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Regensburg
Montag, 25. September 2017 20° 3

Wahlkampf

Schulz will auf der Dult überzeugen

Der Kanzlerkandidat spricht auf dem Regensburger Volksfest. Die SPD sagt: Der Korruptionsskandal spielt jetzt keine Rolle.
Von Julia Weidner und Julia Ried, MZ

Der Kanzlerkandidat der SPD am Montag auf dem Gillamoos: Am Freitag kommt er erneut in die Region und spricht auf der Dult. Foto: dpa

Regensburg.Den Regensburgern stehen mit Besuchen von Spitzenpolitikern von SPD, Grünen und Freien Wählern ab Freitag sehr politische letzte Tage der Herbstdult 2017 bevor. Prominentester Gast ist SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Er nimmt sich nach Angaben der Bundes-SPD am Freitagnachmittag im Glöcklzelt etwa 30 Minuten Redezeit, um potenzielle Wähler zu überzeugen. Die Polizei geht sogar davon aus, dass das Zelt mit etwa 2000 Sitzplätzen an diesem Ferientag voll sein wird. Aus der SPD-Parteizentrale in Berlin heißt es: Wenn 1500 Leute kämen, wäre das „super“.

2013 hörten etwa 1500 Volksfestbesucher an einem Samstagvormittag im Hahnzelt der recht milden, einstündigen Rede von CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer zu. Einen Tag später verteilte der damalige bayerische SPD-Spitzenkandidat Christian Ude – im Trachtenjanker – im vollen Glöcklzelt Breitseiten gegen die schwarze Landespolitik, nachdem sich NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft den bundespolitischen Themen gewidmet hatte. Damals standen die Landtags- und die Bundestagswahl an. Der SPD-Spitzenkandidat im Bund, Peer Steinbrück, ließ sich allerdings 2013 in Regensburg nicht blicken, anders als Steinmeier, der 2008 und 2009 hier Wahlkampf machte.

Nicht nur Metropolen im Terminplan

Schulz trägt auch im Bierzelt Anzug. Dass er auf der Dult spricht, und nicht etwa auf dem Domplatz – dort tritt am 18. September Bundeskanzlerin Angela Merkel auf – sei bei 40 Terminen in 35 Tagen Zufall, sagt ein SPD-Sprecher. „Wir nehmen das wahr, was zeitlich lokal in den Terminplan passt.“ Wichtig sei dem Kandidaten jedoch, dass er nicht nur die Metropolen besuche, sondern auch mittlere und kleinere Städte. Der Ablaufplan für Schulz’ Besuch sieht vor, dass er am Freitag gegen 14.50 Uhr ins Festzelt einmarschiert. Seine Rede soll um 15 Uhr beginnen. Das Vorprogramm ab 14 Uhr bestreiten unter anderem die Oberpfälzer Direktkandidaten Dr. Tobias Hammerl (Regensburg), Johannes Foitzik (Amberg-Neumarkt), Uli Grötsch (Weiden) und Marianne Schieder (Schwandorf-Cham) mit Gesprächsrunden auf der Bühne. Er gehe davon aus, dass auch Schulz regionale Themen anspreche, sagt der SPD-Sprecher. Den Regensburger Korruptionsskandal um den vom Dienst suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs werde der Spitzenkandidat aber wohl nicht zum Thema machen. „Ich glaube nicht, dass er darauf eingehen wird“, sagt der Sprecher, „weil wir grundsätzlich zu laufenden Verfahren nichts sagen“. Auch SPD-Stadtverbandsvorsitzende Margit Wild ist der Meinung, am Freitag solle es um die SPD-Themen gehen, nicht aber um Wolbergs. „Ich denke, dass man das trennen muss.“ Für die lokalen Genossen und andere Besucher bleiben Schulz nach der Rede noch zehn, 15 Minuten Zeit im Zelt, sagt der SPD-Sprecher: „für Fotos und ein kurzes Hallo“. Gegen 16 Uhr breche er auf.

Keine Einschränkungen für Bürger

Der Polizei steht wegen der Politiker-Besuche ein Großkampf-Wochenende bevor. Neben der an Dult-Wochenenden üblichen Unterstützung von außerhalb seien weitere zusätzliche Kräfte im Einsatz, sagt Johann Schmid, stellvertretender Chef der Polizeiinspektion Regensburg Nord. Doch er betont: „Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Dultbesucher Einschränkungen wahrnehmen.“ Festwirt Alfred Glöckl sagt, sein Sicherheitsdienst werde in üblichem Umfang tätig sein und wie gewohnt die Taschen kontrollieren. Schmid von der Polizeiinspektion Nord appelliert an die Bürger, sie sollten zu den Auftritten der Politiker keine größeren Taschen mitnehmen und „rechtzeitig kommen, wenn möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln“.

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Die Zugpferde auf der Dult

  • Claudia Roth:

    Obwohl sie nicht Spitzenkandidatin der Grünen ist, ist Claudia Roth (Foto: ct) eine der polarisierendsten Politikerinnen des Landes. Mit ihrer Emotionalität rührt sie am Samstag ab 11 Uhr für ihre Partei die Wahlkampftrommel in Regensburg. Im Bezug auf die Wolbergs-Affäre ist ihr Tenor: Politik soll in der Sache überzeugen, nicht mit Geld.

  • Stefan Schmidt:

    Der Bundestagskandidat für den Wahlkreis Regensburg will auf der Dult nicht nur mit seinen Schwerpunktthemen Landwirtschaft und Verkehr punkten. „Es ist gut möglich, dass es einen Seitenhieb in Bezug auf den Korruptionsskandal von mir gibt“, kündigt er im Gespräch mit unserem Medienhaus an.

  • Hubert Aiwanger:

    Der Bundesvorsitzende der Freien Wähler (Foto: Matthias Balk) spricht wie immer frei und zünftig. Im Glöckl Festzelt gibt es am Sonntag ab 10 Uhr einen Ritt durch aktuelle Themen. Aiwanger will die Besucher überzeugen, dass sie bei seiner Partei keine Stimme verschenken, obwohl die Fünf-Prozent-Hürde in der Ferne liegt.

  • Tobias Gotthardt:

    Der Regensburger Politker von den Freien Wählern konzentriert sich in seiner Rede auf die Stromtrasse, Geburtshilfen und den Verkehr. Dem Thema Wolbergs will er kaum Platz einräumen. „Vom Gefühl her ist das nicht mehr so ein großes Thema“, sagt der Bundestagskandidat. Außerdem sei die Justiz an der Reihe, nicht die Politik.

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