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Regensburg
Montag, 18. Dezember 2017 5

Natur

Vogelschützer wehren sich gegen Baupläne

Zu einer Kundgebung am Samstagnachmittag kommen rund 150 Menschen. Sie wollen Schlämmteiche im Regensburger Osten erhalten.
Von Daniel Geradtz, MZ

  • Rund 150 Menschen waren zur Kundgebung im Regensburger Osten gekommen. Fotos: Geradtz
  • Ende Februar soll es zu einem nächsten Treffen kommen.

Regensburg.150 Personen waren dem Aufruf gefolgt und demonstrierten am Samstag für den Erhalt der Schlämmteiche im Stadtosten. Der Landesbund für Vogelschutz, Bund Naturschutz und die Donau-Naab-Regen-Allianz hatten die Veranstaltung initiiert, um auf die Bedeutung des „ökologischen Hotspots“ bei Irl zu verweisen. Auf den Freiflächen zwischen Autobahn A3 und Straubinger Straße leben nach Angaben der Naturschützer rund 100 Vogelarten. Außerdem hätten sich zahlreiche Insekten und Reptilien dort niedergelassen – zu ihrem Schutz war in der Vergangenheit ein Betretungsverbot eingerichtet worden.

„Nennen wir es der Einfachheit halber das Vogelparadies“, sagte Raimund Schoberer, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Regensburg, auf der Kundgebung. Und Ernst Seidemann, Kreisvorsitzender beim Landesbund für Vogelschutz, appellierte: „Es ist hier das letzte große zusammenhängende Gebiet für Zugvögel.“ Einst seien an den Schlämmteichen 150 Vogelarten beobachtet worden.

„Einzelverfahren ohne Beteiligung der Umweltverbände – das geht nicht.“

Raimund Schoberer

Mit dem Protest richten sich die Naturschützer gegen die Baupläne auf dem Areal an der Kremser Straße. Der Stadtrat beschloss im vergangenen November ein großangelegtes Bebauungskonzept. Dem soll nun ein Einzelbauverfahren im zentralen Bereich vorgezogen werden. „Einzelverfahren ohne Beteiligung der Umweltverbände – das geht nicht“, stellte Schoberer klar. Seiner Meinung nach seien im vorliegenden Fall Kriterien erfüllt, die eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich machten. Notfalls werde man den Klageweg beschreiten, um dies zu erzwingen.

„Aus unserer Sicht sind die Planungen der Stadt nicht durchdacht“, erklärte Raimund Schoberer auf der Kundgebung am Samstagnachmittag. Schließlich müssten für die dann versiegelten Teiche bei einem Neubau neue Gewässer geschaffen werden. Es sei ja auch ein Anliegen, Investitionen zu sparen. Den Bauherrn habe man als konstruktiven und fairen Gesprächspartner wahrgenommen, unterstrich Josef Paukner, Sprecher der Donau-Naab-Regen-Allianz. „Leider hat die Stadt Regensburg die Ergebnisse dieser Gespräche nicht aufgenommen“, knüpfte er an die Aussagen Schoberers an.

Nächstes Treffen am 29. Februar

Einen Schritt hin zu einer Lösung, könnten Stadt und Umweltverbände allerdings schon bald machen. Am 29. Februar treffen sich die Umweltverbände mit Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Das Gespräch ist das Resultat eines jahrelangen Ringens der Naturschützer um mehr Beteiligung in dem Verfahren.

In das Gespräch gehen die Verbände mit drei Erwartungen: Sie fordern eine „für alle Seiten tragbare Gesamtlösung“, die Einrichtung eines Runden Tisches als Diskussionsplattform für natur- und umweltpolitische Fragen sowie die Integration von Natur- und Artenschutz in die Stadtplanung. Das Anliegen einer Kommune dürfe nicht lauten „wir tun alles, das du willst, lieber großer Investor“, machte Paukner klar.

Das Gebiet der Schlämmteiche

  • Stellungsnahme:

    In einer gemeinsamen Stellungnahme machten im Januar der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz auf den Bauplan und die Probleme eines Einzelbauverfahrens aufmerksam.

  • Relevanz:

    Der Bericht weist unter anderem darauf hin, dass auch im Stadtratsbeschluss die Relevanz des Gebiets angegeben ist.

  • Vogelarten:

    Im Beschlussvorschlag wird erwähnt, dass zwischen 2008 und 2013 103 Vogelarten beobachtet wurden. Einige davon zählen zu den bedrohten Arten.

  • Bebauungsplan:

    Der Bebauungsplan umfasst eine Fläche von 27,5 Hektar. Davon sind rund 15 Hektar für Gewerbeansiedlung und 12,5 Hektar als Ausgleichsfläche vorgesehen.

  • Teiche:

    Die Teiche wurden bis zur Schließung der Zuckerfabrik im Jahr 2007 genutzt.

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