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Politik

Windkraft: Grüne für kleinere Abstände

Bundeschefin Simone Peter besuchte die Regensburger Ostwind AG. Sie sprach sich klar für das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus.
Von Tino Lex, MZ

Besuch bei der Ostwind AG: Stadträtin Maria Simon, Gisela Wendling-Lenz (Ostwind AG), Dr. Simone Peter, Bundesvorsitzende der Grünen, Ulrich Lenz (Ostwind AG), Eike Hallitzky, Landesvorsitzender der Grünen, Dr. Rolf Bungart und Jörg Zinner (beide Ostwind AG). Foto: Tino Lex

Regensburg.Wie soll es politisch weitergehen mit der Energiewende? Bundesvorsitzende Simone Peter und Landesvorsitzender Eike Hallitzky von Bündnis 90/Die Grünen besuchten die Ostwind-Gruppe, die zu den führenden deutschen Akteuren im Bereich Onshore-Windenergie zählt. Am Mittwoch wurde über die Herausforderungen der ökologischen Energieerzeuger und die Chance auf eine zügigere Energiewende nach der Bundestagswahl diskutiert. Die Deckelung beim Ausbau der Erneuerbaren sei schnell aufzuheben, um die in Paris vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen, so die gemeinsame Forderung.

Zu wenig Vergütung für Ökostrom

Für die Vorstände der Ostwind AG, Gisela Wendling-Lenz und Ulrich Lenz, sowie die Geschäftsführer Dr. Rolf Bungart und Jörg Zinner ist klar, dass Windenergie und grüne Politik prinzipiell gut zusammenpassen, jedoch müsse sich auch diese Kombination in der Realität bewähren und kritisch hinterfragen lassen. Das Jahr 2017 steht für eine Zeitenwende: Ein „viel zu enger Korridor“ beim Ausbau der Windenergie, eine rein wettbewerbliche Vergütung des Ökostroms und eine je nach Bundesland sehr unterschiedliche Qualität in der Umsetzung der Energiewende haben auch die Ostwind-Gruppe stark gefordert. „Sind das aktuelle Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Ausschreibungsverfahren für Windkraft überhaupt geeignete Instrumente, um die Energiewende und den Klimaschutz in Deutschland voranzubringen?“, fragt Geschäftsführer Dr. Rolf Bungart deshalb. Simone Peter und Eike Hallitzky sprechen sich klar für das EEG aus, denn damit habe man in den letzten 17 Jahren den ÖkostromanteiI mehr als verfünffachen können. Jedoch sehen sie auch, dass es dringend einer Weiterentwicklung bedürfe, wenn bis 2030 die Vollversorgung aus Erneuerbaren geschafft werden soll.

Jobs im Solarbereich weggefallen

„Deswegen wollen wir die Bremsen, die die große Koalition den Erneuerbaren verpasst hat, wieder lösen und das EEG novellieren“, fasst Peter zusammen. Ostwind und „Grüne“ blicken mit Sorge auf die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Eine solch negative Kehrtwende bei der Klimapolitik müsse bei der Bundestagswahl verhindert werden. Im Übrigen sollten die Systemfehler im Ausschreibungsverfahren des EEG 2017 repariert und die an sich schon knappen Leistungsvolumina nicht noch weiter reduziert werden. Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb sei das Vorliegen einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung auch für die Bürgerenergiegesellschaften, damit der Ausbau der Erneuerbaren in den geforderten Bahnen verlaufen könne.

lm Solarbereich seien durch falsche Weichenstellungen der Bundesregierung bereits 50 000 bis 60 000 Jobs weggefallen, auch die Bioenergie-Branche habe stark gelitten. Wenn es der Windenergie nicht genauso ergehen solle, dann brauche es ein klares industriepolitisches Bekenntnis zur Erneuerbare-Energien-Branche in Deutschland, so Peter. Als große Projektiererin für Windenergie teilt Ostwind diese Sorge. Von der Politik gäbe es zwar klare Bekenntnisse zur krisengeschüttelten Autoindustrie, die erneuerbaren Zukunftstechnologien bräuchten ebenso starke Befürworter.

In Bayern müsse die vom Landtag erst 2016 beschlossene „10H-Regelung“ rückgängig gemacht werden, so Peter. Dafür werde sie kämpfen und versuchen, den Bürgern klar zu machen, dass die Abstandsflächen in dieser Form nicht nötig seien.

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540 Anlagen gebaut

  • Die 10H-Mindestabstands-Regelung

    beschreibt den Abstand von Windanlagen zur Wohnbebauung, der mindestens eingehalten werden muss. Damit wird die Errichtung von Windparks in der Nähe von Wohnbaugebieten erschwert.

  • Laut Peter

    wollten sich viele Bürger an dem Ausbau erneuerbarer Energien beteiligen, würden aber durch landesrechtliche Regelungen ausgebremst. Die Bürger sollten ihre Energie frei wählen können. Es bestehe die Möglichkeit, Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

  • Nach Meinung Peters

    muss auch das Stromnetz weiter ausgebaut werden. Leitungen müssten grundsätzlich ertüchtigt werden.

  • Die Ostwind AG

    ist ein unabhängiges Familienunternehmen. Die mittelständische Firmengruppe mit Sitz in Deutschland, Frankreich und Tschechien projektiert, errichtet und betreibt Windparks. Seit 1992 hat die Ostwind AG 540 Windenergieanlagen mit 920 MW Leistung geplant, gebaut sowie ans Netz gebracht. (xtl)

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