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Regensburg
Freitag, 19. Januar 2018 3

Gastronomie

Unsitte bei Reservierungen ärgert Wirte

Alles ausgebucht, aber nur die Hälfte kommt: Bitter traf es ein Restaurant am Galgenberg. Der Inhaber erwägt nun eine Gebühr.
Von Micha Matthes

Gäste nutzen Reservierungen zunehmend, um sich alles offen zu halten. Den Wirten macht diese Mode sehr zu schaffen. Foto: mt

Regensburg.Nur die Hälfte der Gäste erschien, der Verlust war gewaltig. Eigentlich war das peruanische Restaurant Pachamama von Hans Pappenheimer an Silvester ausgebucht. Doch dann blieben viele Tische leer, der Inhaber blieb nicht nur auf den aufwendig aus Hamburg herbeigeschafften Jakobsmuscheln, sondern auch auf den Kosten sitzen. „Das ist wirklich eine ärgerliche Geschichte“, sagt Pappenheimer. „Wir haben nicht mal die Hälfte von dem eingenommen, was wir normalerweise aufgrund der Reservierungen hätten haben sollen.“

Als „No-Shows“ bezeichnet man die Unsitte – wenn Gäste buchen und dann einfach nicht aufkreuzen – in der Branche. „Wir hatten das Problem schon ein paarmal. So massiv war es aber zum ersten Mal.“ Viele Regensburger Wirte kämpfen mit den No-Shows – und sie reagieren darauf: etwa, indem sie Ausfallgebühren berechnen.

Menü gegen Vorkasse

Hans Pappenheimer führt das Pachamama. Er erwägt, künftig eine Ausfallgebühr zu verlangen. Foto: mt

An Menü-Abenden wie Silvester arbeitet Muk Röhrl, Wirt im Brandl Bräu, bereits mit Vorkasse. „Einfach, damit wir sicher sein können, dass Leute, die reserviert haben, wirklich auch kommen“, sagt er. „Sonst entscheiden sich viele spontan um. Dann müssen wir Essen wegschmeißen und bleiben auf Kosten sitzen.“ Sofern die Absage rechtzeitig komme, werde natürlich davon abgesehen, eine Stornogebühr zu verlangen. Sorgen bereiteten Röhrl zunehmend auch Hochzeitsreservierungen. Termine wie der 8. August 2018 würden üblicherweise schon zwei Jahre im Voraus gebucht. „Wenn Gäste hier kurzfristig absagen, stellt uns das vor große Probleme. Daher überlegen wir, auch hier einen Teil der Kosten vorher zu nehmen.“

In Deutschland seien solche Gebühren noch relativ neu, sagt Jürgen Benad, Geschäftsführer Recht und Steuern im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Generell dürften Restaurants die Kunden aber zur Kasse bitten, wenn diese trotz Reservierung zu Hause bleiben. „Juristisch ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden, sofern der Gast vorher über die Spielregeln informiert wurde“, sagt Benad. Besonders bei Sterne-Restaurants – dem „Extremfall“ (wenige Plätze, wenig Laufkundschaft) – bzw. allgemein bei Restaurants mit gehobener Küche habe sich das Prinzip schon durchgesetzt.

Im Pachamama blieben an Silvester viele Tische leer – trotz Reservierung. Foto: mt

In den USA ist es gang und gäbe, bei Reservierungen die Kreditkarteninformation der Kunden abzufragen und dann bei Nichterscheinen eine Gebühr abzubuchen. In Regensburg orientiert sich Kreutzer’s Restaurant schon länger an diesem Modell. Mit Erfolg: Seit das Restaurant kommuniziert hat, dass bei Nichterscheinen 20 Euro pro Person abgerechnet werden, stornierten 98 Prozent rechtzeitig, sagt Restaurantleiterin Beate Spandl. „Silvester hatten wir 2017 überhaupt kein Problem. Reservierungen wurden erst eingetragen, wenn der reservierende Gast pro Person 50 Euro Anzahlung geleistet hatte“, sagt Geschäftsführer Matthias Kreutzer. „Wir hatten weder eine Doppelreservierung, noch hat jemand abgesagt.“ Ärgerlich sei jedoch nach wie vor, wie „lapidar oder selbstverständlich“ Gäste bei Erscheinen mit Reservierungsänderungen bezüglich der Personenzahl umgingen, sagt Spandl.

Alle Restaurants in Regensburg finden Sie auf Mittelbayerische Maps:

Bei den Weihnachtsfeiern im Spitalgarten gab es in den vergangenen Jahren immer wieder den Fall, dass Gästegruppen deutlich kleiner als ursprünglich angegeben ausfielen. Aufgrund dieser schlechten Erfahrungen berechnete Wirt Anton Sperger, der auch Stellvertretender Vorsitzender der Kreisstelle des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands ist, im Dezember nun eine Pauschale. Wenn auffällig viele Gäste ausblieben, wurden pro fehlendem Gast 15 Euro auf die Rechnung gebucht.

„Es ist anscheinend jetzt große Mode, dass Leute in mehreren Lokalen reservieren und dann ganz kurzfristig entscheiden, wo sie hingehen.“

Wirt Anton Sperger

„Natürlich haben wir das mit Fingerspitzengefühl gehandhabt“, sagt Sperger. „Es kann immer mal sein, dass jemand kurzfristig krank wird. Und da drücken wir dann auch ein Auge zu.“ Was ihn aber besonders ärgert: „Es ist anscheinend jetzt große Mode, dass Leute in mehreren Lokalen reservieren und dann ganz kurzfristig entscheiden, wo sie hingehen.“ So etwas gehe einfach nicht, sagt Sperger. „Für uns ist das wie ein Vertrag. Wenn ich bei einem Handwerker etwas in Auftrag gebe, kann ich ja auch nicht spontan sagen: Jetzt brauch ich das doch nicht.“

Insgesamt habe sich die neue Methode bewährt. „Die Reservierungszahlen waren viel genauer, deutlich besser als im Vorjahr.“ Sperger rechnet damit, dass künftig immer mehr Wirte Ausfallgebühren berechnen werden.


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Besonders schmerzlicher Ausfall

Auch Hans Pappenheimer spielt nun mit dem Gedanken, eine solche Gebühr einzuführen – zumindest für Valentinstag und Silvester, den Menütagen im Pachamama. Zu solchen Anlässen seien die Ausfälle im Geldbeutel besonders schmerzlich, sagt er. Die Einnahmen sind fest einkalkuliert. „Silvester ist der Tag, der noch einmal einen großen Schwung gibt – zumal die ersten beiden Januarwochen relativ schwach sind.“

Gleichzeitig seien die laufenden Kosten höher. „Du engagierst mehr Personal, das du auch noch fast doppelt bezahlst.“ Das halb leere Restaurant an Silvester tue ihm aber auch für die anderen Gäste leid, denen er im Vorfeld absagen musste. Mit einem Facebook-Post versuchte er daher, nun bei den Kunden ein Bewusstsein für die Auswirkungen von No-Shows zu schaffen. „Ist es denn wirklich so schwer, eine Tischreservierung wieder rechtzeitig abzusagen und somit anderen die Möglichkeit zu geben noch einen Platz zu bekommen?“, fragte er in dem Sozialen Netzwerk – und erntete dafür viel positiven Zuspruch.

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