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Regensburg
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Hilfe

Sie fühlt Armen kostenlos auf den Zahn

Die Regensburgerin ist weltweit im Einsatz. Zuletzt half sie im Sommer den Menschen auf den Kapverdischen Inseln.
Von Daniel Geradtz, MZ

Dr. Iris Neuner behandelte in einem Gesundheitszentrum auf den Kapverden. Foto: Neuner

Regensburg.Wenn andere Menschen Urlaub machen, geht es für Dr. Iris Neuner in ihrem Beruf weiter. Schon mehrfach war die Zahnärztin im humanitären Einsatz für verschiedene Hilfsorganisationen in der Welt unterwegs. Sie half Menschen, die kein Geld für eine Behandlung haben.

Angefangen hat es für sie nach dem Studium. Damals ging sie für fünf Monate nach Brasilien. Es folgten Aufenthalte in Nepal auf den Philippinen. Erst im August war sie zwei Wochen für die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ auf den Kapverdischen Inseln westlich des afrikanischen Festlands. „Dort steht man der Armut gegenüber. Viele können sich keinen Zahnarztbesuch leisten. Sie laufen mit abgefaulten Zähnen herum“, schildert die Ärztin dortigen Verhältnisse.

Entsprechend sieht auch die Behandlungsstatistik aus: An acht Arbeitstagen hat das Team 230 Patienten behandelt und dabei 180 Zähne gezogen. Außerdem wurden 85 Füllungen gemacht und 95-Mal Zahnstein entfernt oder Prophylaxe durchgeführt.

Behandlung für Bedürftige

Der schlechte Zustand der Zähne würde nicht erst bei einer mangelnden zahnärztlichen Kontrolle beginnen. „Oft scheitert es schon daran, dass die Menschen keine Zahnbürste und keine Zahnpasta haben“, sagt die Regensburgerin. Deswegen sei gerade bei Kindern großer Wert auf die Prophylaxe gelegt worden. „Das Schlimmste, das ich gesehen habe, war eine Patientin, die noch fünf Zähne hatte. Sie war vielleicht 20“, erinnert sich die Ärztin.

„Das Schlimmste, das ich gesehen habe, war eine Patientin, die noch fünf Zähne hatte.“

Dr. Iris Neuner

Neuner und ihre Kollegen von der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ sind in ihren Einsatzgebieten stets für die Bedürftigen da. Wenn Patienten nachweisen können, dass ihnen die finanziellen Mittel fehlen, können sich von den Ärzten behandeln lassen. Doch gerade bei diesen Patienten können die Ärzte nur das Notwendigste durchführen. Denn wegen der fehlenden technischen Ausstattung sind beispielsweise Wurzelbehandlungen nicht möglich. Eine Wurzelbehandlung kostet vor Ort zwar nur wenige Euro. Doch leisten können sich das nur die Reichen.

Die Zahnärztin arbeitete zusammen mit einer weiteren deutschen Ärztin aus Greifswald, einer brasilianischen Ärztin sowie zwei Pflegerinnen in einem Gesundheitszentrum. Die Grundausstattung fanden sie vor, doch das Verbrauchsmaterial mussten sie selber mitbringen. Dabei sind die Ärzte darauf angewiesen, dass die Hersteller von Handschuhen, Tupfern oder Spritzen bereitwillig Material zur Verfügung stellen.

Über den Einsatz

  • Praxis

    Dr. Iris Neuner betreibt in Dechbetten zusammen mit ihrem Vater Dr. Wilhelm Neuner eine Zahnarztpraxis.

  • Studium

    Sie schloss das Studium der Zahnmedizin in ihrer Heimatstadt Regensburg ab.

  • Einsatz

    Für die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ war sie zuletzt in der Republik Kap Verde im Einsatz. Die Inseln liegen westlich des nordafrikanischen Festlands.

  • Land

    Auf der 4000 Quadratkilometer großen Inselgruppe leben gut 500 000 Einwohner.

  • Wirtschaft

    Das Bruttoinlandsprodukt beträgt gut 3000 US-Dollar pro Kopf und liegt damit erheblich unter dem weltweiten Durchschnitt von rund 10 000 US-Dollar.

  • Hauptstadt

    Sie arbeitete in einem Gesundheitszentrum in der Hauptstadt Praia. In ihr leben etwa 130 000 Menschen.

  • Orte

    Regelmäßig wechselt die Organisation das unterstützte Gesundheitszentrum. So soll die Hilfe an möglichst vielen verschiedenen Orten ankommen.

Im Kontakt mit den Menschen hat Neuner geholfen, dass sie Portugiesisch spricht. Denn bei der Republik Kap Verde handelt es sich um eine ehemalige Kolonie Portugals. Jedoch basiere das kapverdische Kreol nur auf dem Portugiesischen und habe im Alltag andere Bedeutungen, sagt sie.

Neuner erklärt, dass es eine Umstellung gewesen sei, unter den dortigen Verhältnissen zu arbeiten. Die hochmoderne Zahnarztpraxis musste gegen eine rudimentäre Ausstattung eingetauscht werden: Der Zahnarztstuhl funktionierte lediglich mechanisch, mit einer Stirnlampe leuchtete sie den Patienten in den Mund.

Menschen sind dankbar

Dr. Iris Neuner ist Zahnarzt.Foto: Neuner

Trotz der erschwerten Bedingungen wollte Neuner nicht einfach nur das Nötigste erledigen. „Du willst die Füllung nicht nur korrekt machen, sondern es soll auch schön werden“, erklärt Dr. Iris Neuner. Letztlich würde man sich aber an den Möglichkeiten, die einem die Technik biete, orientieren. Außerdem spricht sie davon, dass die Patienten vor allem nach kosmetischen Behandlungen gefragt hätten. Oft ging es darum, die sichtbaren Zahnschäden zu beheben. Dafür hätten sie in Kauf genommen, weitere „Baustellen“ nicht behandeln zu lassen.

Auf den Kapverden hat Dr. Neuner ein hohes Maß an Dankbarkeit erfahren. Von einer Obstverkäuferin habe sie Früchte bekommen, die auf dem Markt sicherlich viel wert gewesen seien. „Die Menschen haben gewusst, dass das ihre Chance ist, um die Schmerzen loszuwerden“, sagt Dr. Iris Neuner, die gemeinsam mit ihrem Vater Wilhelm eine Zahnarztpraxis betreibt.

„Du willst die Füllung nicht nur korrekt machen, sondern es soll auch schön werden.“

Dr. Iris Neuner

In der christlich geprägten Kultur sei ihre Arbeit geschätzt worden. Im hinduistisch geprägten Nepal habe sie beinahe das Gefühl gehabt, den Status einer von Gott gesandten Ärztin einzunehmen. Der Dank galt weniger ihr, sondern vielmehr der Göttin Shiva, schildert sie die Wahrnehmung.

Zahnärztin Dr. Iris Neuner kann sich durchaus vorstellen, weiterhin im humanitären Einsatz, für den sie keinen Lohn erhält, unterwegs zu sein. Doch ganz aufgeben möchte sie ihr Leben in Deutschland nicht. Dauerhaft – so glaubt sie – würde sie mit den unterschiedlichen Lebensstilen in der Ferne Probleme haben. Eines steht aber jetzt schon fest: „Ich möchte noch einmal auf die Kapverden, weil eine meiner Helferinnen mich dorthin begleiten möchte“, blickt sie voraus.

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