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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Soziales

Schüler arbeiteten für Sternenkinder

Angehende Schreiner stellten Kindersärge her. Schulleiter Anton Nenning lobte sie für ihr Engagement.
Von Daniel Geradtz, MZ

Seit 2006 finden auch Sternenkinder ihre letzte Ruhe auf einem Friedhof. Foto: Malte Christians/dpa

Regensburg.Es ist eine emotionale Kooperation, die die Städtische Berufsschule II vor einigen Jahren mit dem Hospiz-Verein Regensburg getroffen hat. Seit vielen Jahren stellen die Schüler Kindersärge her, die sie dem Verein zur Verfügung stellen. Kürzlich übergaben Schüler der HS10b im Berufsgrundschuljahr der Schreiner dem Verein die Särge.

Die Schüler übergaben die Särge. Foto: Geradtz

Manfred Beer, 1. Vorsitzender des Vereins, bezeichnete es als beeindruckend, was ich der Schule geschaffen werde. In der 15 Jahre dauernden Zusammenarbeit, an der auch die Schwangerenberatung Donum Vitae beteiligt ist, sind etwa 75 Särge entstanden. Eine Konstante sei Lehrer Franz Wolfram, der den Verein von Beginn an begleitet hätte. Aber den Ablauf erklärte Beer: „Jedes Mal, wenn das Projekt startet, kommt jemand von uns in die Schule und berichtet über die Arbeit.“ Es sei wichtig, dass die Schüler psychologisch betreut würden.

Dass das Thema die Schüler beschäftigt, bestätigte auch Vincent Pitroff. „Es war für uns ein bedrückendes Thema, als wir das erste Mal davon erfahren haben. Bei der Arbeit war es dann nicht mehr so“, erklärte er. Eine Mitschülerin ergänzte: „Man macht sich schon Gedanken darüber. Aber es war eine schöne Arbeit.“

Aufarbeitung ist ein Thema

Maria Köberl-Nowotny, Mitarbeiterin der Schulleitung, ist die Aufarbeitung ein wichtiges Anliegen. „Im Religionsunterricht wird das Thema noch einmal angesprochen werden. Die Schüler erfahren, wie wichtig es ist, Trauerarbeit zu leisten“, sagte sie. Dank der Prävention im Vorfeld sei es aufgrund der Arbeit bislang noch zu keinen psychischen Beeinträchtigungen gekommen. In diesem Jahr fertigten die zwölf Schüler 14 Kindersärge an. Dazu benötigten sie etwa eine Woche.

Schulleiter Anton Nenning erklärte, dass er auf die Leistung der Schüler besonders stolz sei. „Die Jugend ist viel besser, als sie in der Gesellschaft häufig gesehen wird“, war er überzeugt. Der Übergabetermin sei ihm wichtig, damit auch die Öffentlichkeit erfahre, dass sich die Schüler mit ethischen Themen auseinandersetzen. „Nicht nur das Freudige im Leben beschäftigt uns, sondern auch das Tragische.“ Auch wenn die Produktion von Kindersärgen bedrückend sei, lobte er die aufrechte Haltung der Schüler: „Sie wissen, dass in jedem Sarg, den sie produzieren, ein Kind beerdigt werden wird.“

Fehlgeburten in Deutschland

  • Anzahl:

    Laut dem Universitätsklinikum Bonn enden 15 Prozent aller klinischen Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt.

  • Unbemerkt:

    Dem gegenüber stehen Schwangerschaften, die lediglich biochemisch nachweisbar sind. Dabei merken die Mütter weder die Schwangerschaft noch den Abort. Über die fünfte Woche hinaus werden laut den Zahlen nur 50 Prozent der Schwangerschaften fortgeführt.

  • Risiko:

    Etwa 80 Prozent aller Fehlgeburten passieren in den ersten Zwölf Schwangerschaftswochen. Wenn diese kritische Phase überstanden ist, reduziert sich das Risiko einer Fehlgeburt. Ab der 17 Schwangerschaftswoche geht man von einer Fehlgeburtquote von maximal drei Prozent aus.

  • Alter:

    Das Risiko einer Fehlgeburt steigt mit dem Alter erheblich an. Zwischen 20 und 30 Jahren liegt es bei neun bis 17 Prozent.

In den Särgen werden Kinder bestattet, die zwar das Licht der Welt erblickten, aber zu schwach zum Leben sind. Der Hospiz-Verein kümmert sich um die zurückgebliebenen Eltern. Dessen Vorsitzender erklärte, dass es ein Verdienst des Vereins sei, dass die Kinder beerdigt würden. Sogenannte „Sternenkinder“ sterben während der Schwangerschaft oder während der Geburt. Sie wiegen weniger als 500 Gramm. Allen voran habe sich Vereinsmitglied Petra Seitzer dafür eingesetzt, dass auch Sternenkinder eine Bestattung erhalten, stellte Manfred Beer heraus.

Seitzer erklärte, dass es wichtig sei, Sternenkindern eine Bezeichnung zu geben. „Ich nenne sie bewusst Kinder. Denn jede Mutter sagt, ich habe mein Kind verloren und nicht ich habe meinen Embryo verloren.“

Zusammenarbeit soll weitergehen

Einmal pro Quartal findet eine Sammelbestattung der Kinder auf dem Städtischen Friedhof am Dreifaltigkeitsberg statt. Manfred Beer sprach von ergreifenden Momenten, die sich während der Verabschiedungszeremonien ereignen würden.

Schulleiter Anton Nenning, der im Juli in den Ruhestand verabschiedet wird, kündigte an, dass die Kooperation auch unter einer neuen Schulleitung fortgesetzt werden werden soll.

Die Anfänge des Hospiz-Vereins gehen auf das Jahr 1988 zurück. Damals begannen engagierte Ehrenamtler mit der Hospizarbeit in Regensburg. Im September 1990 riefen 21 Gründungsmitglieder schließlich den Verein ins Leben.

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