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Regensburg
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Kinder

Teddy-Docs verarzten Plüschhasen Cookie

Der Andrang in der Regensburger Teddyklinik war groß. 70 Medizinstudenten versorgten die plüschigen Patienten.
Von Anna Jopp, MZ

Hört man da ein Grummeln? Gemeinsam untersuchen Veronika und Dr. Franziska „Cookies“ Bauch. Foto: Jopp

Regensburg.Einmal kurz nicht hingesehen, schon ist es passiert: Plüschhase Cookie hat beim Spielen einen Würfel verschluckt. „Jetzt hat er schlimme Bauchschmerzen“, erzählt die 11-jährige Veronika und drückt das Stofftier fest an sich.

Fälle wie diesen bekommt das Personal der Teddyklinik im Garten des Krankenhauses Barmherzige Brüder nicht zum ersten Mal zu sehen. „Verschluckte Gegenstände sind neben Knochenbrüchen die häufigste Beschwerde unserer Patienten“, sagt Michael Beutl. „Bei dem schönen Wetter der letzten Tage toben viele Kuscheltiere im Garten herum und verletzen sich dabei.“ Der Student ist Mitorganisator der Regensburger Teddyklinik und in diesem Jahr schon zum fünften Mal als Stofftierarzt mit dabei.

Die 11-jährige Katharina hat ihre Ente „Quaki“ mit in die Teddyklinik gebracht. Die hat sich erst einen Schiefer eingezogen und dann auch noch den Flügel gebrochen! Foto: Jopp

Über 70 Medizinstudenten behandelten die Plüschtiere

Die Teddyklinik soll Kindern die Angst vor dem Arzt nehmen. Indem sie ihre Tiere und Puppen zur Behandlung begleiten, lernen die Stofftier-Eltern spielerisch den Ablauf eines Zahnarzt- oder Krankenhausbesuches und verschiedene medizinische Geräte kennen. Dazu stellen über 70 Medizinstudenten der Universität Regensburg drei Tage lang den Ablauf eines „echten“ Krankenhauses nach: Von der Patientenaufnahme geht es ins Wartezimmer, dann in den Behandlungsraum mit Röntgenapparat und OP-Tisch und schließlich in die Apotheke, um die richtige Medizin für das kranke Stofftier abzuholen.

Dieser Stoffdrache brauchte offenbar eine Infusion. Foto: Jopp

Auch Hasen sind vor einem Arztbesuch aufgeregt

Auch Cookie, dem braunen Stoffhasen, können die Teddyärzte so helfen. Nach der Anmeldung wird er zuerst vermessen und gewogen. Im Behandlungszelt darf Veronika ihren Hasen dann abhören und schließlich seinen Blutdruck bestimmen. Der ist etwas erhöht, auch Hasen sind vor einem Arztbesuch ein bisschen aufgeregt. Doch Cookie hat keinen Grund zur Sorge: Auf einer Röntgenaufnahme ist der verschluckte Würfel gut zu erkennen und Chefarzt Dr. Max gelingt es, ihn innerhalb weniger Sekunden aus dem plüschigen Bauch zu holen. Gegen die Schmerzen geben die Teddydoktoren Veronika dann noch ein Rezept für Saft und Traubenzucker-Tabletten mit, damit der kranke Hase schnell wieder auf die Beine kommt.

Auch ein Krankenblatt bekam jedes Plüschtier. Foto: Jopp

„Wir erhalten viel positive Rückmeldung von Kindern, Eltern, aber auch von Kinderärzten“, sagt Vinzenz Völkel, ein weiterer Teddydoktor. In den elf Jahren, die die Teddyklinik bereits existiere, habe der Andrang stetig zugenommen. Allein für die zwei Tage, an denen die Klinik nur für Kinder aus vorangemeldeten Kindergärten geöffnet hatte, habe man in diesem Jahr 540 Anmeldungen erhalten.

Vorlesung in „Teddyatrie“

Auch die Medizinstudenten entwickeln durch den direkten Kontakt zu den Kindern ein besseres Gespür für den Umgang mit jungen Patienten. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, das merkt man schon an der Fantasie, mit der sie sich die außergewöhnlichsten Krankengeschichten für ihre Stofftiere ausdenken“, sagt Michael Beutl. Die Teddyärzte werden deshalb mit einer speziellen Vorlesung, Fachgebiet „Teddyatrie“, auf ihren Einsatz vorbereiten. Schließlich müssen sie bei der Arbeit häufig improvisieren, wie beispielsweise im vergangen Jahr, als ein Kind für sein Stofftier einen Kaiserschnitt vorgesehen hatte. „Da musste ich schnell aus Knetmasse irgendetwas formen“, erinnert sich Beate Flößer, Studentin im sechsten Semester.

Auch in diesem Jahr wird den angehenden Ärzten ein „Patient“ in besonderer Erinnerung bleiben: „Das Highlight war definitiv eine 140 cm lange Schlange, die wir komplett bandagieren mussten!“

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