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Regensburg
Montag, 11. Dezember 2017 7

Exklusiv

So „clean“ sind die Jahn-Katakomben

Urgestein Oliver Hein gewährte uns besondere Einblicke in die Räumlichkeiten der Regensburger Continental Arena.
Von Maximiliane Gross, MZ

Die Kabine in der Continental Arena ist modern und neu, ganz anders als im alten Jahnstadion. Trotzdem würden die Spieler merken, dass sie nicht täglich hier sind. Oliver Hein sagt dazu: „So lange die Kabine nicht für den Spieltag hergerichtet ist, sieht man hier sicher etwas wenig Jahn. Aber der Boden ist rot und durch die Motivationsbilder kann man auch klar erkennen, wer hier am Wochenende spielt.“ Eine individuelle Gestaltung ist geplant, aber schwer umzusetzen, weil der Jahn als Mieter alles vom Stadioneigentümer, der Stadt Regensburg, genehmigen lassen muss.Fotos: Lex/Hein/Nickl/Koch

Regensburg.MZ-Reporterin Maximiliane Groß nahm die Jahn-Räumlichkeiten in der Continental Arena unter die Lupe. Ausnahmsweise erzählte uns Jahn-Urgestein Oliver Hein mehr über das Allerheiligste – normalerweise ist das bei einer Stadionführung nicht der Fall. In die Kabine am Trainingsgelände durften wir keinen Blick werfen. Dem Verein ist es wichtig, dass das Heiligtum auch wirklich „heilig“ bleibt und nur für das Team offen steht. An Spieltagen ist dann natürlich auch die Arena-Kabine „heilig“ und für Besucher tabu.

Die Kabine: Aufgeräumter geht‘s fast nicht

So wie auf dem rechten Bild sieht die Kabine der Jahn-Profis nur bei Heimspielen aus. „Natürlich wirkt unsere Kabine in der Arena unter der Woche etwas steril und leer. Das liegt vor allem daran, dass wir eben nur am Spieltag und nicht täglich hier sind“, erklärt Hein. Die Trainingsarbeit findet, wie schon seit Jahren, auf dem Gelände am Kaulbachweg statt. Dort haben die Spieler ihre „richtige Kabine“, in der es nach Aussage von Hein schon allein aufgrund des begrenzten Platzes manchmal auch etwas chaotisch sei. In der Conti-Arena mietet der Jahn die Kabine nur an Spieltagen. Betreuer Reinhold Reisinger muss dann das komplette Material vom Trainingsgelände in die Spielstätte und danach wieder zurück schaffen. Ein Aufwand, der groß ist, sich allerdings nicht vermeiden lässt.

So bunt wird die Kabine am Spieltag

Über jedem Platz hängt auch ein abschließbarer Spind. Weder Spieler noch Verein haben aber die Schlüssel. Die Möglichkeit, Wertsachen einzusperren, besteht also nur theoretisch. Vor dem Spiel ist hier einiges los. Der Betreuer kümmert sich um Verpflegung, Kleidung oder Material. Persönliches wie Schuhe oder Glücksbringer bringen die Jungs selbst mit. Hein ist meistens einer der ersten, zieht sich um und verlässt den turbulenten Ort, um sich in Ruhe auf dem Gang vorzubereiten. Denn, wenn alle da sind und DJ Philipp Pentke (Torwart) motivierende Musik auflegt, dann könne er sich nicht richtig auf seine individuellen Vorbereitungen, zu denen auch Visualisierungen gehören, konzentrieren. Jeder Spieler habe aber die Möglichkeit, sich den Raum für seine eigenen Rituale zu nehmen, sagt Hein.

Der PK-Raum: Nicht nur für den Jahn wichtig

Im Pressekonferenzraum steht Cheftrainer Achim Beierlorzer vor und nach den Spielen für Fragen zur Verfügung. Auch dieser Raum gehört zu den Bereichen, die der Jahn nicht dauerhaft mietet, sondern nur, wenn vereinseigene Veranstaltungen wie zum Beispiel Heimspiele anstehen. Während der Woche können all diese Bereiche von Unternehmen für Veranstaltungen gebucht werden. Vor Kurzem erst durfte Oli Hein bei einem Workshop einen Vortrag halten. Das Unternehmen buchte eine Veranstaltung in der Arena in Kooperation mit dem SSV. „Ich durfte da über Motivation reden. Das war schon eine tolle Erfahrung“, schwärmt der momentan verletzte Abwehrspieler. Bei einer Veranstaltung ohne Kooperation kann es sogar sein, dass alles, was mit dem Jahn zu tun hat, rauskommt.

