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Regensburg
Sonntag, 24. September 2017 20° 3

Themenwoche Verkehr

„Regenbrücke ist dringend erforderlich“

Ein Verkehrsexperte sagt: „Lange Verzögerungen durch Einsprüche Einzelner haben tägliche negative Auswirkungen für viele.“

Der Pfaffensteiner Tunnel und die Westumgehung sind seit Jahren chronisch überlastet. Die Sallerner Regenbrücke müsste „endlich“ gebaut werden, um für Entlastung zu sorgen, sagen Verkehrsgutachter. Foto: Lex

Regensburg.Herr Professor Kurzak, Sie kennen die Region Regensburg und ihre Verkehrsprobleme seit Jahrzehnten als Gutachter. Die Verkehrsuntersuchung für den Großraum Regensburg, an der Sie maßgeblich mitgewirkt haben, wurde vor gut zehn Jahren veröffentlicht. Gelten die damaligen Handlungsempfehlungen bis heute unverändert?

Kurzak: „Die große Untersuchung zum Verkehrsentwicklungsplan liegt schon 20 Jahre zurück. Damals wurden 15 Maßnahmen im Stadtgebiet und am Stadtrand untersucht, von denen zehn Maßnahmen inzwischen umgesetzt wurden. Aber es fehlen noch wichtige. Vor zehn Jahren erfolgte eine weitere große Untersuchung mit zwei großen Aufgaben: eine weiträumige Autobahnumfahrung und eine Leistungssteigerung durch bessere Verkehrsverteilung. Ergebnis bei der Autobahnumfahrung war, dass sie für Regensburg nicht die notwendige Entlastung bringt und zeitlich unabsehbar ist. Zur Leistungssteigerung der bestehenden Strecken wurden vor allem der Bau der Sallerner Regenbrücke sowie die Entlastung der Konradsiedlung durch den Bau der Osttangente empfohlen. Die Osttangente ist inzwischen gebaut und es sind die erwarteten Entlastungen im Stadtgebiet bereits eingetreten. Dringendst erforderlich ist aber endlich der Bau der Sallerner Regenbrücke, für die die staatliche Baugenehmigung schon lange besteht.“

Schon damals haben Sie neben dem Bau der Sallerner Regenbrücke auch den sechsspurigen Ausbau der A3 zwischen dem Autobahnkreuz und Rosenhof sowie leistungsfähigere Trassen im Bereich Pfaffenstein (Brücke, Tunnel, Parallelbrücken) empfohlen. Umgesetzt ist davon bis heute nichts. Kann sich die Region den schleppenden Ausbau der Verkehrsinfrastruktur leisten?

„Nein, denn die Region Regensburg ist eine der wenigen noch entwicklungsstarken Regionen in Bayern.“

Regionale Bundespolitiker gehen davon aus, dass zumindest der Autobahn-Ausbau 2017 starten wird. Steht der auch auf Ihrer Prioritäten-Liste ganz oben?

„Der 6-streifige Ausbau der Autobahn A 3 stand vor zehn Jahren ganz oben auf der Liste, um das Stadtgebiet von Ausweichverkehren beim täglichen Stau zu entlasten.“

Derzeit arbeiten Sie an einem Verkehrsgutachten für den Raum Regensburg Südost, in das auch Nachbargemeinden wie Barbing und Neutraubling einbezogen sind. Was ist Gegenstand Ihrer Untersuchung, und wann wird die Studie vorliegen?

„Gegenstand der Untersuchung sind einerseits die weiteren gewerblichen Entwicklungen im Stadtgebiet Regensburg Ost und die notwendigen Maßnahmen zur verkehrlichen Abwicklung, die mit der Stadt Regensburg abgestimmt sind. Andererseits sind es die Entwicklungen in den Nachbargemeinden, für deren verkehrliche Bewältigung jetzt auch Lösungen vorliegen, die mit den Gemeinden abgestimmt werden. Die Studienergebnisse werden am Mittwoch offiziell vorgestellt.“

In der großen Verkehrsuntersuchung von 2005 haben Sie ein Bevölkerungswachstum in der Stadt Regensburg von 4000 Menschen bis zum Jahr 2020 zugrunde gelegt. Das ist längst überholt: Aktuelle Zahlen der Stadt belegen einen jährlichen Zuzug von rund 1700 Menschen – also weit mehr als vor zehn Jahren prognostiziert. Welche Folgen hat das für die Verkehrssituation und -probleme?

„Umso dringender ist die Durchführung der bereits beschlossenen und auch genehmigten Maßnahmen. Jahrelange Verzögerungen durch Einsprüche Einzelner haben tägliche negative Auswirkungen für viele.“

In einer Sitzung der Lenkungsgruppe Verkehr haben Sie vor Jahren schon einmal die Formel genannt: „Zehn Prozent mehr Verkehr bedeutet hundert Prozent mehr Stau“. Demnach müsste der Verkehr im Raum Regensburg schon komplett zum Erliegen gekommen sein. Welche Maßnahmen wirken denn schon entlastend?

