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Regensburg
Samstag, 16. Dezember 2017 6

Inklusion

St. Klara beschützt behinderte Menschen

Im ehemaligen Kloster in der Ostengasse ist ab 2015 barrierefreies Wohnen möglich. Aber auch für nicht Behinderte entsteht erschwinglicher Wohnraum.
Von Claudia Böken, MZ

  • KJF-Direktor Eibl und OB Hans Schaidinger im InnenhofFotos: Tino Lex
  • Nur wenige Teile des ehemaligen Klosters sind denkmalgeschützt.
  • Der Treppenaufgang ist fast fertig.

Regensburg.Regensburg. Neues Leben in alten Mauern, das gibt es in Regensburg öfter. Das Projekt, das die Katholische Jugendfürsorge (KJF) im ehemaligen Kloster St. Klara in der Ostengasse aufzieht, ist mehr als das: Hier entstehen Wohnungen und Appartements für Menschen mit und ohne Behinderung und für Mütter mit ihren Kindern – Inklusion, wie sie vielfach gefordert, aber noch selten realisiert wird. Direktor Michael Eibl war gestern Vormittag sichtlich stolz auf das Projekt, das Mitte 2015 bereits bezugsfertig sein soll, als er Oberbürgermeister Hans Schaidinger über die Baustelle führte.

Gefragt: eine soziale Idee

Auch die Stadt Regensburg hat ihren Teil dazu beigetragen, dass am Rande der Altstadt in einem denkmalgeschützten Ensemble behindertengerechtes Wohnen ermöglicht wird: Seit 1968 war die Stadt Eigentümerin des Gebäudes, das nach dem Abzug der Klarissen abgebrochen werden sollte, um von dort aus über den Donaumarkt eine breitere Ost-/West-Verkehrstrasse über die Donau zu schaffen. Zur Zwischennutzung wurde es an das ostkirchliche Institut vermietet, später nutzten verschiedene städtische Ämter den Gebäudekomplex.

Als die Stadt ihn verkaufte, erhielt den Zuschlag nicht der Investor, der am meisten bezahlte, sondern der, der für die künftige Nutzung eine innovative soziale Idee hatte, erinnerte Schaidinger gestern bei der Baustellenbesichtigung. Überzeugend fand damals der Stadtrat das Konzept der Unternehmensgruppe Peter Trepnau, die ihre Ideen nun gemeinsam mit dem Architekturbüro Georg Kartini und der Firma Werner Wagner Bau-GmbH und natürlich mit der KJF realisiert. Der Bauträgervertrag sieht vor, dass die KJF Trepnau im Zuge der fortschreitenden Bauarbeiten das ehemalige Kloster Zug um Zug abkauft. Den Komplex an der Kapuzinergasse hat die Katholische Jugendfürsorge bereits erworben, ebenso die ehemalige Klosterkirche, die die rumänisch-orthodoxe Kirche auch künftig nutzt.

Appartements in Klosterzellen

Mit der Denkmalpflege sind die Bauherren gut klar gekommen. Nicht alle Teile der Klosteranlage stehen unter Schutz. In dem ältesten Teil wird Wohnen für Mutter und Kind ermöglicht. Für jedes der sechs Appartements hat man zwei der kleinen Klosterzellen zusammengelegt, um einen Wohnraum, ein Kinderzimmer, eine Küche und ein Bad einrichten zu können. Dort hat man sogar die alten Türpfosten erhalten. Dieser Trakt ist auch nicht barrierefrei. 1,4 Millionen Euro muss die KJF dafür aufbringen.

Anders der Gebäudeteil für ambulant betreutes Wohnen der benötigt zwei Aufzuganlagen, kraftbetätigte Türen, breite und ebene Zugänge sowie spezielle Hilfen für Rollstuhlfahrer. Zu den Baukosten von 1,47 Millionen Euro kommen rund 800 000 Euro für elektronische Hilfsmittel für Schwerstbehinderte Bewohner, die sonst nicht einmal den Wasserhahn betätigen könnten.

Im nicht barrierefreien Teil schafft die KJF kleine Wohnungen für nichtbehinderte Menschen, „die zu der Inklusionsidee stehen“, wie Eibl betont. Verordnen könne man Miteinander und Toleranz natürlich nicht. Er hofft aber, dass der geräumige Hof im früheren Kreuzgang dazu beitragen wird, dass sich Behinderte und nicht Behinderte begegnen und Kontakte pflegen.

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