatten, ein „C“ nebst Krone für Caroline von Bayern eingemeißelt. Friederike Caroline Wilhelmine (1776-1841) war die zweite Frau von Kurfürst Maximilian IV. Joseph (1756-1825). Und dieser nahm auf Betreiben Napoleons 1806 die Königskrone an und nannte sich nun König Max I. Joseph von Bayern: So kam es zur Wittelsbacher Königskrone.

Und wie gelangte der Obelisk von München nach Regensburg? Das ist Fürst Albert I. von Thurn und Taxis (1867-1952) zu verdanken: Als 1930 das Inventar von Schloss Biederstein bei einer Auktion in München versteigert wurde, erwarb der Fürst verschiedene Gegenstände aus dem ehemaligen Besitz der Königin Caroline – darunter war auch der Obelisk.

Fürst Albert war Sohn des Erbprinzen Maximilian Anton von Thurn und Taxis (1831-1867) und der Herzogin Helene in Bayern (1834-1890). Durch Helene, eine Wittelsbacherin, waren die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Wittelsbachern und den Thurn und Taxis sehr eng geworden. „Helene heiratete am 24. August 1858 Erbprinz Maximilian Anton von Thurn und Taxis“, sagt Styra. Friederike Caroline, Bayerns erste Königin, war ihre Großmutter, Maximilian, der erste König von Bayern, ihr Großvater.

Freundschaftliche Verhältnisse

Drei Tage vor Weihnachten 1858 zogen Erbprinz Maximilian Anton und Helene in Regensburg ein. In dieser Zeit, sagt Styra, waren die Beziehungen der Familien Wittelsbach und Thurn und Taxis, wie auch heute, entspannt und freundschaftlich.

Doch so ungetrübt waren die Beziehungen nicht immer: „Noch unter Bayerns erstem König Maximilian waren trotz verwandtschaftlicher Bande die Spannungen groß, allerdings ging es nicht um Personen, sondern um die Post“, erläutert der Archivar. Denn nachdem die Thurn und Taxis im Jahr 1664 das Postwesen in Bayern übernommen hatten, entwickelten sie es zu einem florierenden Unternehmen weiter.

Als aber Kaiser Franz II. 1806 die Kaiserkrone niederlegte, war der Weg zur Verstaatlichung der Post in Bayern frei. Zwar überließ der König den Thurn und Taxis die Post im Königreich als bayerisches Lehen. „Doch 1808 etablierte sich die Königlich Bayerische Staatspost, der Fürst behielt lediglich die Würde des Erbgeneralpostmeisters der bayerischen Posten und eine Leibrente von jährlich 100 000 Gulden“, sagt Peter Styra.

Wie gut die Beziehungen sich im 19. Jahrhundert entwickelt hatten, kann man einem privaten Brief König Ludwigs I. entnehmen. Nach einem Besuch in Regensburg anlässlich der Grundsteinlegung der Walhalla, für die Fürst Karl Alexander das Grundstück an der Donau gestiftet hatte, schrieb der König an Fürstin Therese am 21. Oktober 1830: „(…) kann ichs mir nicht versagen meinen innigen Dank, auch schriftlich auszudrücken für alles Schöne Prächtige, für alles Herzliche was mir von meinen lieben taxisschen Verwandten geworden. Sich bey Bekannten früher Jugend zu befinden, in denen dasselbe Blut rollt wie in mir, dieses läßt fühlen was kein Anderer zu empfinden gibt.“ König Ludwig unterzeichnete „Mit wohlbehüteten Gefühlen, Ihr Ihnen anhänglichster Vetter Ludwig“.

Der Obelisk wurde 1930 im Rasendreieck in der Haupteinfahrt aufgestellt und erinnert seither an die vielfältigen verwandtschaftlichen und geschäftlichen Verflechtungen zwischen den Häusern Wittelsbach und Thurn und Taxis.

Und übrigens: Fürst Albert II., heutiger Chef des Hauses Thurn und Taxis, trägt neben zahlreichen anderen immer noch den Titel eines „Erbgeneralpostmeisters“.

Weitere Teile unserer Serie „Regensburger und Oberpfälzer Geheimnisse“ finden Sie hier!

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