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Regensburg
Samstag, 28. Mai 2016 28° 8

Soziales

Umsonst ins Museum? Kulturchef lehnt ab

Das erste deutsche Haus zeigt seine Sammlung gratis. In Regensburg reicht laut Unger ein eintrittsfreier Tag im Monat.
Von Marion Koller, MZ

Wie fühlt man sich als Ritter? Bei der Regensburger Landesausstellung „Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser!“ probierten Kinder in der Minoritenkirche Helme an. Archivfoto: HdBG/altrofoto.de

Regensburg.Beinahe 400 000 Menschen haben im Jahr 2014 die Regensburger Museen besucht. Absoluter Magnet war die Schau „Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser!“ im Historischen Museum und weiteren Standorten (140 000 Gäste). Das Schloss Thurn und Taxis, das fast 65 000 anzog, und das Kunstforum (mehr als 32 000) folgen auf Platz zwei und drei. Die Gesamtzahl ist hoch. Doch sorgen vor allem Ausstellungsereignisse wie die Landesschau für Zulauf. Ansonsten stagniert oder sinkt das Interesse.

Aufgabe der meist öffentlich finanzierten Museen wäre, nicht nur das immer gleiche, ohnehin kulturinteressierte Publikum anzuziehen, sondern neue Leute zu begeistern. Um das zu erreichen, hat das Museum Folkwang in Essen als erstes deutsches Haus vor einigen Monaten die Eintrittsgelder abgeschafft. Nur für große Sonderausstellungen müssen die Kunstfreunde in die Tasche greifen. Viele britische Museen verzichten schon länger auf den Ticketverkauf. Ergebnis: Die Zahlen steigen.

Unger: „Kein Handlungsbedarf“

Der Regensburger Kulturreferent Klemens Unger hält nicht viel von Gratis-Angeboten. „Kultur muss uns etwas wert sein“, betont er. „Warum kaufe ich mir eine teure Karte für die Thurn und Taxis Schlossfestspiele? Weil sie mir das wert sind.“ Jeder Kino-, jeder Theaterabend müsse bezahlt werden, warum nicht auch ein Museumsbesuch? Regensburger Museen bieten an jedem ersten Sonntag im Monat einen kostenfreien Eintritt. Das sei wichtig und richtig.

Kulturreferent Klemens Unger Archivfoto: Robert Ruidl

„Nur weil Folkwang alles kostenlos macht, sehe ich keinen Handlungsbedarf“, stellt Unger fest. Er erinnert an die hohen Produktions- und Personalkosten von Ausstellungen. Mit den Tickets könne nur ein Bruchteil dessen gedeckt werden, was die öffentliche Hand dafür ausgebe.

Einen Mittelweg geht das Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Im Ausstellungshaus am Stadtpark gibt es zwar keine Debatte, ob man die Eintrittsgelder für die Dauerschau streichen soll. Der Grund: Laut Pressesprecherin Dr. Gabriela Kašková können die Sonderausstellungen wegen der offenen Bauweise des Gebäudes nicht abgetrennt werden. Für diese müsse aber wegen der kostspieligen Versicherungen und Transporte unbedingt Eintritt bezahlt werden. Der Kompromiss: Während des Aufbaus der Sonderschauen kommen Kunstfreunde ohne Ticket rein.

Kunstforum: bis 4. März gratis

Derzeit bis 4. März, denn am 5. öffnet die Ausstellung „Detlef Orlopp. Nur die Nähe – Auch die Ferne. Fotografien“. Für jedes Projekt sucht das KOG Sponsoren. Bei Orlopp zählen die Rewag oder das Sozialministerium dazu. Kašková gibt beim Thema Eintrittspreise zu bedenken: „Was nichts kostet, ist nichts wert.“ Auch die Briten dächten darüber nach, ob das kostenlose Angebot haltbar sei. Denn der Gratis-Zugang zu den Schausammlungen müsse mit Blockbuster-Ausstellungen hereingeholt werden, was nicht immer gelingt.