Sogar am Trainingsgelände ist‘s gemütlicher

So „aufgeräumt“ wie auch der Eingangsbereich in der neuen Spielstätte wirkt ist es am Trainingsgelände wahrscheinlich nicht. Der Jahn legt großen Wert darauf, dass die „heiligen Räume“ auch heilig bleiben. Deshalb durften wir da nicht rein. Eigentlich schade, denn die Erzählung von Hein versprechen dort viele spannende Eindrücke. Einzigartig ist wohl auch, dass man sich mit den Keglern der SG Post/Süd einigen konnte, deren Raum für Videoanalyse und Physiotherapie nutzen zu dürfen. Und auch die Kabine, beheimatet in Containern, die zusätzlich aufgestellt wurden, hätte durchaus Charme und bietet bestimmt viele außergewöhnliche Details. Das Team möchte diesen Rückzugsort für sich allein. Denn auch Geheimnisse gehören zum Team und nicht in die Öffentlichkeit.

So „clean“ ist’s in den Jahn-Katakomben

  • Zur Person:

    Oliver Hein wurde am 22. März 1990 geboren und spielt seit Juli 2007 beim SSV Jahn Regensburg.

  • Frühere Station:

    Vor seinem Wechsel schnürte er die Fußballschuhe für den SV Salching und den FC Dingolfing.

  • Abseits des Platzes:

    Neben seiner Fußballkarriere begann Hein ein Mathematikstudium, das momentan auf Eis liegt. Sein Studium zum Heilpraktiker schloss er erfolgreich ab.

In der Mixed-Zone warten auch unangenehme Fragen

Zwischen Spielfeld und Kabinengang wartet auf die Profis der Heim- und Gastmannschaft die sogenannte Mixed-Zone. Das ist der Bereich, in dem Journalisten ihre Interviews ausschließlich führen dürfen. Eine Ausnahme herrscht hier allerdings für den TV-Sender Sky. Durch die Live-Übertragung sind diese Erstverwerter und dürfen ihre Gespräche direkt auf dem Platz führen. Im Innenbereich warten schließlich alle Journalisten der „schreibenden Zunft“ genauso wie andere TV-Sender. Das bislang größte Medienaufkommen hatte der Jahn beim Heimspiel gegen Union Berlin Mitte Oktober. Grund dafür: Der Japaner in Diensten der Hauptstädter, Atsuto Uchida, spielte zwar keine Minute, weckte aber schon im Vorfeld großes Interesse in seiner Heimat. Nach Angaben von Pressesprecher Martin Koch haben sich vor der Partie noch kurzfristig fünf japanische Journalisten akkreditieren lassen, um sich mit dem Star austauschen zu können.

Im VIP-Raum treffen die Jahn-Stars auf ihre Vorgänger

Der Businessbereich in der Arena hat zwar nichts mit den „heiligen Räumen“ des Jahn zu tun, eine nette Besonderheit gibt es aber trotzdem. Auf der ersten Ebene begegnen die aktuellen Spieler nach einer Partie den Jahn-Stars von früher – und zwar in Stuhlform. Der Ostbayern Businessclub, wie die Ebene offiziell heißt, bringt Vergangenheit und Gegenwart zusammen. In einem Teil des Bereichs nimmt man als Besucher auf Stühlen der aktuellen Mannschaft Platz, im anderen Teil sitzt man wirklich auf den Stars von einst. Walter Schwabenbauer schnürte für den Jahn die Fußballschuhe. Seit 2015 sitzt der Unternehmer im Aufsichtsrat des e. V. Als solche sehen sich die Jahn-Akteure nicht – im Gegenteil. Ganz bodenständig vertreiben sich die Jungs die Zeit zwischen zwei Trainingseinheiten gerne mal mit einer Runde Watten oder Schafkopfen. Auch das Semmelnschmieren bei Auswärtsfahrten übernahm das Team schon selbst.

Dopingkontrolle: Hier fällt auch mal ne Party ins Wasser

Der Raum zur Dopingkontrolle ist wohl der Albtraum jedes Profisportlers, auch wenn man genau weiß, nichts Verbotenes genommen zu haben. „Vor allem, wenn man das erste Mal zur Kontrolle muss, hat man schon ein mulmiges Gefühl“, gesteht Hein offen. Den Abwehrspieler erwischte es vor zwei Jahren zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Nach dem Relegationsrückspiel gegen den VfL Wolfsburg musste er zusammen mit Markus Palionis zur Kontrolle. Direkt auf dem Platz wurden sie von den Kontrolleuren in Empfang genommen und mussten auf direktem Weg in den gesonderten Raum. Die große Aufstiegsparty war damit gelaufen. Bis die beiden Defensivspieler ihre Urinprobe abgeben konnten, war die Kabine geflutet und von den Kollegen weit und breit nichts mehr zu sehen. Ist das Ergebnis der Probe unauffällig, erhalten die Sportler übrigens keine Rückmeldung der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA).

