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Bildung

Schweinfurter Abi-Desaster löst Kontroverse aus

Karl-Heinz Kirchberger von der staatlichen FOS in Regensburg, sagt, dass Privatschulen zu viele schlechte Schüler aufnehmen. Dr. Bettina Roccor von Montessori kontert.
Von Marion Koller, MZ

Die Montessori-FOS führt ihre Schüler seit 2007 erfolgreich zum Fachabitur.Foto: Montessori

Regensburg. Die privaten Fachoberschulen sprießen in Regensburg nur so aus dem Boden. Montessori führt seit 2007 zum Fachabitur. Im letzten Jahr folgten Neugründungen bei Pindl und Breitschaft. Eine Herder-FOS entsteht. Vor wenigen Tagen sind nun an einer privaten Schweinfurter Fachoberschule alle 27 Schüler durch die schriftlichen Abiturprüfungen gefallen. Der mediale Aufschrei ist groß. Die MZ fragte Schulleiter und Fachleute, wo sie die Gründe für das Desaster sehen und und ob das auch in Regensburg passieren könnte.

Dr. Roccor: „Wir coachen intensiv“

Karl-Heinz Kirchberger, Leiter der staatlichen FOS, gibt zu bedenken, dass die privaten Fachoberschulen auch Schüler mit einem schlechteren Notenschnitt als den eigentlich vorgeschriebenen 3,5 in Mathe, Deutsch und Englisch aufnehmen. „Sie dürfen das im Gegensatz zur staatlichen FOS auch, müssen aber dafür Sorge tragen, dass die Kinder erfolgreich sind.“ In Schweinfurt seien mit Sicherheit einige Schüler mit Vierern dabei gewesen. Kirchberger vermutet, dass auch die Regensburger privaten FOS etliche Kinder mit schlechterem Schnitt akzeptieren, denn er spüre in seinem Haus trotz der neu gegründeten Konkurrenz keinerlei Schülerrückgang.

Er betont, die Jugendlichen an den privaten Fachoberschulen würden aber insgesamt nicht begünstigt. Die Schüler der Regensburger Pindl-FOS etwa, die zwar staatlich genehmigt, aber noch nicht anerkannt ist, schreiben ihre Abi-Prüfungen an der staatlichen FOS. Auch die Korrektur übernehmen bis zur Anerkennung dortige Lehrer. Der Schulleiter betrachtet die privaten FOS als sinnvolles Angebot. „Die Schüler kommen oft von Privatschulen und gehen diesen Weg weiter.“ Private gingen sicherlich intensiver auf das einzelne Kind ein.

Beim Notenschnitt widerspricht ihm Dr. Bettina Roccor, Vorstandsvorsitzende von Montessori Regensburg: „Nur in Ausnahmen nehmen wir Schüler mit schlechterem Schnitt und ausschließlich dann, wenn nur in einem Fach eine schlechte Note vorliegt.“ Außerdem müsse im Einzelgespräch deutlich werden, was der Grund dafür war.

Die Montessori-FOS akzeptiere auch deshalb in erster Linie Schüler, die 3,5 haben oder besser sind, weil sie staatliche Zuschüsse nur bei Erfolg im Abitur erhalte. Montessori führt seit fünf Jahren zur Reifeprüfung. Im Vorjahr haben alle Abiturienten bestanden – mit einer Durchschnittsnote von 2,5. Zum Schweinfurter Fall sagt Dr. Roccor, das sei ein Skandal. „Entweder haben sie zu viele schlechte Schüler aufgenommen oder sie bieten keine ausreichenden Lehrerstunden für die Abiturvorbereitung an.“ Die Klasse sei mit 27 zu groß gewesen. „Wir haben deutlich kleinere mit 15 bis 18 Schülern“, betont Roccor. „Und viele Coaching-Anteile.“ Dabei gehe es um richtiges Lernen und individuelle Prüfungsvorbereitung.

Barbara Neumann-Trüb, Leiterin der Pindl-FOS, findet, dass die Schule eher reagieren hätte müssen. Leistungsschwache sollten erst gar nicht zum Abi zugelassen werden, sondern wiederholen. Auch müsse das Niveau der Schulaufgaben und des Unterrichts passen. Frühere Abitur-Aufgaben müssten einfließen.

„Bei Privaten zweimal hinsehen“

Dr. Friedrich Hayder, der Ministerialbeauftragte (MB) für die Beruflichen Oberschulen in der Oberpfalz, begleitet neue private Fachoberschulen fachlich. Dass ein Vorfall wie in Schweinfurt auch in Regensburg möglich sei, hält er für unwahrscheinlich. Die privaten FOS könnten stets auf die Fachmitarbeiter des MB zurückgreifen. Er selbst besucht die Einrichtungen öfter. „Aber ich stehe natürlich nicht in jedem Unterricht.“ Auch Karl-Heinz Kirchberger räumt ein: „Wir können nicht den Unterricht der Privaten überprüfen, nur das Fachpraktikum.“

Das Schweinfurter Desaster schockt Kareen Manz, trotzdem hat sie bei der Pindl-FOS ein positives Gefühl. Ihr Sohn Maximilian (18) sei dort gut aufgehoben, meint die Elternbeiratsvorsitzende. Wenn der MB eine diffizilere Aufgabenstellung fordere, werde das sofort umgesetzt.

Irmgard Kunzfeld, beim Bayerischen Philologenverband zuständig für die FOS, rät Eltern, bei Privatschulen zweimal hinzuschauen. Die Klassen sollten nicht zu groß sein. „Man weiß, dass in Privatschulen mehr Kinder mit Lernschwäche gehen. Da sind 27 Schüler wie in Schweinfurt recht viel.“ In einem Gespräch mit der Schulleitung könne man gezielt nachfragen, was die Schule unternehme, wenn Lernschwierigkeiten auftreten oder um die Jugendlichen gezielt auf die Prüfung vorzubereiten.

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