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Regensburg
Sonntag, 10. Dezember 2017 11

Exklusiv

So sieht es in der Eisbären-Kabine aus

Jonas Leserer zeigt vor dem Heimspiel der Regensburger gegen Memmingen das Allerheiligste und plaudert aus dem Nähkästchen.
Von Maximiliane Gross, MZ

Hereinspaziert in die „Heiligen Räumlichkeiten“ der Eisbären Regensburg. Hier gibt es zahlreiche spannende Geschichten zu entdecken.Fotos: Lex

Regensburg.MZ-Reporterin Maximiliane Groß durfte sich im Allerheiligsten der Regensburger Kufencracks ein bisschen umschauen und konnte dabei viele interessante Eindrücke sammeln. Diese reichen von Geschichten aus der Vergangenheit bis hin zu aktuellen Themen.

Jakub Urbisch versteigert seine besondere Maske

Der November steht bei vielen Sportlern, vor allem aber bei Eishockeyspielern, schon länger unter dem Motto „Movember“. Wer an dieser Spendenaktion teilnimmt, möchte auf den Kampf gegen Prostatakrebs aufmerksam machen. Als Zeichen lassen sich Sportler in diesem Monat einen Schnauzer wachsen. Goalie Jakub Urbisch hatte diesmal aber noch eine ganz andere Idee: Auf seiner Maske ließ der Deutsch-Tscheche die Gesichter aller Mannschaftskameraden zeichnerisch verewigen. Zudem ziert natürlich der typische Schnauzer die Front des Eishockeyhelms. Dieses Unikat versteigert Urbisch demnächst meistbietend. Der Erlös geht natürlich zugunsten der Aktion „Movember“. Zusätzlich sammeln die Kufencracks in der Mannschaft Spenden, sodass jeder seinen Teil beitragen kann.

Die richtige Schutzausrüstung ist ein Muss

Die Eisbären sind bärenstark. Dieser neue Hashtag ziert auch die heiligen Räume der Profis. Gut sichtbar hängt der Schriftzug über den Bänken. Jeder Spieler hat dort seinen eigenen, festen Platz und sorgt auch selbstständig dafür, dass die speziell gepolsterte Schutzausrüstung bereit liegt. Bei einem Feldspieler gehören dazu unter anderem die Thermounterwäsche, der Genitalschutz, der Beinschutz (vom Knie über das Schienbein), das Gridle (Schutzhose) und ein Brust- und Ellbogenschutz. Das eigentliche Trikot wird erst ganz zum Schluss über die kompakte, aber notwendige Ausrüstung gezogen. Beim Helm gibt es hingegen eine Besonderheit: In Deutschland müssen die Feldspieler mindestens ein Halbvisier tragen, unter 18-Jährige müssen aus Sicherheitsgründen sogar mit Gitter auflaufen.

Untenstehend sehen Sie die Kabine aus einem anderen Winkel. Bewegen Sie sich am PC mit der Maus oder auf dem Smartphone mit dem Finger im 360°-Foto, um weitere Einblicke zu erhalten.

Die Kabine der Eisbären in einem besonderen Blickwinkel. - Spherical Image - RICOH THETA

Als Goalie hat man wirklich schwer zu tragen

Im Vergleich zum Torhüter ist die Ausrüstung eines Feldspielers mit einem Gewicht von rund zehn Kilogramm nur am Rande erwähnenswert. Die Goalies um Peter Holmgren, Jakub Urbisch und Jonas Leserer tragen, zusätzlich zu ihrem Körpergewicht, noch circa 25 Kilogramm Ausrüstung mit sich herum. Da fällt doch bestimmt jede Bewegung schwerer und das Aufstehen wird zur Herausforderung? So schlimm sei es aber überhaupt nicht und man gewöhne sich im Laufe der Jahre daran, erklärt Leserer. In der Eisbären-Kabine müssen die Torhüter ihre Maske ganz oben auf den Rahmen legen. Das Ablagefach, das eigentlich für die Helme gedacht ist, ist für die üppige Maske einfach zu klein. Anders als auf dem Feld tragen Torhüter auch einen Brustpanzer sowie einen Fang- und einen Stockhandschuh.

