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Regensburg
Samstag, 16. Dezember 2017 5

Kriminalität

So zerstören K.o.-Tropfen das Leben

Frauen werden mit Drogen immer öfter betäubt und missbraucht. Die Polizei in Regensburg spricht von alarmierenden Zahlen.
Von Maximiliane Gross, MZ

Kein eigener Wille, keinerlei Erinnerungen – Immer mehr Frauen werden zum Opfer von K.o.-Tropfen. Alleine in und um Regensburg werden jährlich bis zu drei Frauen nach einer Vergewaltigung unter Einfluss dieser Droge schwanger. Foto: Fotolia

Regensburg.Mit K.o.-Tropfen willenlos gemacht, keinerlei Erinnerungen an die vergangenen Stunden und im schlimmsten Fall auch noch sexuell missbraucht – das ist der Albtraum einer jeden Frau.

Die Strafanzeigen mit Verdacht auf K.-o.-Tropfen-Missbrauch sind seit 2015 nicht nur in Regensburg, sondern in der gesamten Oberpfalz angestiegen, erklärt Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung. Demnach habe es oberpfalzweit im Jahr 2015 elf bekannte Fälle (zwei davon in Regensburg) und 2016 schon 19 Fälle (sechs davon in Regensburg) gegeben.

Für das Jahr 2017 sind es aktuell 13, wovon zwei dem Stadt- und Landkreis Regensburg zugeordnet werden können. Auch Donum Vitae e.V., eine staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Regensburg mit den Außenstellen Cham und Neumarkt in der Oberpfalz nennt in diesem Zusammenhang deutliche Zahlen. "In den vergangenen fünf Jahren gab es kein Jahr, indem nicht zwischen eine und drei konfliktschwangere Frauen in unserer Einrichtung Hilfe suchten", erklärt Doris Schiller, Leiterin der Beratungsstelle.

So gefährlich sind K.o.-Tropfen Video: Simone Grebler

Bei der Zahl von Donum Vitae handelt es sich allerdings nur um die Frauen, die sich dem Verein anvertrauten. Wie hoch die Dunkelziffer ist, ist jedoch nicht bekannt.

Stadt startet Plakataktion

Auch die Stadt Regensburg nimmt sich der Problematik an und ruft die Kampagne „K.o. den Tropfen“ ins Leben. Das Plakat dient sowohl der Prävention als auch der Information im Notfall und wird am heutigen Donnerstag Thema im Sicherheitsausschuss sein. In nächster Zeit werden die Plakate an zahlreichen öffentlichen Orten platziert, um möglichst viele Menschen zu sensibilisieren. Die Besucher sollen nicht nur in Diskotheken und Clubs, sondern auch in Behörden oder Beratungsstellen mit der Thematik konfrontiert werden. Schon vor einem Jahr startete Donum Vitae eine Postkartenaktion an allen Schulen um Jugendliche aufmerksam zu machen. Der Schritt, jetzt an die gesamte Öffentlichkeit zu gehen, scheint logisch, betrachtet man die Entwicklung der vergangenen Jahre.

Die Besucher sollen nicht nur in Diskotheken und Clubs, sondern auch in Behörden oder Beratungsstellen mit der Thematik konfrontiert werden.

Häufig können Strafanzeigen auch nicht eindeutig einem Vergehen mit K.o.-Tropfen zugeordnet werden. Grund dafür ist, dass diese relevanten Substanzen nur in einem begrenzten Zeitraum von zwölf bis maximal 24 Stunden in Blut und Urin nachweisbar sind. Das Problem hierbei ist, dass die Opfer zu dieser Zeit meistens noch total benommen sind und in ihrem Umfeld womöglich wenig überzeugend wirken. Doch gerade zu diesem Zeitpunkt wäre es wichtig, zu handeln, die Situation richtig einzuschätzen und Hilfe zu holen.

Auch wenn die Betroffenenzahl in der jüngeren Vergangenheit stetig anstiegt, sind K.o.-Tropfen nicht für jeden Blackout verantwortlich. Dr. Frank Hanses, Oberarzt der Notaufnahme am Uniklinikum Regensburg, erklärte schon vor einiger Zeit gegenüber der MZ, dass bei Patienten häufig neben diesen Substanzen auch hohe Mengen Alkohol im Blut zu finden seien. „Das macht es schwierig, herauszufinden, was zu diesem Zustand führte“, sagte der Mediziner weiter.

Die Gefahren, die die Droge mit sich bringt, sind weitestgehend bekannt, aber wie kann man sich trotzdem davor schützen? Beratungsstelle und Polizei vertreten hier denselben Standpunkt. Einer der wichtigsten Aspekte dabei ist, seine Getränke niemals aus den Augen zu lassen. Außerdem sollte man von Fremden oder nur flüchtigen Bekannten keine offenen Getränke annehmen. Bestehe der Verdacht, dass bereits K.o.-Tropfen konsumiert wurden, sei es besonders wichtig, nicht alleine gelassen zu werden, sondern in Begleitung von Freunden nach Hause zu gehen.

Schiller lobt Kampagne der Stadt

Auch wenn das „Problem K.o.-Tropfen“ inzwischen bekannt ist, steigt die Opferzahl nach Angaben der Polizei immer mehr. Umso wichtiger sei es, dass Kampagnen wie „K.o. den Tropfen“ auf das brisante Thema aufmerksam mache, betont Doris Schiller und freute sich über das Engagement der Stadt.

Genauso wichtig wie die Plakataktion ist aber auch die Arbeit in den Beratungsstellen. Dort erhalten Betroffene zum einen die Möglichkeit, sich zu informieren, zum anderen aber auch Hilfe im Notfall.

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Hintergrund

  • K.o.-Tropfen

    sind Drogen, die narkotisierend wirken und die Betroffenen gefügig machen. Die Materialien zur Herstellung sind im Internet leicht zugänglich und auch noch günstig zu haben. Die Opfer merken teilweise überhaupt nicht, dass ihnen etwas in Getränk geschüttet wurde, weil die Tropfen vor allem in Cocktails geruchs- und geschmacksneutral sind.

  • Betroffene

    können sich bei der Beratungsstelle Donum Vitae e.V. unter Telefon (0941) 5 95 64 90 Hilfe holen oder sich an die Polizei wenden.

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