Dr. Hansjörg Wunderer vom Naturkundemuseum Ostbayern kann es sich nicht leisten, auf Eintrittsgelder zu verzichten. Sie sind die einzige Einnahmequelle. „Ein Verein trägt uns, der muss alles selbst finanzieren“, erklärt Wunderer. Nur ein städtisches oder staatliches Haus komme ohne den Ticketverkauf aus. Das Regensburger Naturkundemuseum biete kostenlose Aktionen, etwa für Schulen oder am Museumstag. Wunderer bedauert, dass kein Unternehmen sein Haus als Sponsor unterstützt. Er habe viele angesprochen, aber nur Absagen erhalten. „In Regensburg geht da nichts.“

Während die Museen der Stadt Regensburg nur den einen Gratis-Sonntag anbieten, leistet sich das kleine Cham mit dem Cordonhaus ein Kunstmuseum mit ganzjährig freiem Eintritt. Anjalie Chaubal, eine Regensburger Kunsthistorikerin und freie Kuratorin, leitet es. „Ich bin ein Freund des freien Eintritts, um allen die Möglichkeit zu offerieren“, betont sie.

Kunsthistorikerin Anjalie Chaubal Foto: Chaubal

Chaubal versteht zwar, dass für große Sonderausstellungen mit wertvollen Leihgaben Eintrittsgelder fließen müssen, doch Schausammlungen sollten geöffnet werden – auch in Regensburg. „Das wäre ein Anreiz für viele, die es sich sonst nicht leisten würden“, ist die Kunstvermittlerin überzeugt.

Schwellenängste würden abgebaut. Touristen würden auch reinschauen, wenn sie nur eine halbe Stunde Zeit übrig hätten, Einheimische könnten öfter kommen, um die Klassiker zu sehen.

Eintrittspreise

  • Kostenlos:

    Der eintrittsfreie erste Sonntag im Monat gilt für alle städtischen Museen außer die documente Neupfarrplatz, Schnupftabakfabrik und Reichstag.

  • Historisches Museum:

    Eintritt:

  • 5 Euro, ermäßigt: 2,50 Euro, Regensburger Schulklassen haben freien Eintritt.

  • document Legionslagermauer:

  • Freier Zugang

  • document Neupfarrplatz:

  • Zugang nur mit Führung, Preis (incl. Eintritt): 5 Euro, ermäßigt: 2,50 Euro, Klassen 40 Euro

  • document Reichstag:

    Zugang nur mit Führung, 7,50 Euro, ermäßigt: 4 Euro,

  • Familien: 15 Euro, Schulklassen: 50 Euro

  • document Schnupftabakfabrik:

    Zugang nur mit Führung, 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Familien: 10 Euro, Schulklassen: 40 Euro

  • Kepler Gedächtnishaus:

    2,20 Euro, ermäßigt: 1,10 Euro, Familien: 4,40 Euro,

  • freier Eintritt für Regensburger Klassen

  • Städtische Galerie im Leeren Beutel:

    5 Euro, ermäßigt: 2,50 Euro, Familien: 10 Euro, Regensburger Klassen haben freien Eintritt.

  • Nächste Schauen im Historischen Museum:

    Das Haus am Dachauplatz plant für 2017 eine Ausstellung über den Maler Michael Ostendorfer. Am 10. April 2016 eröffnet die Schau „Heimat auf der Haut“ über einheimische Trachten.

  • Im Kunstforum:

    Vom 5. März bis 5. Juni wird die Schau „Detlef Orlopp. Nur die Nähe – Auch die Ferne. Fotografien“ gezeigt; Eröffnung am 4. März um 19 Uhr. Am heutigen Donnerstag, 19 Uhr, spricht Dr. Clemens Prokop, Direktor des Amtsgerichts, in der Reihe „inKOGnito“.

  • Besucherzahlen:

    Die Gesamtzahlen in den 19 Regensburger Museen lagen 2010 bei 297 641, 2012 bei 268 953 und 2014 ohne die Landesschau „Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser!“ bei 253 740 Besuchern (Landesschau: 140 000).

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