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Regensburg
Dienstag, 6. Dezember 2016 4

Gesellschaft

Prüfeninger wollen die Zukunft gestalten

Plastik vermeiden, Klima verbessern: Die Zukunftswerkstatt sucht in dem Regensburger Viertel nach engagierten Mitstreitern.
Von Susanne Wiedamann, MZ

  • Wie bewältigen wir die gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen der Zukunft – wie die Verschmutzung mit Plastik? Einige Prüfeninger wollen die Zukunft gemeinsam mit anderen gestalten. Foto: dpa
  • Gesunde Ernährung soll ein Thema sein, das die Zukunftswerkstatt Prüfening beackert. Foto: dpa

Regensburg.Was erwarten die Menschen in Prüfening von der Zukunft? Diese Frage stellt „Der historische Club“, ein mehrheitlich aus Senioren bestehender Arbeitskreis der evangelischen Gemeinde St. Markus, der sich bisher ausschließlich historischen Themen wie der DDR oder den 60er-Jahren gewidmet hat. „Wir wollten nun einmal nicht rückwärtsgewandt reflektieren, sondern nach vorne schauen“, sagt Pfarrer Dr. Manfred Müller. „Wir wissen, dass wir in zehn Jahren anders leben werden, weil wir CO sparen müssen.“

Doch wie bringt man das im Kleinen fertig? Der Weltklimagipfel in Paris im Dezember hat Maßstäbe gesetzt, um eine weitere Erderwärmung zu verhindern. Nun sind die Bürger bis hinein in Stadtviertel und Dörfer gefragt, an der Erfüllung der Ziele mitzuwirken.

Eva Witt und Pfarrer Dr. Manfred Müller hoffen auf viele Engagierte. Foto: Wiedamann

„Kinder leben genau das nach, was wir Erwachsene vorleben. Also ist es pädagogisch notwendig, dass wir unseren Lebensstil ändern. Wir sind verantwortlich, dass die neue Generation nicht den bisher etablierten Lebensstil einfach übernimmt“, begründet Müller das Engagement gerade der älteren Generation. Um Veränderungen zu erreichen, um Plastik zu vermeiden oder Strom zu sparen, müssen viele an einem Strang ziehen. Also rief „Der historische Club“ die Zukunftswerkstatt Prüfening ins Leben.

Mit zunächst bescheidener Resonanz. „Anfangs waren wir zu zweit“, berichtet Diplom-Mathematiker Reiner Joos und lächelt Müller an. „Wir haben uns darüber unterhalten, was die Zukunft ist, was wir erwarten? Und wir haben Ideen gesammelt. Das ist immer konkreter geworden.“ Dabei ist den inzwischen fünf Mitgliedern der Zukunftswerkstatt die Gemeinschaft besonders wichtig.

Zukunftswerkstatt Prüfening

  • Ziele

    Die Stärkung der Gemeinschaft, die Naturgrundlagen zu erhalten und das Klima möglichst wenig zu belasten, sind Ziele der Zukunftswerkstatt Prüfening. Als stadtviertelbezogene Transitionbewegung sehen die Macher ihre Initiative.

  • Mitstreiter gesucht

    Wer den Stadtteil in diesem Sinn mitgestalten will, ist beim Treffen am Montag, 15. Februar, um 19 Uhr im Gemeindehaus St. Markus willkommen. Desto mehr Mitstreiter, desto mehr Ideen und desto mehr Anregungen können umgesetzt werden, hoffen die Initiatoren. Infos zur Zukunftswerkstatt des „Historischen Clubs“ gibt es in der Pfarrei St. Markus unter Telefon (09 41) 3 29 17.

Weitere Mitstreiter werden gesucht. Am Montag, 15. Februar, um 19 Uhr ist im Gemeindehaus das nächste Treffen. Alle Interessierten, egal ob Kirchenmitglied oder welcher Konfession, sind willkommen.

Die Bürger befragen

Am 3. Juli soll in St. Markus ein großes Sommerfest steigen, bei dem Ideen vorgestellt werden und möglichst viele Prüfeninger zum Mitmachen animiert werden sollen. „Es ist schon unser Ziel, hier eine echte Community zu bekommen. Das ökologische Thema kommt sowieso auf uns alle zu. In einer Community kann man Sachen tauschen, teilen und sich gegenseitig helfen“, sagt Müller.

