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Regensburg - Nachrichten
Donnerstag, 30. Juli 2015 21° 3

Geschichte

Römischer Abwasserkanal entdeckt

In der Baugrube des ehemaligen Karmelitenhotels haben Archäologen die „Cloaca Maxima“ des Römerlagers gefunden. Auch Münzen und Gefäße legten sie frei.

180 Zentimeter tief soll der Graben laut Silvia Codreanu-Windauer gewesen sein. Foto: Haala

Regensburg. Dass Erdschichten und Geschichten mehr gemeinsam haben als die letzten beiden Wortsilben, bewies Silvia Codreanu-Windauer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege am Mittwochnachmittag in der Baugrube des ehemaligen Karmeliten-Hotels. Nichts Geringeres als die Entdeckung der „Cloaca maxima“ verkündete sie während des Pressetermins vor der nördlichen Wand der Baugrube.

An dieser Stelle befand sich einst der östliche Rand des Römerlagers Castra Regina. Der größte Abwasserkanal des Kastells ist als Querschnitt am Rand der Baugrube zu sehen. Auf 180 Zentimeter Tiefe und 80 Zentimeter Breite beziffert ihn Codreanu-Windauer. Scharf zeichnet sich die Kante der Holzverschalung im Erdreich ab. Die Archäologin vermutet, dass der Graben in seiner Fortsetzung auf einen römischen Abwasserkanal trifft, der 1892 Unter den Schwibbögen entdeckt wurde. Er hätte ähnliche Ausmaße gehabt. Der Graben könnte das Abwasser der Römer entlang der Lager-Mauer und schließlich unter ihr hindurch direkt in die Donau geleitet haben. Da er sich im Lagerinneren befand, handelt es sich nicht um einen Wehrgraben, sondern wohl um einen großen Abwassergraben, erklärt Codreanu-Windauer.

Münzen, Geschirr und Muscheln

Doch der Kanal war nicht das Einzige, was die Archäologen seit Anfang November in Verzückung versetzte. Auch Münzen haben sie in der Erde gefunden: „Bei 45 habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Grabungsleiter Friedrich Lorè. Diese können wertvolle Datierungshinweise liefern. Lorè hat sie entlang jeder Erdschicht gefunden, die ein ehemaliges Fußbodenniveau markiert.

Außerdem fanden die Archäologen Scherben, Teile von Gefäßwänden und Geschirrstücke der ehemaligen Bewohner. Einige von ihnen konnten Codreanu-Windauers Angaben zufolge auf das 7. oder 8. Jahrhundert datiert werden. Daher geht sie davon aus, dass der Graben auch im Mittelalter noch als Mulde zu sehen war, bevor er sich langsam verfüllte.

Sie weiß, dass sie aus dem Inhalt des Grabens Rückschlüsse auf den Speiseplan der Römer ziehen kann. Lorè etwa berichtet von Rückständen von Süßwassermuscheln, die er in seinen Proben gefunden hat. Auch Tierknochen oder Samen lassen Schlüsse auf die Ernährung im Lager zu.

Die Denkmalpflegerin liest in den Erdschichten wie in einem Buch. Sie zeigt die Grundmauern eines alten Offiziersgebäudes des Römerkastells und sein eingestürztes Dach. Dieses Ereignis datiert sie auf das Ende des dritten Jahrhunderts und führt es auf einen Sturm der Germanen auf das Römerlager zurück. Wenige Jahrzehnte zuvor sei das Lager schon einmal von den Germanen heimgesucht worden, vermutet sie und zeigt auf eine Ziegelschicht ein wenig weiter tiefer in der Erde. Schwarze Einschlüsse deuten auf Brände hin.

Von den Römern zum Bischof

Über der Ziegelschicht befindet sich eine dicke Schicht dunkler Erde. „Black Earth“ – so nennen die Archäologen dieses Material, berichtet Silvia Codreanu-Windauer. Es entsteht, wenn Bauten aus organischem Material wie Holz verrotten. Die Humusschicht führt sie auf germanische Bauten zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert zurück. Schließlich zeigt sie den Journalisten am oberen Ende der Wand noch Mauerreste des Bamberger Hofs. Er war der Vorgängerbau des ehemaligen Karmeliten-Hotels und wurde 1024 zum ersten Mal schriftlich als Hof des Bamberger Bischofs erwähnt.

Die archäologischen Grabungen auf der Baustelle für die Wohnanlage, in die auch ein Supermarkt und eine Bäckerei Einzug halten werden, sind damit beendet. Seit Ende November 2012 bis Ende März 2013 arbeiteten die Archäologen im Auftrag der Karmeliten Projekt GmbH auf dem Gelände. Am Mittwoch musste das Grabungsteam die Baustelle verlassen. Die Bauzeichner nahmen die Stelle noch in den Nachmittagsstunden zu Ende auf. Nun gilt es, die Proben und Funde auszuwerten.

Eine einfache Grabung sei es nicht gewesen, bekennt Friedrich Lorè. Normalerweise würden Archäologen solche Arbeiten im Sommer verrichten. Eine Wintergrabung werde er wohl nie wieder machen, sagt er vor der Journalistenrunde.

Der Baufortschritt in der Grube liegt laut Wolfgang Herzog, dem Geschäftsführer des Immobilienzentrums Regensburg, im Plan. Wegen der archäologischen Arbeiten sei es zu einer Verzögerung von etwa zwei Wochen gekommen, die schätzt er jedoch als geringfügig ein.

Dass sich die Archäologen seine Baustelle zueigen machen werden, damit hat Herzog bereits während der Planung gerechnet. Schließlich entsteht die neue Gebäudeanlage auf historisch brisantem Boden. Den Einzugstermin für die Mieter aber kann er halten. Sie sollen ihre Wohnungen zum 1. Oktober 2014 beziehen können.

Rohbau bis Ende des Jahres

In zwei Wochen werden die Fundamente soweit stehen, dass eine Bodenplatte für das neue Gebäude betoniert werden kann. „Dann sind wir raus aus dem Dreck“, sagt Herzog. Bis Juli will er den Keller stehen sehen, bis Ende des Jahres den Rohbau. Damit schließt sich die Lücke, die bis dahin immerhin ein Jahr lang am Dachauplatz geklafft haben wird.

An den dottergelben Kran dürfen sich die Regensburger noch gewöhnen. Noch etwa ein Jahr lang wird er auf der Baustelle benötigt werden, schätzt Herzog. Ebenso die Fahrspur, auf der mit einem Zaun eine Passage für die Fußgänger abgetrennt wurde. Herzog bittet um Verständnis dafür, dass es wegen des Betriebs der Baustelle zu kurzfristigen Einschränkungen kommen kann, etwa, wenn ein Laster auf die Baustelle fährt. Dann müssen sich die Autofahrer, die ihren Wagen im Parkhaus abstellen wollen, gedulden. Zum Bürgerfest wird er eine fünf Meter breite Rettungsgasse zur Maximilianstraße einrichten lassen.

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