Die Eisbären sorgen selbst für die Ordnung

Die frisch gewaschenen Jerseys hängen ordentlich auf Kleiderbügeln, die benutzten Schläger stehen geordnet am Rand – dass das alles so aussieht, sei laut Jonas Leserer der Wunsch des Teams. Die Eisbären würden großen Wert auf Sauberkeit und Ordnung legen. Im Wäscheraum laufen die Maschinen auf Hochtouren. Anders als ehrlicherweise gedacht, riecht es dort nicht nach einer Mischung aus Schweiß, Deo und Duschgel, sondern einfach nur nach frisch gewaschener Wäsche. Der Geruch wird erst im Trockenraum etwas strenger, von „stinken“ kann aber keine Rede sein. Hält ein Spieler keine Ordnung, dann muss er eine Strafe in die Mannschaftskasse zahlen. Für welche Vergehen man zahlen muss und wie viele Euro es sind, wurde schon vor vielen Jahren vom Team festgelegt.

Im Fitnessraum sind Freud‘ und Leid‘ nah zusammen

Seit der aktuellen Saison genießen die Eisbären einen ganz neuen Luxus. Direkt über der Kabine befindet sich der nagelneue Fitnessraum. Dort können sich die Spieler entweder vor dem Training auf dem Fahrrad aufwärmen oder ein gezieltes Krafttraining betreiben. Auch die Verletzten verbringen hier Zeit, um schnellstmöglich wieder fit zu werden. Vor allem die Profis verbringen hier schon etwas mehr Zeit. Der Trainingsraum an der Donau-Arena ist aber nicht die einzige Möglichkeit, sich fit zu halten. Der Verein kooperiert mit dem ReBest Fitness Club. Dort können die Eisbären auch jederzeit an ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit arbeiten. Die Spieler, die ausschließlich Eishockey spielen und nebenbei nicht arbeiten, verbringen wöchentlich circa 25 bis 30 Stunden in Kabine, Fitness- oder Behandlungsraum. Die Zeiten, die im Rahmen von Heimspielen oder der Vorbereitung auf Auswärtsfahrten anfallen, sind dabei nicht berücksichtigt.

Die alte Kabine schrieb kuriose Geschichten

Im jetzigen Heiligtum sind die Eisbären erst seit der vergangenen Saison beheimatet. Davor befanden sie sich ein paar Meter weiter unterhalb der Tribüne, in unmittelbarer Nähe zur Eisfläche.

Von „eigenen vier Wänden“ konnte dort allerdings wirklich nicht die Rede sein. Bei jeder anderen Veranstaltung in der Arena, egal ob Konzert, Musical oder Comedy, mussten die Kufencracks im wahrsten Sinne des Wortes ausziehen. Dann war ihre Kabine nämlich die Garderobe der Künstler. Etwas ungünstig, wenn man bedenkt, wie viel Equipment dort gelagert wird und welcher Aufwand dahinter steckt, das alles für nur ein oder zwei Tage ausräumen zu müssen. Einzig als Michael Mittermeier in Regensburg auftrat, durften die Spieler in „ihrer“ Kabine bleiben. Der Grund dafür ist wirklich kurios: Der Comedystar wollte keine Garderobe in der Arena, weil er mit seinem Wohnwagen auf Tour war und dort „hauste“, erinnert sich Leserer zurück.

Die Kaffeeküche ist ein besonderer Ort

Optisch wirkt die Kaffeeküche in der Eisbärenkabine relativ kahl. Ein Holztisch und eine Eckbank, zwei Kaffeemaschinen, die vor dem Training heiß laufen, ein Ofen und ein Kühlschrank, das war‘s eigentlich auch schon. Dieser einfache Ort ist für die Kufencracks aber deutlich mehr als nur die Küche. Das hier ist der Treffpunkt überhaupt vor und nach intensiven Einheiten auf dem Eis oder im Kraftraum. Leserer verrät, dass hier ein wahrer Kaffeeklatsch stattfindet. Die Jungs plaudern über Gott und die Welt, genießen die Zeit zusammen. Nicht selten bringt der ein oder andere auch sein Abendessen mit, dann dominiert hier beispielsweise der Duft von warmen Nudeln. Um die Kaffeemaschine und den frischen Kaffee kümmern sich übrigens die Betreuer. Die Spieler sorgen dagegen dafür, dass der Gemeinschaftsraum auch am Ende des Tages aufgeräumt und sauber ist. Probleme gibt es dabei nicht, alle im Team seien nämlich ordentlich, lobt Leserer.

