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Wirtschaft

Wenn der Juniorchef im Betrieb fehlt

Ungelöste Unternehmensnachfolgen bedrohen Arbeitsplätze. Selbstständige sollten sich früh mit der Übergabe beschäftigen.
Von Curd Wunderlich, MZ

Jungunternehmer in der Familiennachfolge stehen nicht in allen Betrieben zur Verfügung – auch nicht im Raum Regensburg.Foto: dpa

Regensburg.In der Region Regensburg stehen bis 2025 rund 1600 Unternehmen zur Übernahme an. Das schätzt die Hypovereinsbank (HVB) auf Basis von Erhebungen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Bei einem Pressegespräch gingen Vertreter der Bank am Mittwoch der Frage nach, ob genügend potenzielle Nachfolger für diese Unternehmen parat stehen und welche Weichenstellungen für den Wirtschaftsraum getätigt werden müssen, um die Zukunft dieser Firmen zu sichern.

Die Nachfolgeregelung sei für viele Unternehmer lange Zeit ein Tabuthema gewesen, meinte Franz Büechl, Leiter des Firmenkundengeschäfts der HVB in Ostbayern. Denn eine Übergabe habe immer nicht nur mit Zahlen zu tun, sondern vor allem auch mit Emotionen – schließlich gehe es immer auch um die Zukunft eines Lebenswerks.

„Das ist immer mit Unsicherheiten verbunden“, so Büechl. Einige Unternehmer stünden beispielsweise vor dem Problem, keinem ihrer Kinder zuzutrauen, für die Nachfolge geeignet zu sein. In anderen Familie wolle der Nachwuchs das Unternehmen von sich aus nicht weiterführen.

Früh über Nachfolge sprechen

Um solche Dinge rechtzeitig zu klären und sich gegebenenfalls nach familienexternen Nachfolgekandidaten umzusehen, sollte das Thema möglichst früh auf den Tisch, empfiehlt Büechl. Zumal das Durchschnittsalter deutscher Unternehmer – auch in der Region – zuletzt stetig gestiegen ist: Heute liegt es bei 51 Jahren, 1,3 Millionen Unternehmer sind gar 55 Jahre oder älter. Und eine weitere Schwierigkeit bei der Übergabe kommt hinzu: Aufgrund der demografischen Entwicklung geht die Schere zwischen immer mehr Seniorunternehmern und immer weniger potenziellen Nachfolgern immer weiter auseinander, wie Rainer Ehbauer, Teamleiter für das Firmenkundengeschäft der HVB in Ostbayern, deutlich machte.

Bei der Übergabe gehe es dabei nicht nur um die Zukunft der jeweiligen Unternehmerfamilie, sondern vor allem auch um eine Menge Arbeitsplätze. Im Regensburger Raum sind nach aktuellen Schätzungen der Hypovereinsbank rund 90000 Stellen von den Unternehmensübergängen bis 2025 betroffen.

Die Bank als Sparringpartner

Bei rund der Hälfte der Unternehmen klappe eine Übergabe innerhalb der Familie. Wo das nicht der Fall sei, könnten entweder eigene Mitarbeiter oder auch gänzlich externe Investoren eine Lösung sein, so Ehbauer. Die HVB wolle bei den Übergabeprozessen Sparringpartner sein und den Seniorpartnern beispielsweise auch bei der Vermittlung potenzieller Nachfolger unterstützen.

Die wiederum bräuchten in ihrer Bank einen engen Partner für die Sicherstellung der Finanzierung einer Übernahme, machte Günther Zimmermann deutlich. Er ist Teamleiter Private Banking Regensburg/Ingolstadt für die HVB. Schließlich schaffe es kaum ein Nachfolger den Übernahmepreis für ein neues Unternehmen nur aus Eigenmitteln zu finanzieren

Für die abgebenden Unternehmer stelle sich zudem immer auch die Frage nach der Mittelverwendung aus etwaigen Verkaufserlösen, was also mit dem Privatvermögen passieren soll. Immer beliebter werde dabei die Gründung einer Stiftung oder die Zustiftung zu einer bestehenden Siftung. Viele Unternehmer wollen laut HVB nämlich mit ihrem Privatvermögen auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Auch in diesem Bereich benötigten die Stiftungsgründer in ihrer Bank einen verlässlichen Partner, hieß es beim Pressegespräch bei der HVB. Schließlich sollten die Stiftungen langfristig auf eine wirtschaftlich gesunde Basis gestellt werden. Nur so könne sichergestellt werden, dass der Stiftungszweck kontinuierlich verwirklicht werde und das Kapital in der Regel langfristig erhalten bleibe.

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Erbschaften und Unternehmensübergaben

  • 3,1 Billionen vererbt:

    Zwischen 2015 und 2024 werden in Deutschland voraussichtlich 3,1 Billionen Euro vererbt. Damit ist das Erbschaftsvolumen gut eine Billion Euro höher als die Staatsverschuldung Deutschlands. Nur rund drei Prozent aller Erbfälle sollen einwandfrei geregelt sein. „In allen anderen Fällen entwickelt sich das Erbe anders, als vom Vererbenden gewünscht“, so Günther Zimmermann (HVB).

  • 135 000 Familienunternehmen:

    Im Zeitraum 2014 bis 2018 stehen in Deutschland rund 135 000 Familienunternehmen zur Übergabe an. Davon sind bundesweit rund zwei Millionen Arbeitsplätze betroffen. Neben familieninternen oder -externen Nachfolgelösungen gibt es auch Mischformen. So können Kapital oder Führung des Unternehmens in der Familie bleiben und Partner beteiligt werden.

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