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Regensburg
Montag, 20. November 2017 11

Polizei

Wie oft prellen Regensburger die Zeche?

Drei Bier, ein Schweinsbraten – aber nicht bezahlen: Wer geht, ohne die Rechnung zu begleichen, macht sich strafbar.
von Mario Geisenhanslüke, MZ

Dass eine Rechnung unbezahlt bleibt, passiert selten. Fotos: gi/Archiv

Regensburg.Ein paar Getränke und ein gutes Essen: Es gibt schlechtere Orte als einen Biergarten mit Blick auf die Donau für einen gemütlichen Abend. Doch irgendwann kommt der Moment, an dem bezahlt werden muss. So auch jüngst für einen Gast, dessen Bankkarte dann aber den Dienst verweigerte. Er wolle nur schnell zur Bank, um Geld abzuheben, sagte er – und kam nie wieder.

Positiv an diesem Vorfall, der sich so in einem Regensburger Lokal ereignet hat, ist: So etwas kommt hier selten vor. Das bestätigt auch die Polizeiinspektion. In den vergangenen drei Jahren lag die Zahl der angezeigten Fälle von Zechbetrug je im niedrigen zweistelligen Bereich. 2017 wurden bisher gerade einmal acht Fälle zur Anzeige gebracht – ganz anders als beispielsweise in Mainz, der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz, wo Zechprellerei offenbar ein großes Problem ist.

Lesen Sie zum Thema auch von MZ-Redakteurin Heike Haala: „So dreist zocken Zechpreller in Regensburg ab“.

Ein Gros der Regensburger und Touristen ist offenbar ehrlich. Das ist gut, die Zeche zu prellen, ist nämlich kein Kavaliersdelikt. „Betrug ist Betrug“, sagt Theo Ziegler, Pressesprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft. Denn anders, als viele glauben, gibt es in Deutschland keinen eigenen Paragrafen im Strafrecht für Zechbetrug. Wer seine Rechnung nicht bezahlt, macht sich – von zivilrechtlichen Dingen wie Schadensersatz mal abgesehen – nach Paragraf 263 im Strafgesetzbuch strafbar.

„Das Problem liegt nicht einmal im Promillebereich. Das liegt wohl auch am Umfeld.“

Michael Hahn, Hahnzelt Regensburger Dult

Und der hat es in sich. Dort heißt es: „Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

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Es hat immer Konsequenzen

Viele Verfahren werden laut Ziegler gegen Geldstrafe eingestellt, er sagt aber auch deutlich: „Das hat immer strafrechtliche Konsequenzen.“ Der Vorsatz und die Bereicherungsabsicht seien hier entscheidend. Und ab einer gewissen Summe oder im Falle eines Wiederholungstäters gebe es ohnehin einen Strafbefehl. Sei bei einer schweren Tat eine Haftstrafe zu erwarten, werde der Fall immer zur Anklage gebracht. Doch Ziegler sagt auch: „Gefühlt kommt das in Regensburg nicht so wahnsinnig häufig vor.“

„Damit haben wir kein Problem. Aber bei uns bezahlen die Leute ja auch gleich.“

Sascha Al Mahmoud, Diskothek „Suite15“

Ähnliches berichten auch Wirte und Gastronomen. Ob Michael Hahn, Betreiber des gleichnamigen Zeltes auf der Dult, der Discobesitzer Sascha Al Mahmoud oder Axel Franke, der den Prüfeninger Schlossgarten betreibt – Sie alle sind sich einig: Ein Problem sind Zechpreller hier nicht. Hahn macht das ehrliche Publikum und das positive Umfeld verantwortlich. „Man benimmt sich einfach in Regensburg“, sagt er. Außerdem hätten die Kellner ganz gut im Gefühl, bei wem man gleich kassieren sollte und bei wem nicht. Dabei gehe es allerdings weniger um die Gefahr, dass der Gast nicht zahle, als vielmehr darum, dass der Kellner in seinem Bereich nicht den Überblick verliere.

Doch nicht jeder weiß so Positives zu berichten. Max Reichinger, Geschäftsführer des Kneitinger, sagt: „Das passiert immer wieder. Drei Bier, ein Schweinebraten, dann noch eine Tasse Kaffee und dann sagt der Gast, er gehe kurz zum Rauchen – und kommt nie wieder.“ Ein Problem sei auch der Hinterausgang. Machen könne man wenig dagegen, erklärt Reichinger. Die Bedienungen müssten den Verlust aus eigener Tasche zahlen, aber zur Polizei würden sie dennoch nicht gehen. Das bringe nichts und koste nur Zeit. Wie bei vielen solchen Delikten dürfte die Dunkelziffer bei Zechprellerei im Vergleich zur offiziellen Zahl also durchaus höher liegen.

„Wir haben definitiv immer mal wieder damit zu kämpfen.“

Max Reichinger, Kneitinger

Eine andere Antwort – ein kleines Augenzwinkern inklusive – hat indes Axel Franke auf die Frage, warum das bei ihm kein Problem sei. „Vielleicht hatte es ja schon einmal jemand vor. Der kommt dann aber, sieht mich – und überlegt es sich anders“, sagt er im Hinblick auf seine Statur.

Was kann man tun?

  • Polizei

    Markus Reitmeier von der Polizeiinspektion Süd erklärt, was passiert, wenn die Polizei wegen eines Zechprellers gerufen wird: „Wenn die Polizei hinzu gerufen wird, ist zunächst zu prüfen, ob der Gast nur sein Geld vergessen hat, oder nicht zahlen will.“ Im ersten Fall handelt es sich um eine zivilrechtliche Angelegenheit. Die Polizei stellt dann nur die Personalien fest.

  • Strafanzeige

    Wenn der Gast die Zeche aber prellen wollte oder das versuchte, wird eine Strafanzeige wegen Betrug aufgenommen. Das Strafgesetzbuch sieht hier eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Wenn der Gast sagt, er habe nur vergessen zu bezahlen, wird der Staatsanwalt oder der Richter das bewerten.

  • Festhalten

    Sollte ein Wirt oder ein anderer Zeuge einen Gast bemerken, der die Zeche nicht zahlen will und sich entfernt, hat er das Recht, diesen festzuhalten, bis die Polizei eintrifft. Aber Reitmeier warnt auch: „Man sollte sich nicht selbst gefährden.“ Deswegen sei es im Zweifelsfall besser, sich die Person einzuprägen und Hilfe zu holen.

Weitere Berichte über die Regensburger Gastroszene finden Sie hier.

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