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Tourismus

Regensburger Hoteliers lehnen sich auf

Zehn Tage im September werden 38 Hotels der Domstadt nicht über gängige Online-Portale zu buchen sein. Denn sie fürchten um ihre Unabhängigkeit.
Von Tanja Rexhepaj, MZ

Die Altstadt von Regensburg zieht viele Touristen an. Foto: dpa

Regensburg. Im Zeitraum zwischen dem 20. und 30. September starten 38 Regensburger Hoteliers eine bundesweit einzigartige Aktion: Um ein Zeichen gegen die Macht der Online-Buchungsportale zu setzen, stellen die Hotelbesitzer in diesen zehn Tagen keine Zimmer über Anbieter wie HRS (Hotel Reservation Service) oder Trivago zur Verfügung. „Wenn wir jetzt nicht anfangen, auch im Vertrieb auf eigenen Beinen zu stehen, dann werden wir in eine absolute Abhängigkeit von den kommerziellen Portalen geraten“, sagt Kathrin Fuchshuber vom Hotel Münchner Hof. Hintergrund seien stetig steigende Provisionen, die die Hoteliers für die Zimmervermittlung übers Internet berappen müssen – und Vertragsklauseln, die sie nicht mehr hinnehmen wollen, „weil sie uns in unserer unternehmerischen Freiheit unverhältnismäßig einschränken“, erklärt Fuchshuber.

Schritt auf unbekanntes Terrain

Eine der Klauseln, die die Gemüter der Hotelbesitzer erhitzt, ist die sogenannte Bestpreisklausel, die HRS gerne in die Verträge mit den Hotels aufnehmen würde. Die Klausel besagt unter anderem, dass der angebotene Preis für ein Hotelzimmer über alle Vertriebskanäle gleich sein muss. In der Praxis bedeutet das: Ein Hotelbetreiber, der mit HRS kooperiert, darf einem Gast auch an der Rezeption keinen günstigeren Zimmerpreis machen, als den im Internet. Eine Klausel, die auch das Bundeskartellamt nicht dulden will. „Letztlich hat der Verbraucher das Nachsehen, da ihm preiswertere Angebote und günstigere Konditionen etwa für Stornierungen weder von anderen Portalen noch von den Hotels selbst unterbreitet werden dürfen“, hebt Kartellamts-Präsident Andreas Mundt in einer Meldung der Nachrichtenagentur afp hervor. HRS hat deshalb von den Wettbewerbshütern eine erweiterte Abmahnung erhalten.

Dass große Portale wie HRS versuchen würden, kooperierenden Hotels ihre Preise zu diktieren, bestätigt Kathrin Fuchshubers Befürchtungen: „In vielleicht nicht einmal zehn Jahren wird es soweit sein, dass HRS sogar Hotels übernimmt.“ Um der marktbeherrschenden Position der Portale entgegenzuwirken, haben sie und mehr als 30 weitere Hotelbetreiber in der Domstadt ihr eigenes Buchungsportal gegründet. Auf www.hotels-in-regensburg.com können bereits seit Ende vergangenen Jahres Zimmer in den teilnehmenden Hotels gebucht werden. Im Aktionszeitraum vom 20. bis 30. September werden diese Hotels online nur in diesem Portal ihre Zimmer zur Verfügung stellen.

Ein Schritt, mit dem sich die Hoteliers auf unbekanntes Terrain begeben. „Man kann sich schließlich auch selbst damit schaden“, sagt Annette Ebmeier vom Hotel Orphée. Denn die Zimmer, die sonst über die großen Portale vermittelt würden, könnten dann leer bleiben. Dennoch ist auch Annette Ebmeier bei der Aktion dabei. „Es geht darum, die Macht der Großen zu brechen und andere Städte zum Mitmachen zu ermutigen.“ Gemeinsame Buchungsportale wie hotels-in-regensburg.de existierten auch anderswo bereits.

Doch wie steht es mit deren Bekanntheitsgrad? Die Plattform der Regensburger Hoteliers sei „bei weitem nicht so bekannt wie Regensburg.de und muss, wenn sie Erfolg haben will, dringend etwas tun“, sagt Sabine Thiele, Geschäftsführerin der Regensburg Tourismus GmbH. Auch ihre Plattform ist vom Boykott der Hoteliers betroffen. „Ich finde es schade, dass diese Hotels www.regensburg.de gleichsetzen mit HRS, hotel.de oder booking.com.“ Thiele vermutet hinter der Aktion vielmehr eine Werbemaßnahme für das neue Portal der 38 Hotelbetreiber. Womit sie nicht ganz unrecht haben könnte, jedenfalls sagt Kathrin Fuchshuber vom Münchner Hof: „Es soll kein Krieg werden, wir pushen unser eigenes Portal.“

Profiteure gibt es jetzt schon

Ob das mit der Aktion gelingt, ist fragwürdig. „Bevor ein Buchungsportal wie das in Regensburg eine gewisse Bekanntheit erlangt und damit ausreichend Gäste in die angeschlossenen Hotels finden, muss ein extrem hoher Aufwand betrieben werden“ sagt Tobias Ragge, Geschäftsführer des Hotelportals HRS. Er betont, dass HRS im Branchenvergleich und im Vergleich zu allen anderen Vertriebsformen einer der günstigsten Vertriebskanäle überhaupt sei. Ähnlich sieht es Stefan Wild, Fachbereichsleiter Hotellerie in der DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Bayern: „Zimmer in einen neuen Topf zu werfen, ist nicht das Problem. Das Problem ist: Wie kommt der Gast an den Topf?“

Fest steht bis jetzt aber schon, dass die Aktion im September jedenfalls einen zweiten Topf kräftig füllen wird: Die im Aktionszeitraum eingesparten Provisionen sollen in einen großen Spendentopf fließen. Zum einen werden die Hoteliers mit 5000 Euro Hauptsponsor der CD der „Aktion Kinderbaum hilft“, zum anderen unterstützen sie die Waisenhausstiftung Stadtamhof. „Wir rechnen mit einem fünfstelligen Betrag, den wir an diese beiden gemeinnützigen Einrichtungen spenden können“, sagt Kathrin Fuchshuber.

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