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Regensburg
Freitag, 30. September 2016 24° 1

Musik

Regensburger Sänger wollen zum Papst

Mit einem Papst Song wollen Kevin und Manuel Karriere machen. Das Singen haben sie bei den Regensburger Domspatzen gelernt.

Das Schlagerduo Kevin und Manuel posiert mit einer Figur, die Papst Franziskus zeigt, vor dem Regensburger Dom. Foto: Christina Sabrowsky/dpa

Regensburg.Einige Passanten bleiben verdutzt stehen, als sie die beiden jungen Männer mit den hellblonden, frisch gestylten Haaren auf dem Regensburger Domplatz entdecken. Andere blicken interessiert, winken. „Ey, euer Auftritt letztens war super“, ruft ihnen ein junger Mann zu. In dunkelblauen Blazern und schlichten Jeans strahlen Kevin und Manuel mit steifem Lächeln und etwas verschämt in Richtung Kamera. In ihrer Mitte: Papst Franziskus.

Allerdings handelt es sich dabei nicht um den „Heiligen Vater“ persönlich, sondern um eine Pappfigur. Wohl kaum würde das Oberhaupt der katholischen Kirche beim Abklatschen mit dem Schlager-Duo vor dem Dom gesichtet werden. Also muss der Papp-Papst herhalten, um die Werbetrommel für das neue Album zu rühren.

Himmlische Unterstützung

Mit sozusagen himmlischer Unterstützung wollen die Schlager-Jünglinge aus Regensburg jetzt nach ganz oben: Vor einigen Wochen haben die Nachwuchssänger ihr zweites Studiowerk mit dem Titel „Papa Francesco“ herausgebracht. Die gleichnamige Single, in der sie Papst Franziskus mit eingängigen Reimen als Hoffnungsträger der Menschheit besingen, erschien Ende 2015. Seitdem ist das mediale Interesse an den 18- und 19-jährigen Schülern, die ihre musikalische Karriere bei den Regensburger Domspatzen gestartet haben, ungebrochen.

Das Schlagerduo Kevin und Manuel singt in dem Studio ihres Produzenten. Foto: Christina Sabrowsky/dpa

„Wir haben einfach total viel Glück gehabt“, sagt Manuel mit einem breiten Lächeln. In dem Studio ihres Produzenten, das mit Marylin-Postern und Jukebox eine Raum gewordene Hommage an den American Way of Life ist, haben sie es sich in Jeans und Pulli auf einer Couch bequem gemacht. Keine Spur von übertriebenem Schlager-Kitsch – ganz im Gegensatz zu dem Raum, in dem sie sitzen. Ein bisschen müde seien sie. Erst am Vorabend sind sie aus Berlin zurückgekommen.

Ein Auftritt bei Joko und Klaas

Kevin und Manuel bei „Circus HalliGalli“. Screenshot: Prosieben

Der Auftritt bei der Late-Night-Show Circus HalliGalli mit den Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in dieser Woche sei einer der besten Momente ihres Lebens gewesen: „Das ist wirklich ein Traum, der wahr wird – absolut genial“. Persönlich nähmen sie es nicht, dass sich die beiden Moderatoren in der Woche zuvor noch über ihre Lieder lustig gemacht hatten.

Joko und Klaas sind nicht die ersten Komiker, die die noch junge Schlagerkarriere der beiden Regensburger als Vorlage für ihre Witze genutzt haben. Alles begann 2014 mit einem etwas ungelenken Auftritt bei „Immer wieder sonntags“. Die Choreographie zu ihrem Lied „Mitternacht auf Korsika“ sollten sie sich ausdenken. „Da haben wir ein bisschen rumprobiert“, sagen sie lachend. Stefan Raab verglich ihre Darbietung daraufhin in seiner Sendung TV Total mit dem Bewegungsfluss der Figuren in der Augsburger Puppenkiste.

Selbstbewusster seien sie geworden, sagen sie. Und das glaubt man den ehemaligen Domspatzen, die eigentlich Martin und Valentin heißen, wenn sie fast schon routiniert die Interviewfragen beantworten. Ihr Produzent hatte die Idee, sie nach den Fußballspielern Kevin Großkreutz und Manuel Neuer zu benennen. Die Ähnlichkeit sei einfach frappierend, sagte er. Unrecht hat er nicht.

„Wir haben eigentlich gar keinen Schlager gehört, bevor wir selbst angefangen haben, welchen zu singen.“

Kevin und Manuel

Aus ihrem Umfeld bekommen sie heute fast ausschließlich Unterstützung. „Vor jedem Spiel hören meine Fußballmannschaft und ich jetzt unser neues Album. Das war die Idee von meinen Teamkollegen“, sagt Valentin alias Kevin. Am Anfang war das noch anders: „Unsere besten Freunde haben gedacht, wir verarschen sie, als wir erzählt haben, dass wir Schlager singen wollen.“

Mit ihrem Papst-Schlager „Papa Francesco“ wollen die ehemaligen Regensburger Domspatzen jetzt richtig durchstarten. Foto: Christina Sabrowsky/dpa

Auf ihre Vergangenheit bei den Regensburger Domspatzen sind sie stolz. Schon damals hätten sie auch Volkstümliches gesungen. Krass sei die Umstellung dennoch gewesen. „Schlager ist schon etwas komplett anderes.“ Es sei ohnehin auch eher ein Zufall, dass sie da gelandet sind. „Wir haben eigentlich gar keinen Schlager gehört, bevor wir selbst angefangen haben, welchen zu singen.“ Bereut haben sie es bis heute nicht.

Einen Gegensatz zwischen ihrer Vergangenheit als Chorknaben und ihrer möglichen Zukunft als Schlagerstars sieht das Duo nicht. „Wir lieben Musik einfach und wollten nie etwas anderes machen. Ob bei den Domspatzen oder als Kevin und Manuel.“ Unangemessen fänden sie es nicht, ein Lied über den „Heiligen Vater“ zu singen und damit ihre Karriere anzukurbeln. „Wir denken, dass wir mit „Papa Francesco“ die Leute wirklich berühren und zum Nachdenken anregen.“ Neben Andreas Gabalier ist der Papst eines ihrer großen Idole.

Einen großen Traum hat das Duo: Sie möchten unbedingt in den Vatikan reisen und Papst Franziskus persönlich ihr Album übergeben. Dreimal haben sie bereits angefragt. „Das wäre genial“, sagt Manuel. Für ihr großes Idol würden sie ihr Lied sogar ins Italienische übersetzen. (dpa)

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