Hier schaut mancher etwas genauer hin

Wer während oder nach dem Spiel im Zimmer von Mannschaftsarzt Dr. Andreas Harlass-Neuking behandelt wird, musste ganz schön einstecken. Hier werden beispielsweise auch Platzwunden versorgt. Eine Behandlung, die Oliver Hein durchaus fasziniert. „Ich finde das schon interessant, wenn erst etwas in die offene Wunde gespritzt wird, das ganze überflüssige Blut rausfließt und der Doc dann mit dem Nähen beginnt“, erläutert der 26-Jährige. Eine Begeisterung, die vielleicht nicht jeder nachvollziehen kann. Es ist aber nicht so, dass Hein nur gerne zuschaut. Er weiß auch, wie es sich anfühlt, selbst versorgt werden zu müssen. Ein wichtiger Bestandteil dieses Raumes ist übrigens der Defibrillator. Dieser potenzielle Lebensretter ist Pflicht, musste beim Jahn glücklicherweise aber noch nicht zum Einsatz kommen.

Der Physioraum: Hier herrscht Hochkonjunktur

Es gibt Spieler, die sind vor einer Partie lieber alleine und bereiten sich mental auf die kommenden 90 Minuten vor. Auf der anderen Seite gibt es aber auch jene, die sich kurz vor Anpfiff noch einmal von einem der Physiotherapeuten die Muskulatur lockern oder ein Kinesiotape anlegen lassen. Sehen Sie das Bild auf dem Kühlschrank? Das hat die Mannschaft vor einiger Zeit zugunsten von Team Bananenflanke e. V. ersteigert. Um dem Raum ein bisschen Individualität zu geben, entschied man sich dafür, es hier aufzustellen. Der Kühlschrank ist schon länger beim Jahn als Urgestein Oli Hein. Das uralte Gerät funktioniert immer noch und erlebte schon viele, viele Jahre im Jahnstadion an der Prüfeninger Straße. Eine Geschichte, mit der wohl kein anderer Verein in der 2. Bundesliga dienen kann.

Sanitäre Anlagen: Ein Luxus, den es nicht immer gab

Acht funktionierende Duschen, mehrere Toiletten und Waschbecken – ein Luxus, den man aus dem alten Jahnstadion nicht kennt. Dort gab es eine funktionierende Toilette und vier bis fünf Duschen, je nach dem, ob nicht die eine oder andere beispielsweise wegen Legionellen außer Betrieb genommen wurde. „Bei diesen Voraussetzungen hätte ich schon ab und zu gerne Mäuschen in der Gästekabine ge-spielt“, erzählt Hein mit einem Grinsen im Gesicht. Denn für die Jahn-Profis war das Normalität, Gästeteams, die zum ersten Mal in die Oberpfalz kamen, hatten mit großer Wahrscheinlichkeit andere Ansprüche an ihre Umkleide. Man munkelt sogar, dass die Stars des FC Bayern nach dem Pokalspiel im August 2012 ungeduscht die Rückreise nach München angetreten haben sollen.

Der Dalai Lama ist immer mit an Bord

Ein bisschen Aberglaube gehört wahrscheinlich bei allen Sportlern dazu. Auch Oliver Hein hat die seine drei Glücksbringer immer dabei. Das Buch beinhaltet verschiedene Sprüche, zum Beispiel vom Dalai Lama. Auch die Kapitänsbinde bedeutet Hein viel. „Die haben wir von den Ultras geschenkt bekommen. Die ist bei jedem Spiel dabei“, verrät der 26-Jährige. Und auch das Glücksschweinchen darf natürlich nicht fehlen. Welche Maskottchen die anderen Jahn-Akteure so haben, weiß Hein nicht. Eines ist aber eindeutig. Beim Ablauf vor einem Spiel verhalten sich viele ähnlich, machen sich in einer bestimmten Reihenfolge fertig für das Aufwärmen und danach für die Partie. Das Team hat in der Arena-Kabine übrigens schon einmal Plakate aufgehangen. Die sind mittendrin allerdings verschwunden.

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