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Projekt

Schüler erleben die Kraft der Stimme

Beim „World Voice Day“ singen Grundschüler an der Universität Regensburg. Sie erfahren auch, wie die Stimme funktioniert.
Von Louisa Knobloch, MZ

„Singen macht Spaß“– das ist das Motto von Prof. Dr. Magnus Gaul und den Grundschülern aus Barbing und Alteglofsheim am „World Voice Day“. Foto: Knobloch

Regensburg.„Singen macht Spaß, Singen tut gut“ – der Liedtext, der am Donnerstagvormittag durch das Foyer der Regensburger Universitätsbibliothek schallt, passt auch gut als Motto für den „World Voice Day“. Seit 1999 wird der Welttag der Stimme am 16. April begangen und in diesem Jahr hat Prof. Dr. Magnus Gaul vom Lehrstuhl für Musikpädagogik vier Schulklassen an die Universität eingeladen. Die Viertklässler von der Grundschule Alteglofsheim-Köfering und der Johann-Michael-Sailer-Schule Barbing singen gemeinsam – und lernen noch etwas über die Bedeutung der Stimme.

Singen fördert soziale Entwicklung

Diesen Part übernimmt Dr. Matthias Weikert. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist Experte für Stimmheilkunde und hält im Sommersemester als Lehrbeauftragter an der Uni eine Vorlesung über Stimmphysiologie. Am „World Voice Day“ beteiligt er sich seit vier Jahren regelmäßig.

Dr. Matthias Weikert erklärte den Schülern, wie die Stimme funktioniert. Foto: Knobloch

„Die Singstimme ist ein hohes Gut unserer Kultur“, sagt Weikert. Daher sei es wichtig, dass in der Schule nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch Musik und Singen vermittelt würden. „Singen ist die elementare Form der Musikalität und fördert die emotionale und soziale Entwicklung“, so Weikert.

Den Schülern, die im Halbkreis vor ihm auf dem Boden des Foyers sitzen, erklärt er, dass es bestimmte Arten des Singens gibt, die beim Menschen angeboren sind. Schon der erste Schrei eines Babys zähle gewissermaßen dazu, genauso wie Lachen, Weinen oder Jubeln, sagt Weikert. Melodien und Liedtexte müsse man hingegen lernen. Das könnten Kinder ab etwa vier Jahren. Zum Singen benötige man dann vor allem Luft, um die Stimmlippen zum Vibrieren zu bringen.

Rektor Karl Appl singt mit seinen Schülern „Es tönen die Lieder“. Foto: Knobloch

Nun dürfen die Kinder aber erst einmal selbst aktiv werden: Passend zur Jahreszeit singen die Barbinger Grundschüler „Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder“. Angeleitet wird der Kanon von Rektor Karl Appl. „Singen ist etwas ganz Wichtiges“, ist er überzeugt. Die Johann-Michael-Sailer-Schule sei eine „Musikalische Grundschule“ und so nutze man jede Gelegenheit, die Freude der Schüler am Singen zu fördern.

Der „World Voice Day“

  • Aktionstag

    Der „World Voice Day“ wurde 1999 von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten aus Europa und Amerika ins Leben gerufen. Ziel ist es, die große Bedeutung der Stimme zu würdigen – sowohl als Mittel zur Kommunikation als auch ihre Anwendung in Wissenschaft und Kunst.

  • Veranstaltungen

    Der „World Voice Day“ wird weltweit am 16. April begangen. In diesem Jahr finden über 550 Aktionen statt. Für Deutschland sind im Internet 23 Veranstaltungen aufgelistet, darunter die Aktion zur „Stimme des Kindes“ an der Universität Regensburg.

Die Viertklässler der Grundschule Alteglofsheim-Köfering singen mit ihrer Lehrerin Gertraud Hornung das Lied „Die Schule fängt nun an“. Beim Singen könnten die Schüler auch mal entspannen oder Dampf ablassen – gerade in der vierten Klasse mit dem Übertrittsdruck sei das wichtig, findet Hornung. „Beim Singen geht es nicht um Lernziele, es kommt nicht darauf an, ob einer besser oder schlechter ist, es macht einfach Freude.“ Auch als Gemeinschaftserlebnis sei das Singen wichtig: „Es darf jeder mitmachen, keiner wird ausgegrenzt.“

Viel Spaß am Singen hatten auch die Viertklässler der Grundschule Alteglofsheim-Köfering. Foto: Knobloch

Den Schülern ist deutlich anzumerken, wie viel Spaß ihnen das Singen macht. Inzwischen haben sich auch ein paar Zuhörer im Foyer eingefunden, die den Kinderstimmen lauschen. Nicht nur vom Gesang, auch vom theoretischen Wissen der Schüler ist Weikert beeindruckt. Begriffe wie piano für leise und forte für laut sind ihnen ebenso geläufig wie die Tatsache, dass eine Tonleiter acht Töne umfasst. „Um ein Lied zu singen, muss ein Kind mindestens acht Töne singen können“, erläutert Weikert – viele hätten aber schon einen Stimmumfang von anderthalb oder zwei Oktaven.

Kinder werden zu Multiplikatoren

Auch auf Stimmstörungen geht der Mediziner kurz ein. Denn nicht nur bei einer Erkältung ist man heiser, sondern auch wenn man dauernd schreit oder mit zu viel Druck spricht, erklärt Weikert. Um die Stimmbänder bei Heiserkeit zu schonen, sollte man ein paar Tage möglichst wenig sprechen. Damit es gar nicht erst soweit kommt, sei es wichtig, richtig zu atmen und richtig zu sprechen. „Auch Singen ist eine gute Prophylaxe.“

Schülerinnen der Grundschule Barbing singen „Es tönen die Lieder“. Foto: Knobloch

Zum Abschluss singen die Schüler gemeinsam „Ich lieb den Frühling“ auf Deutsch und auf Englisch. Für Gaul sind die Kinder „wunderbare Multiplikatoren“, denn sie tragen die Lieder in ihre Familien. Dort wird nach Erfahrung des Musikpädagogen heute oft viel zu wenig gesungen. Eine CD anzustellen, sei nicht dasselbe. „Das Singen ist für alle von uns von großer Bedeutung“, betont Gaul. „Das bringen wir auch den Lehrern bei, die bei uns ausgebildet werden.“

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