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Wird das Pürkelgut ein Unternehmenssitz?

Das Regensburger Schloss als Firmenadresse: Diese Nutzung kann sich Wolfgang Herzog vom Immobilienzentrum vorstellen.
Von Marion Koller, MZ

Durch dieses Portal betrat man einst das Wasserschloss Pürkelgut. Seit Jahrzehnten wird der kleinere Eingang auf der Rückseite genutzt. Foto: Koller

Regensburg.Zum Ortstermin in Schloss Pürkelgut hat Wolfgang Herzog vom Immobilienzentrum Regensburg (IZ) alte Schlüssel mitgebracht. Für Tor, Wasserschloss und Gutshof. Das IZ hat bekanntlich das T&T-Anwesen und 49 000 Quadratmeter Fläche zum 1. Juli erworben. Vorstandsmitglied Wolfgang Herzog führt durch die drei Stockwerke.

Instand gesetzt wurde der Dachstuhl, alles andere verfällt. Marode Deckenbalken halten sich nur dank Stützen. Barockfenster sind zugemauert, Holzwände zerteilen Räume und Stuckdecken. Bewohner haben stille Örtchen eingebaut – Plumpsklos. Fußbodenlöcher geben den Blick ins untere Stockwerk frei.

Details erinnern an die einstige Schönheit des Barockbaus. Foto: Koller

Verkehrslärm von drei Seiten

Wegen seiner Barockgestalt stellt das Wasserschloss ein Kleinod dar. Die 100-jährige Pappelallee und der wilde Garten bezaubern. Wer ein Fenster öffnet, den holt aber schnell die Realität ein: Tosender Verkehrslärm von drei Seiten – Landshuter Straße, Osttangente und Bahnlinie. Wegen dieser Belastung ist noch unklar, ob auf dem Areal Wohnhäuser gebaut werden. „Man hört Lärm von drei Seiten – das ist das Schlimmste für ein Wohnprojekt“, sagt Herzog. Er deutet auf die Osttangente, über die eine nicht enden wollende Brummi-Karawane rollt. Die Lärmschutzwerte einzuhalten, bedeute beim Pürkelgut einen erheblichen Aufwand. „Wohnbebauung wird hier schwierig sein.“

Kurz nach dem Kauf des Wasserschlosses hatte Herzog noch gesagt: „Wenn man irgendwo Wohnen verwirklichen kann, wird man es machen, weil es lukrativ ist.“ Beim Ortstermin in dieser Woche meinter: „Mit Gewerbe sieht es besser aus, weil dafür keine so strengen Maßstäbe gelten. Die Repräsentanz eines Unternehmens würde gut passen.“

Sehen Sie in unserer Bildergalerie weitere Aufnahmen aus dem Inneren des Schlosses:

So sieht es im Pürkelgut aus

Auch Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak, der sich seit Jahrzehnten für eine Pürkelgut-Sanierung starkmacht, hatte im April zu unserer Zeitung gesagt, eine Büronutzung vertrage sich wohl am besten mit der historischen Substanz. Falls das Immobilienzentrum eine zusätzliche Wohnbebauung ins Auge fasse, müsse ein deutlicher Abstand zum Schloss eingehalten werden, um dessen Wirkung zu bewahren.

Eine Entscheidung oder Pläne liegen noch nicht vor. Zunächst untersuchen Baufachleute das Barock-Gebäude. Das Immobilienzentrum stimmt sich bei der Sanierung eng mit den Denkmalschützern ab.

Im Stadtosten mit dem Kasernenviertel, dem Hohen Kreuz und Burgweinting leben mehr als 40 000 Regensburger. Vielbefahrene Verkehrsadern begrenzen oder durchqueren diese Stadtteile. Ein großer öffentlicher Park fehlt. Es existiert ein Stadtratsbeschluss, dass beim Pürkelgut ein Naherholungsgebiet entstehen soll. Darauf pocht der Bürgerverein Süd-Ost.

Überall bröckeln die Wände. Foto: Koller

Bürger wünschen sich einen Park

Vorsitzender Johann Brandl begrüßt die Rettung des Pürkelguts. In seinem Umgriff solle ein „Bürgerpark“ entstehen. „Es ist wichtig, dass für den Osten und Südosten ein hochwertiges Naherholungsgebiet angelegt wird, dessen Kern das Wasserschloss ist.“ Das Hofgut könne als Gaststätte genutzt werden. Es sei aber immer die Frage, wer dem Investor helfe. „Wenn es das Immobilienzentrum alleine macht, fürchte ich, dass die Naherholungsfläche relativ klein ausfällt“, sagt Brandl. Arbeiteten Investor und Stadt Regensburg zusammen, werde die Freizeitfläche sicherlich größer.

Die Geschichte des Schlosses

  • Im 13. Jahrhundert

    Ein Weiherhaus wurde 1237 auf dem Grundstück des heutigen Schlosses Pürkelgut erstmals erwähnt.

  • Die Erbauung

    Der Regensburger Handelsherr Johann Jakob Pürkel ließ das Wasserschloss 1728 erbauen.

  • Im Besitz des Fürstenhauses

    Das Fürstenhaus Thurn und Taxis erwarb das Anwesen 1844, nutzte es jedoch nie als Wohnsitz.

  • Als Flüchtlingsunterkunft

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Flüchtlinge einquartiert. Das Schloss hat 1635 Quadratmeter.

IZ-Vorstandsmitglied Ulrich Berger, der sich hauptsächlich mit dem Pürkelgut befasst, hatte im April zu unserer Zeitung gesagt, Pläne für einen Landschaftspark müssten abgestimmt werden. „Man muss schauen, wie die Ideen zusammenpassen.“

Das Immobilienzentrum lässt sich mit dem Pürkelgut Zeit. In diesem Jahr geschieht außer der Gebäude-Untersuchung durch den Pfaffenhofener Architekten Dr.-Ing. Norbert Bergmann wenig. Der Fachmann hat sich auf historische Bauten spezialisiert.

Dass vorerst alles beim Alten bleibt, ist wichtig für das Zuckerbrot & Peitsche-Festival, das Tausende ab 22. Juli am Schloss-Gelände feiern werden. Für 2017 wird sich Veranstalter Sascha Al-Mahmoud dann eine neue Location suchen müssen. Unklar ist auch die Zukunft des Gutsverwalter-Ehepaars, das sich im kommenden Jahr nach einer neuen Wohnung umsehen muss.

Lesen Sie mehr:

Für unsere Serie „Verlassene Orte“ haben wir das Pürkelgut besucht. Den Bericht gibt es hier.

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