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Bildung

Weniger Deutsch für Migrantenkinder

Das Kultusministerium will offenbar beim Stundenbudget für ausländische Grund- und Mittelschüler sparen. Schulamtschef Heribert Stautner bedauert das.
Von Marion Koller, MZ

Ohne Deutschkenntnisse keine Integration: Jetzt drohen Kürzungen an Regensburger Schulen.Foto: dpa

Regensburg. 3801 Kinder mit Migrationshintergrund besuchen die Grund- und Mittelschulen in Regensburg und dem Landkreis. Ihnen gewährt das Kultusministerium bislang ein spezielles Lehrerstundenbudget für die Deutschförderung. Unterricht, der dringend nötig ist, um eine echte Integration zu erreichen. Doch für das kommende Schuljahr will die Regierung der Oberpfalz diese Stunden für den Bereich Regensburg um 12,3 Prozent kürzen.

Das bayerische Gesamtbudget bleibt zwar gleich, versicherte Dr. Ludwig Unger, der Pressesprecher des Kultusministeriums, am Freitag auf MZ-Anfrage. Die Regierungen könnten aber je nach Migrantenzahl in den Schulamtsbezirken Geld umschichten. Da die Zahl der Flüchtlinge woanders schneller steige, erhalte Regensburg weniger. Heribert Stautner, der Leiter des Staatlichen Schulamts Regensburg, bedauert das Minus. „Die Kürzung bedeutet vor allem, dass wir die Deutsch-Förderkurse nicht mehr in dem Umfang anbieten können.“

Ehrenamtliche sollen einspringen

Stautner nennt zwei Beispiele. An den Grund- und Mittelschulen in Stadt und Landkreis gibt es insgesamt zwölf Übergangsklassen, die den Kindern eine zweijährige Sprachförderung bieten. Zum Beispiel an der Grundschule Hohes Kreuz, der Clermont-Ferrand-Mittelschule oder der Grundschule Neutraubling. „Wir bräuchten die Stunden dafür, dass der Lernprozess in einer Art Nachsorge weitergeführt werden kann“, erklärt Stautner. Auch „Deutsch als Zweitsprache“ für Kinder im Umland, die zu weit entfernt von einer Übergangsklasse wohnen, wird flachfallen.

Der Schulamtschef sieht nur eine Lösung: Er will sich verstärkt auf das Netz ehrenamtlicher Helfer stützen, die die Kinder in ihrer Freizeit unterrichten. In die Grundschule Pettendorf etwa kommt regelmäßig eine pensionierte Lehrerin und bringt den Kleinen Deutsch bei. Vordringlich handle es sich jedoch um eine staatliche Aufgabe, sagt Heribert Stautner. Aber noch hofft er: Über die Umschichtung wird erst am 20. Juli endgültig entschieden.

Der Abensberger MdL und Integrationsbeauftragte der Staatsregierung, Martin Neumeyer, weiß noch nichts von den De-facto-Einsparungen. Als ihn die MZ informiert, betont er: „Sprache ist natürlich ein ganz wichtiger Aspekt. Ohne Sprache kann es keine Integration geben.“ Es sei schade, dass für Regensburg weniger Geld zur Verfügung stehe.

Vorbildlich geht die Stadt Regensburg mit der Deutschförderung für Migranten um. An der städtischen Berufsschule II werden laut Gerhard Schnabl, Leiter des Amts für Schulen, 43 junge Migranten ab 15 Jahren unterrichtet.

Die Stadt als Vorreiterin

Im ersten Jahr lernen sie vor allem die Sprache, aber auch Mathe und deutsche Kultur. Das zweite Jahr führt sie über Praktika an den Beruf heran. „Wir müssen sie in kleine Gruppen einteilen, weil der eine ein bisschen Deutsch, der andere überhaupt nicht lesen und schreiben kann“, sagt Schulleiter Anton Nenning. Die Schule habe es geschafft, dass sich die Flüchtlinge dort wohlfühlten, Vertrauen entstehe und eine positive Weiterentwicklung möglich sei. Zwei Sozialpädagoginnen unterstützen die Migranten. Eine davon, Sandra Knorr, vermittelt im Bürokratie-Dschungel und beim Asylverfahren, bringt sie in Vereinen unter oder besorgt Bustickets.

Die Stadt leistet das laut OB Joachim Wolbergs seit 2012 freiwillig und ist damit einer der Vorreiter in Bayern. Inzwischen beteiligen sich Europäischer Sozialfonds und Freistaat. Ab Herbst wird die Berufsschule II auch Asylbewerber aus dem Landkreis aufnehmen. Eine weitere Klasse kommt.

„Wir werden uns noch mehr engagieren müssen“, kündigt OB Joachim Wolbergs am Freitag an. Die Migrantenzahl werde zunehmen. Genaueres weiß er noch nicht. „Es gibt jeden Tag eine neue Wasserstandsmeldung.“

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