Eva Witt lebt erst seit kurzer Zeit in Prüfening. „ Das ist hier alles anonym und sehr groß“, sagt die Rentnerin über den Wohn- und Schlaf-Stadtteil. Umso mehr würde sie sich auf die Zusammenarbeit der Bürger freuen. Sie stellt sich als eine der ersten Aktionen der Zukunftswerkstatt eine Befragung aller Haushalte per Flyer vor, was die Menschen von der Zukunft erwarten und wie künftige Herausforderungen gemeistert werden können.

Viele Leute sagen: Die Zukunft ist eh schlecht. Und das ist ihre Lizenz, faul zu sein. Aber wir können etwas für die Zukunft tun!

Pfarrer Dr. Manfred Müller

Das Sommerfest ist dann ein weiterer Schritt. „Da kann man einen ökologischen Fußabdruck machen, spielerisch das Thema Klima aufgreifen oder über das Essen und regionale Nahrungsmittel aufklären“, sagt Müller. „Mir schwebt vor, ein ökologisches Schwein zu präsentieren, um zu zeigen, wo das Fleisch herkommt.“

„Unsere Stärke als Gemeinde ist das Lokale“, sagt Müller. Die Energiewende werde nur gelingen, wenn alle zusammenarbeiten. „Es muss nicht jeder einen eigenen Rasenmäher oder ein Auto haben.“

„Die Gemeinschaft ist uns ganz wichtig“, sagt Reiner Joos.Foto: Wiedamann

„Jeden Morgen fahren hier wahrscheinlich hundert Autos von Prüfening aus in die Innenstadt“, erzählt Joos. Wenn sich mehr Arbeitende oder auch Eltern, die ihre Kinder in den Kindergarten oder zur Schule fahren, zusammentun oder aufs Rad umsteigen würden, könnten viele Autofahrten eingespart werden. Ein weiteres Problem, das auf Abhilfe wartet: „Es ist unglaublich, wieviel Plastikmüll immer noch im ganz normalen Hausmüll landet“, kritisiert Joos. Aber nicht nur Umweltthemen will die Zukunftswerkstatt aufgreifen. Wie wollen wir arbeiten? Welche Prioritäten gibt es im Leben? Was ist die Kehrseite des Leistungsgedankens? Welchen Gegenentwurf gibt es für die Mentalität, immer mehr haben zu wollen?

Ein Baum voller Wünsche

„Wir wollen beim Sommerfest einen Wunschbaum machen und sammeln, was die Gemeinde will. Einfach mal informieren, abfragen – und dann loslegen“, sagt Joos. „Wir haben verschiedene Ansatzpunkte, ganz praktische, aber auch vom Glauben her. Da sind 1000 Themen denkbar“, erklärt Müller. „Wenn jemand sagt, ich mache jetzt Handyrecycling oder wenn jemand eine Tauschbörse in der Garage aufziehen will, werden wir das unterstützen.“ Die möglichen Aktionen reichen vom Reparieren von Altgeräten über gemeinsames Gärtnern bis zu Veranstaltungen zur Zukunft der Kirche oder des Christentums.

Teilen ist angesagt: Ein Rasenmäher und andere Gerätschaften können mehreren Bürgern gute Dienste tun. Foto: dpa

„Unsere Aufgabe ist es, wachzurütteln“, sagt Joos. Wie bei der Transitionbewegung soll eine Gemeinschaft geschaffen werden, die zusammen eine lebenswerte Zukunft gestaltet. Dafür sind Kooperationspartner wie die katholische Gemeinde St. Bonifaz höchst willkommen, sagt Müller. „Man kann nicht evangelisch oder katholisch Energie sparen.“

Ganz wichtig ist der Gruppe, Zukunftsängste zu nehmen und Aufbruchstimmung zu vermitteln, sagt Witt. „Das muss auch Spaß machen“, bestätigt Müller. „Das muss in positiver Weise motivieren. Viele Leute sagen: Die Zukunft ist eh schlecht. Und das ist ihre Lizenz, faul zu sein.“ Gegen dieses apokalyptische Bild gelte es anzukämpfen. „Wir können etwas für die Zukunft tun“, appelliert Müller. „Packen wir es gemeinsam an!“

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Zukunft gestalten - auch im Kleinen?

Im Regensburger Stadtteil Prüfening wollen Bürger in einer Zukunftswerkstatt gemeinsam konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige, umweltbewusste und vom Gemeinsinn geprägte Lebensweise anpacken. Was halten Sie von einer solchen Stadtteil-Initiative?

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