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Regensburg
Montag, 5. Dezember 2016 2

Justiz

Urmann legt Redtube-Mandat nieder

Ist der Regensburger Kanzlei Urmann + Collegen der Fall Redtube zu heiß geworden? Offenbar vertritt sie die Firma nicht mehr.
Von Bettina Mehltretter, MZ

Regensburg.Die Kanzlei Urmann + Collegen hat offenbar in einem Verfahren ihr Mandat gegen einen mutmaßlichen Nutzer des Pornoportals Redtube niedergelegt. Wie Rechtsanwalt Thomas Feil aus Hannover im Blog Anwalt24.de berichtet, soll Urmann das hannoveraner Amtsgericht bereits am 30. April über diesen Schritt informiert haben. Feil hatte dort einen Nutzer des Portals mit einer Feststellungsklage vertreten, mit der geklärt werden sollte, inwieweit die Forderungen hinter den Abmahnungen überhaupt berechtigt sind. Immerhin hätten die abgemahnten Nutzer die urheberrechtlich geschützten Inhalte nicht heruntergeladen, sondern lediglich gestreamt.

Wird nun die Abmahn-Firma selbst aktiv?

Die Nachricht von Urmanns Entschluss gleicht einem Paukenschlag. Insgesamt soll U+C rund 20 000 Abmahnungen wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung an Redtube-Nutzer verschickt und Zahlungen ab 250 Euro gefordert haben. Dabei waren zunächst etliche Fragen offengeblieben: Bis heute ist beispielsweise nicht geklärt, wie die angeschriebenen Nutzer ermittelt wurden. Welche Auswirkungen der aktuelle Rückzug auf alle anderen laufenden Verfahren hat, ist derzeit nur Spekulation.

Rechtsanwalt Thomas Feil hält den Rückzug Urmanns für einen „geschickten Schachzug“: Die Regensburg Kanzlei sei nun erst einmal aus der „Schusslinie“. Zudem könne ihr nun keine Post mehr zugestellt werden, womit Betroffenen erschwert werde, die Abmahn-Firma zu kontaktieren. Unterdessen erwartet Feil, dass die Firma The Archive AG nicht selbst in dem Gerichtsverfahren gegen seinen Mandanten aktiv wird. Bislang war sie im Verfahren noch kein einziges Mal als Betreiber des Pornoportals Redtube aufgetreten. Feil weiß jedoch nicht, ob die Kanzlei Urmann komplett aus den Redtube-Abmahnungen ausgestiegen ist. „Derzeit nehmen wir nur einen Einzelfall wahr, in der ein Mandat niedergelegt wurde“, schreibt er in einer E-Mail an die MZ.

Abmahnexperte spricht von riesiger Luftnummer

Christian Solmecke, IT-Rechtsanwalt aus Köln, der mehrere hundert Redtube-Abgemahnte vertritt, mutmaßte im Interview mit der IT-Nachrichtenseite Golem.de über die Gründe von Urmanns Rücktritt. „Es ist ungewöhnlich, wenn Anwälte im laufenden Verfahren das Mandat niederlegen“, sagte er. In Fällen wie diesen habe oft der Mandant fällige Gebühren nicht bezahlt. Oder das Vertrauensverhältnis zwischen Mandant und Anwalt sei völlig zerrüttet, etwa weil der Mandant wichtige Informationen verschwiegen hat und das erst während eines Prozesses offensichtlich worden ist. Letztlich zeige sich dadurch immer mehr, dass die ganze Redtube-Abmahnwelle nichts anderes als eine riesige Luftnummer war, betonte Solmecke.

Nachtrag: Am 20. Mai hat sich Thomas Urmann schriftlich zu einer Anfrage der MZ geäußert. Die Frage, ob er The Archieve AG nun komplett nicht mehr vertritt, beantwortet er in seiner E-Mail aber nicht. Urmann schreibt: „Die anwaltliche Schweigepflicht verbietet es uns über das Bestehen oder auch Nichtbestehen eines Mandates Auskunft zu erteilen. Daran wollen wir uns auch halten.“

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