„Verkehr ist ein sehr komplexes Etwas. Den totalen Stau gibt es nicht, jeder sucht sich zeitlich und örtlich seine Wege. Zum Teil sind das aber Wege, die andere belasten. Es ist Aufgabe und Ziel der Stadtplanung in Regensburg, durch den öffentlichen Nahverkehr, durch Parkraumregelung und Verbotsmaßnahmen die negativen Auswirkungen des Kfz-Verkehrs so im Rahmen zu halten, dass die positiven Seiten des Kfz-Verkehrs erhalten bleiben – zum Wohl der weiteren Entwicklung des Großraums Regensburg.“ (nl)

Hier finden Sie weitere Artikel zum Thema Verkehr in und um Regensburg

Begriffe der Verkehrsplanung

  • Straßenkategorien

    In Bayern wird grundsätzlich zwischen Bundesfernstraßen (Autobahnen), Schnellstraßen (Kraftfahrstraßen) – im Raum Regensburg sind das die B16 nach Cham und die B15 neu nach Schierling –, Bundesstraßen, Staatsstraßen, Kreisstraßen und Gemeindestraßen unterschieden.

  • Bundesfernstraßen

    „Bundesfernstraßen“ ist der Sammelbegriff für Bundesautobahnen und Bundesstraßen, die ein zusammenhängendes Netz für den weiträumigen Verkehr bilden und deren Baulast mit Ausnahme der Ortsdurchfahrten größerer Städte bei der Bundesrepublik liegt.

  • Baulastträger

    Der Baulastträger im Straßenbau ist in Deutschland die Institution, die für die Planung, den Bau, den Betrieb und den Unterhalt einer Straße zuständig ist, die für den öffentlichen Verkehr bestimmt ist. In der Regel ist dies die öffentliche Hand (Staat, Land, Gemeinde). Die Baulast für Bundesfernstraßen (Autobahnen) liegt beim Bund. Vor Ort zuständig sind die Autobahndirektionen.

  • Bundesverkehrswegeplan

    Bundesstraßen und Autobahnen werden vom Bund finanziert. Der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) legt fest, welche Straßen mit welcher Dringlichkeit gebaut oder grundlegend verändert werden sollen. Die aktuelle Fortschreibung des BVWP ist in Arbeit und soll im Frühjahr vom Bundestag beschlossen werden. Ein Planungszeitraum umfasst etwa 15 bis 20 Jahre. Der Bundesverkehrswegeplan hat einen empfehlenden, keinen verbindlichen Charakter. Außerdem gibt es verschiedene Dringlichkeitsstufen. Regionale Verkehrspolitiker hoffen aktuell auf die Aufnahme des sechsspurigen Ausbaus der Autobahn A3 zwischen dem Autobahnkreuz Regensburg und Rosenhof in den Bundesverkehrswegeplan.

  • Planfeststellungsverfahren

    Bauvorhaben, die im öffentlichen Interesse liegen und den Verkehrsraum verändern, müssen planfestgestellt werden. Im Planfeststellungsverfahren wird die komplette Bauplanung auf alle eventuellen rechtlichen Risiken hin überprüft, die das Vorhaben angreifbar machen. Erst wenn diese Rechtssicherheit, also Baurecht, besteht, dürfen Aufträge zur Bauausführung vergeben werden. Planfeststellungsbehörde für Großprojekte im Raum Regensburg ist die Regierung der Oberpfalz. Gegen die Planfeststellung sind Rechtsmittel möglich. So sind derzeit gegen den Bau der Sallerner Regenbrücke Klagen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof anhängig. Der forderte zuletzt das Nachreichen einer Umweltverträglichkeitsprüfung.

  • Umweltverträglichkeitsprüfung

    Im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) werden Behörden und Bürger bei der Entscheidung über die Durchführung eines geplanten Projektes mit einbezogen. Aus diesen Umweltberichten können frühzeitig die möglichen Folgen eines Projekts für die Umwelt erkannt und bei der Entscheidung über das Projekt berücksichtigt werden. Allerdings kann das negative Ergebnis einer UVP nicht die Umsetzung eines Vorhabens verhindern, da es keine Rechtswirkung besitzt. Die UVP ist somit kein eigenständiges Verfahren, sondern ist in das jeweilige Planfeststellungsverfahren integriert. Grundlage für Umweltverträglichkeitsprüfungen ist ein eigenes Gesetz.

  • Schwerverkehr

    Unter Schwerverkehr – auch Schwerlastverkehr – versteht man die Gesamtanzahl der Lastkraftwagen ohne Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen sowie der Sattelzüge und Busse. (nl)

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