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Regensburg
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Kirche

Seelsorger steigt um auf andere Kanzel

Pfarrer Wolfgang Lahoda wurde in den Ruhestand verabschiedet. Nun hat er Zeit für sein Lokführer-Ehrenamt.
von Roland Ebner

  • Dekan Eckard Herrmann (links) verabschiedete Pfarrer Wolfgang Lahoda in den Ruhestand. Foto: Torsten Rüdiger
  • Der Pfarrer als Lokführer Foto: Lahoda

Regensburg.Nur wenige Wochen nachdem Dekan Eckhard Herrmann das neue Pfarrer-Ehepaar Marttunen-Wagner in St. Matthäus installiert hatte (wir berichteten), war der Gottesmann erneut vor Ort im Einsatz: Nun durfte er Pfarrer Wolfgang Lahoda (65) nach vierzigjähriger Amtszeit in den Ruhestand verabschieden. 30 Jahre insgesamt hatte Lahoda seinen Dienst im Dekanat Regensburg verrichtet, die letzten fünf Jahre auf der zweiten Pfarrstelle in St. Matthäus.

Brückenschlag in die Gemeinde

Ganz offensichtlich überrascht zeigte sich Dekan Herrmann davon, wie viele Pfarrer aus dem Dekanat anwesend waren. Pfarrerin Elisabeth Taetow aus der Partnergemeinde in Güstrow war ebenfalls unter den Gästen. Auch viele katholische Amtskollegen, sowie der langjährige Weggefährte Pater Maximilian nahmen am Gottesdienst teil.

Nach bewegenden Abschiedsworten von Pfarrer Dr. Anton Hierl aus der katholischen Nachbarpfarrei St. Anton bedankte sich Pfarrerin Marjaana Marttunen-Wagner bei ihrem Vorgänger für den „gelungenen Brückenschlag in die für uns neue Gemeinde.“

„Wir haben keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“, zitierte Lahoda in seiner Abschiedsrede aus dem Hebräerbrief. Der Mensch sei schon immer unterwegs gewesen und heute müsse jeder umso mehr mobil bleiben. Der Pfarrer nahm dabei Rekurs auf seinen eigenen Lebensweg: „Ich habe selber auch schon oft die Gemeinde wechseln müssen, mit schweren Abschieden und ermutigenden Neuanfängen. Und was jetzt kommt, ist Neuland.“

So neu freilich auch wieder nicht. Die Gleise für die Ruhestands-Lok sind längst verlegt: Zwischen Langquaid und Schierling verlaufen sie. Bei den „Gänshängern“ in der evangelischen Diaspora durfte er 1987 seine zweite Pfarrstelle antreten. Und der zehnjähriger Einsatz hat auch „lokomotive“ Spuren hinterlassen beim Pfarrer.

Eine Bahn im Güterverkehr war dort seinerzeit noch unterwegs; sie sollte aber eingestellt werden, erinnert er sich im MZ-Gespräch. Als früherer Eisenbahner wollte der damalige Bürgermeister Otto Gascher das jedoch verhindern und hat dazu den Pfarrer mit auf den Tender geholt: „Gemeinsam mit ein paar Eisenbahner-Freunden und der Gemeinde haben wir dann die Strecke gepachtet. Und die Rhein-Sieg-Eisenbahn in Bonn hat im Auftrag von Schierling und Langquaid die Verantwortung übernommen.“ Als die Deutsche Bahn im Jahr 2000 die Strecke schließlich aufgegeben hat, haben die zwölf ehrenamtlichen Eisenbahnerer „gemeinsam bei der Zuckerfabrik in Zeil eine kleine Diesellok gekauft, um den Güterverkehr aufrecht zu erhalten.“

Ganz so einfach ist es dann aber nicht gewesen, erzählt Lahoda: Weil die früheren Lokführer allmählich zu alt geworden waren und nicht mehr fahren wollten, musste die „Jugend“ ran. Der Pfarrer hat mit drei Kollegen die Ausbildung zum Lokführer durchgezogen. Im dritten Lehrjahr war‘s dann soweit: Lahoda darf sich seitdem offiziell „Triebwagenfahrzeugführer“ nennen. Der Güterzug ist „nach Bedarf“ immer noch unterwegs, mit Getreide beispielsweise. „Aber rentieren tut sich das nicht“, weiß Lahoda: „Derzeit machen uns Gleisbau-Arbeiten das Leben schwer.“

Einen Jugendtraum erfüllt

Einen Personenwagen haben sich die Freizeit-Eisenbahner auch angeschafft seinerzeit. Und der fährt bei verschiedenen Festen immer noch zwischen Eggmühl und Langquaid im zwei-Stunden-Takt (MZ berichtete).

Viel Aufhebens will Lahoda von alledem nicht machen, auch wenn es nicht viele Lokführer geben dürfte, die auch auf der Kanzel bella figura machen und umgekehrt natürlich. Einen „Jugendtraum“ hat sich Wolfgang Lahoda damit jedenfalls erfüllt, wie er gerne eingesteht.

Langeweile wird im Ruhestand so gewiss nicht aufkommen. Immerhin hat er auch eine dreijährige sogenannte „apologetische“ Ausbildung absolviert. Damit ist er überregional zuständig für Sekten- und Weltanschauungsfragen. Vom Pfarrdienst in Vertretung wird er sich aber „mindestens ein Jahr lang“ Auszeit nehmen.

Die guten Wünsche seiner Amtskollegen begleiteten ihn jedenfalls beim Abschied in St. Matthäus. Nicht zuletzt Senior Pfarrer Ulrich Burkhardt aus der Dreieinigkeitskirche sowie Vertrauensfrau Birgit Tege für die Gemeinde fanden hier passende Worte.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch den Posaunenchor, die Chorgemeinschaft der Matthäus- und Albertus- Magnuskirche sowie durch Trommelklänge des Kindergartens.

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