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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Mobilität

Stadtpass bringt Regensburg in Fahrt

Für Hilfebedürftige werden ab Juli nicht nur Tickets günstiger. Die Stadt Regensburg hat mit dem Angebot in Bayern die Nase weit vorn.
Von Micha Matthes, MZ

Das Sozialticket soll allen Menschen in Regensburg die Nutzung des ÖPNV ermöglichen. Foto: Lex

Regensburg. Hartz IV-Empfänger, Flüchtlinge, von Altersarmut betroffene Senioren: Rund 13 500 Regensburger leben in materiell sehr schwierigen Verhältnissen. Dank Sozialvereinen wie dem BRK oder dem Strohhalm muss niemand hungern, frieren oder auf der Straße übernachten. Für ein selbstbestimmtes und geregeltes Leben reicht das aber nicht. Denn dazu gehört unter anderem auch Mobilität.

Der vieldiskutierte Stadtpass soll dieses Manko nun ausgleichen. Im Café Goldenes Kreuz am Haidplatz stellten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sowie Vertreter des Armutsforums Regensburg das Konzept am Dienstag vor und informierten über alle damit verbundenen Vergünstigungen. So berechtigt der Stadtpass, den es ab Juli bei einer von der Stadt eingerichteten Stelle im Sozialamt gibt, auch zum Kauf eines Sozialtickets, mit dem Betroffene günstiger den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen können.

Ziel der Initiativen nicht verwirklicht

Viele einkommensschwache Menschen in Regensburg können sich kein Auto leisten. Sie sind auf den ÖPNV angewiesen. Doch selbst bei Seniorentarifen kommen beispielsweise schnell 400 Euro im Jahr für Busfahrten zusammen. Daher haben jene, „die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“ – so drückt es Reinhard Kellner, Vorsitzender der Sozialen Initiativen, aus – große Hoffnungen auf das Sozialticket gesetzt. Seit 2009 bemühten sich Attac, die Sozialen Initiativen, Ver.di, die BI Asyl und Pax Christi gemeinsam um ein Sozialticket. Ihr ursprüngliches Ziel konnten sie dabei nicht ganz verwirklichen. Das normale Sozialticket wird nun 23 Euro kosten. Es kann mit Hilfe des Stadtpasses erworben werden. „Das reguläre Monatsticket ist unserer Meinung nach noch zu teuer“, sagt Karin Prätori, Sprecherin des Armutsforums. „Wir können uns nach der Erprobungsphase 2016 hier noch sehr gut Nachbesserungen vorstellen“. Trotzdem sind die Initiativen mit dem Ergebnis zufrieden. „Zwar haben wir unser Wunschziel von zehn Euro für ein Monatsticket nicht geschafft. Trotzdem sind 14,50 Euro für ein für Bedürftige ermäßigtes Ökoticket und 50 Prozent Preisnachlass auf alle anderen Tickets auch ein gutes Ergebnis“, sagte Reinhard Kellner. Außerdem komme ja noch die 50-Prozent-Ermäßigung für kulturelle Einrichtungen dazu.

Kein Bürgerentscheid mehr nötig

Bei allen städtischen Freizeit-, Bildungs- und Kultureinrichtungen gibt es mit dem Stadtpass nämlich ebenfalls Nachlass. Dazu gehören unter anderem Theater, VHS-Angebote, Schwimmbäder oder Museen. Es gehe nicht nur um Sozialhilfeempfänger, sondern beispielsweise auch um Leute, die Wohngeld empfangen, sagte Wolbergs. „Wir wollen die Vergünstigungen damit auch Menschen ermöglichen, die vielleicht nur an der Schwelle zur Bedürftigkeit stehen“. Rund 13 500 finanziell schwächer gestellten Menschen soll der Stadtpass zur Verfügung stehen. Der Personenkreis sei somit sehr groß. „Bundesweit liegen wir mit unserem Angebot bei allen Städten an der Spitze“, sagte Wolbergs. Es sei ein guter Kompromiss mit dem es nun auch keinen teuren Bürgerentscheid mehr geben müsste.

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