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Regensburg
Dienstag, 27. September 2016 24° 1

Altstadt

Wasserspiele für eine halbe Million Euro

Die Stadtrats-Gremien geben grünes Licht für Brunnen am Ernst-Reuter-Platz. Das Konzept stieß nicht überall auf Begeisterung.
Von Norbert Lösch, MZ

Der Europabrunnen auf dem Ernst-Reuter-Platz wurde nie verwirklicht. Jetzt wird ein „Römerrastplatz“ samt Wasserspielen favorisiert. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Der Stadtrat ist fest entschlossen, das Brunnen-Projekt auf dem Ernst-Reuter-Platz endgültig auf den Weg zu bringen. Er wird am 28. Januar voraussichtlich beschließen, statt des Europabrunnens einen „Römerrastplatz“ samt Wasserspielen zu bauen und dafür Fördermittel aus einem grenzüberschreitenden Programm zu beantragen.

Am Dienstag haben der Kultur- und der Stadtplanungsausschuss als vorberatende Gremien dem Vorhaben zugestimmt. Dagegen votierten jeweils nur Benedikt Suttner (ÖDP) und Irmgard Freihoffer (Die Linke). Freihoffer hatte vor allem deswegen Vorbehalte, weil es keine festgezurrte Planung für den gesamten Ernst-Reuter-Platz gibt, auf dem auch das Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) gebaut werden soll. Zudem sei der Entwurf „nicht besonders aufregend“. Der ÖDP-Stadtrat monierte ebenfalls , dass der künstlerische Anspruch „zu kurz kommt“ und es dem Entwurf an „Natur- oder spielerischen Elementen fehlt“. „Hier wird durchaus eine Chance vertan“, sagte Suttner, der sich unabhängig von der Finanzierungsfrage einen künstlerischen Gestaltungswettbewerb gewünscht hätte.

200000 Euro aus Fördertopf?

Die Stadtratsmehrheit will aber offenbar endlich Nägel mit Köpfen machen und dabei auch Zuschüsse aus dem interregionalen Programm Österreich-Bayern (Interreg) „mitnehmen“. Mit insgesamt 530000 Euro werden die Investitionskosten für den Brunnen samt Umfeld veranschlagt; die maximale Förderung beträgt 200000 Euro. Kulturreferent Klemens Unger sagte auf Nachfrage, die Stadt könne eigentlich gar keinen Förderantrag stellen, weil Zuschüsse aus dem Interreg-Programm auf Projekte mit grenzüberschreitender Bedeutung in Niederbayern beschränkt seien. Weil der Zuschussantrag über den Tourismusverband Ostbayern laufe, könne auch das Vorhaben in Regensburg gefördert werden. Die Frist zur Antragstellung sei schon Mitte Dezember abgelaufen, man habe aber eine Verlängerung bis Ende Januar erreicht.

Außer den Koalitionspartnern stimmte auch die CSU für das Vorhaben. Stadträtin Bernadette Dechant sagte, ihre Fraktion sei dafür, die Gestaltung des Brunnen-Areals endlich anzugehen und damit das Entree zur Maximilianstraße aufzuwerten. Allerdings stelle sich die Frage, inwieweit speziell die Metallplatte mit dem eingravierten Donau-Verlauf vandalensicher sei. OB Joachim Wolbergs verwies darauf, dass gegen Schmierereien oder Graffiti-Attacken kein Kunstwerk im öffentlichen Raum gefeit sei.

Kommentar

Kein großer Wurf

Die Stadt und ihre Römer-Geschichte – das ist fast 20 Jahre nach einem ersten Gestaltungswettbewerb der Ansatzpunkt für den Brunnen am Ernst-Reuter-Platz....

Der Bau des Europabrunnens wurde 1997 vom damaligen OB Hans Schaidinger angekündigt. 2002 hatte man mit dem Bau begonnen, doch die Arbeiten wurden 2003 eingestellt. Der weitere Vorschlag, auf der bereits ausgehobenen, sechs mal neun Meter großen Brunnenstube zumindest eine „Bodensprenkleranlage“ zu installieren, ist ebenso wieder in den Schubladen verschwunden wie die Idee von Bürgermeister Jürgen Huber, der an Ort und Stelle zumindest zwei Bäume pflanzen lassen wollte.

Beleuchtete Wasserfontänen

Die Konzeption von Architekt Joachim Peithner sieht vor, das Umfeld des Brunnens künstlerisch zu gestalten und als Rast- und Informationsplatz zum „Römischen Regensburg“ zu nutzen. Als Kunstbeitrag soll eine große Stahlplatte mit eingefrästem Verlauf der Donau gestaltet werden, auf der die wichtigsten Stationen und Kastelle der Römer entlang des Flusses dargestellt sein werden. Zudem soll es originale Römerquader als Sitzmöglichkeiten und ein modernes Informationssystem via Touchscreen geben. Das Konzept für den Brunnen selbst umfasst zwölf von unten beleuchtete Fontänen, die mit variablen Wasserstrahlhöhen und Farben unterschiedliche Wasserspiele schaffen sollen.

Die Nachricht vom Beschluss der Stadtrats-Gremien hat sich schnell verbreitet. Wir haben verschiedene Meinungen gesammelt:

Jakob Friedl, Vorsitzender des Fördervereins für unter- und überirdische Urbanismus-Forschung: „Dieser Beschluss ist die Vernichtung aller Möglichkeiten dort Kunst zu machen. Ich vermisse die Befragung von Künstlern und Architekten. Der geplante Römerrastplatz macht die Stadt nicht attraktiver. Ich selbst habe mit meinem Verein Vorschläge zur Gestaltung gemacht. Über sie wurde nicht diskutiert.“

„Uns gegenüber wurde das Projekt kritisiert“,

Maria Ritch, Vizepräsidentin des Bundes der Steuerzahler Bayern

Maria Ritch, Vizepräsidentin des Bundes der Steuerzahler Bayern: „Uns gegenüber wurde kritisiert, dass der Römerrastplatz nicht zwingend erforderlich sei. Das werden wir zum Anlass nehmen, um das Projekt bei Oberbürgermeister Wolbergs zu hinterfragen. Unter anderem wollen wir wissen, welchen Nutzen er sich daraus für die Regensburger Bürger verspricht. Da sind wir auf seine Antwort schon gespannt.“

Andreas Eckl,Vorsitzender des Architekturkreises: „Mit dem Römerrastplatz kann ich nichts anfangen. Diesen Platz mit dem typisch historischem Römer-Thema zu belegen, finde ich falsch. Der Ort wird sich mit dem Bau des RKK stark verändern. Da wäre es richtig gewesen, wenn der Platz noch Entwicklungspotenzial gehabt hätte. Grundsätzlich verstehe ich den schnellen Handlungsbedarf jetzt nicht.“

„Den Römern müssen wir also wirklich dankbar sein.“,

Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Archäologin

Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Archäologin: „179 n. Chr. wurde eine ganze Legion Römer nach Regensburg versetzt und hat ein Legionslager samt Mauern errichtet. Das war der Beginn der Stadtentwicklung. Den Römern müssen wir also wirklich dankbar sein. Am Ernst-Reuter-Platz steht auch ein Stück der Römermauer. Rein thematisch passt da der geplante Römerrastplatz mit dazu.“

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