EVR-Urgestein Jonas Leserer

  • Zur Person:

    Leserer wurde am 20. Dezember 1986 in Regensburg geboren. Im Team wird er „Johnny“ genannt.

  • Eisbärenzeit:

    In diesem Jahr startete der 30-Jährige in seine 26. Saison bei den Eisbären.

  • Rückblick:

    Leserers schönste Eishockey-Erinnerung ist das Bambini-Turnier im alten Eisstadion. Damals spielte der Nachwuchs vor 4000 Zuschauern, weil im Anschluss die Profis auf‘s Eis gingen.

Auf die Schlittschuhe kommt‘s an

Natürlich sind die Schlittschuhe für einen Eishockeyspieler eines der wichtigsten Dinge überhaupt. Nur mit den richtigen Kufen klappt auch auf dem Eis alles. Die Schlittschuhe werden für jeden Eisbären individuell geschliffen. Junge Spieler entwickeln da manchmal einen Spleen, weiß Leserer: „In seiner Anfangszeit bei den Profis hat Philipp Vogel seine Schlittschuhe zwei- bis dreimal die Woche schleifen lassen. Das ist natürlich schon etwas übertrieben.“ Je nachdem, auf welchem Eis gespielt wird, werden die Kufen unterschiedlich geschliffen. Pauschal kann man sagen, dass die Kufe auf hartem Eis schärfer und auf weicherem Eis stumpfer geschliffen sein sollte. Das verhindert dann, dass der Spieler einsinkt. Natürlich kann diese „Regel“ aber von Spieler zu Spieler variieren.

Der Schläger: Eine Wissenschaft für sich

Mindestens genauso wichtig wie die richtig geschliffenen Kufen ist für einen Eishockeyspieler sein Schläger. Im Kabinentrakt gibt es einen separaten Raum, in dem jeder Spieler seinen Stock individuell präparieren kann. Das kann, wie im Fall von Leserer, relativ schnell gehen, denn der Goalie tapt ihn nur. Es gibt aber auch andere, die den Stock zum Beispiel kürzen oder mittels eines Holzstücks verlängern, und auch der Aberglaube spielt manchmal eine Rolle, weiß Leserer: „Es gab mal einen Spieler, der hat seine Schläger auf den Boden gelegt und einen Puck geworfen. Je nachdem, auf welchem Stock der Puck gelandet ist, hat er dann mit diesem gespielt.“ Die Schläger stellt übrigens der Verein zur Verfügung. Preistechnisch geht‘s bei rund 80 Euro los, nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Auch Schmerzen gehören zum Profi-Dasein

Fast genauso kahl wie die Küche ist optisch auch der angrenzende Behandlungsraum. Der ist normalerweise zugesperrt, weil dort zahlreiche Medikamente gelagert werden. Leserer erinnert sich, dass er im „Physioraum“ schon so manche Qual durchstand. „Wenn man jammert und sagt, dass es wehtut, dann drücken die Physios noch tiefer rein. Deshalb muss man sie immer loben, auch wenn es schmerzhaft ist“, verrät er mit einem Grinsen im Gesicht. Die größten Ultras der Eisbären sind übrigens einige Betreuer, Ärzte und Physios. Kurzer Einschub: Vom Team bekam der Goalie beim traditionellen Weihnachts-Wichteln ein Lexikon und einen Taschenrechner geschenkt. Denn „Johnnypedia“ hat einfach auf alles eine Antwort und steht seinen Kameraden immer gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Feinste Technik erleichtert die Analyse

Nach jedem Spiel, egal ob Heim- oder Auswärtspartie, wird die Begegnung genauestens analysiert, um Fehler aufzudecken, aber auch um gute Spielzüge zu zeigen. Dies geschieht mittlerweile auch bei den Eisbären mit neuester Technik auf den Bildschirmen inmitten der Kabine. Während der Drittelpausen gibt Coach Peppi Heiß seinem Team die Anweisungen kurz und knapp mit auf den Weg. Auf der separaten Taktiktafel werden an Trainingstagen diverse Strategien erläutert, bevor es auf dem Eis wieder um Punkte geht. Apropos auf‘s Eis: Mark Woolf, von 2002 bis 2007 in Diensten der Eisbären, klebte vor jedem Spiel zahlreiche aufgerissene Kaugummistreifen an den Türrahmen der Kabine. Der Grund: Er wechselte vor jedem Drittel die Kaugummis und wollte sich sie anscheinend die „Arbeit“ erleichtern.

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