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Kultur

Schüler tanzten Beethovens Neunte

150 Mittelschüler beim 2. Pupil’s Dance Project im Velodrom: Nach „Freude, schöner Götterfunken“ gab es stehende Ovationen.
Von Angelika Lukesch, MZ

  • Jugendliche wurden zu Katalysatoren von Leidenschaft, Freude, Trauer, Begeisterung, Demut und Erhabenheit. Fotos: Lex
  • Der Mensch mit den 12 Armen

Regensburg. Manchmal genügt ein einziges Wort, um den Eindruck eines Ereignisses wiederzugeben: „Sensationell“. 150 Mittelschüler aus sieben Regensburger Schulen tanzten zu Beethovens 9. Symphonie und erschufen dabei eine neue Dimension der Rezeption dieses gewaltigen Werks.

Das Experiment gewagt

Ludwig van Beethoven (1770-1827) hätte seinerzeit sicher nie daran gedacht, dass seine letzte Symphonie, die er nahezu taub schrieb und die im Jahr 1824 uraufgeführt wurde, Grundlage für ein Gemeinschaftswerk von Tänzern und Musikern und Chorsängern werden würde. Horst Frohn, Leiter der Chorphilharmonie Regensburg, wagte das Experiment.

Die Begeisterung der Premierenzuschauer und -zuhörer schlug, als der letzte Ton noch nicht ganz verklungen war, geradezu Wogen. Horst Frohn hatte es als musikalischer Gesamtleiter zusammen mit einem großen Team an Choreografinnen geschafft, den riesigen Erfolg des ersten Pupil´s Dance Projects mit den Carmina Burana von Carl Orff im Jahr 2013 zu übertreffen.

Neben dem Deutschen Radio Kammerorchester und der Chorphilharmonie kümmerte sich ein ganzes Team von 15 Choreografinnen unter der dramaturgischen Gesamtleitung von Alexandra Karabelas darum, mit den Schülern der sieben Mittelschulen den ersten, zweiten und vierten Satz der neunten Symphonie tänzerisch zu erobern. Den dritten Satz gestaltete das Ballettpodium Regensburg unter der Leitung von Sumjati Widjaja.

Doch wie ist es überhaupt möglich, sich Beethovens neunter Symphonie tänzerisch zu nähern? Dieser Anspruch benötigte in der Umsetzung mehrere Monate kreativen Schaffens und unzähliger Proben, denn die Choreografinnen eroberten sich mit ihren Schülern Beethovens Werk minutenweise. Es sollten Bilder entstehen, die zu den leidenschaftlichen Klängen der Symphonie passten. Dargestellt wurde der Kampf um die Freiheit, die Kämpfe der Menschen mit-und gegeneinander, Gefühle und Visionen.

Die Mittelschüler, von denen keiner jemals zuvor tänzerische Erfahrungen sammeln konnte, bewiesen auf der Bühne ein Höchstmaß an emotionaler Intensität, die sie mit Bewegung ausdrückten. So wurden die Körper der Jugendlichen zu Katalysatoren von Leidenschaft, Freude, Trauer, Begeisterung, Demut und Erhabenheit.

Stille Demut vor so viel Schönheit

Der Begriff der Freiheit und der Brüderlichkeit wurde von den jungen Tänzern in Bewegung kongenial zur Musik thematisiert, so dass sich der ohnehin schon gewaltige Eindruck von Erhabenheit und Schönheit in Beethovens neunter Symphonie verbunden mit der Leidenschaftlichkeit der jungen Menschen und deren Schönheit zu einem emotionalen Feuerwerk verdichtete. Die johlende Begeisterung des Publikums lag dabei ganz dicht neben der stillen Demut vor so viel Schönheit.

Den ersten und zweiten Satz der Symphonie wurden von den Mittelschülern gestaltet. Die Tänzerinnen des Ballettpodiums Regensburg setzten den langsamen dritten Satz der neunten Symphonie mit viel Feingefühl und Anmut in Bewegung. Den vierten Satz, der wohl berühmteste aus dieser Symphonie, mit der Vertonung von Friedrich Schillers „Ode an die Freude“, tanzten Schüler und Ballettänzerinnen gemeinsam.

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  • TK
    Thomas Köppl
    10.04.2017 10:49

    Schade, dass dieses wertvolle Projekt nicht durch mehr Bilder der teilnehmenden Mittelschüler (deren Projekt es eigentlich war) wertgeschätzt wurde. Die Schülerinnen hätten es verdient.

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