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Regensburg
Montag, 25. September 2017 19° 5

Diskussion

Zukunftsfähigkeit messen

Bei einer Veranstaltung der Grünen machte Prof. Dr. Meinhard Miegel deutlich: Das Bruttoinlandsprodukt ist kein geeigneter Indikator für den Wohlstand.

Die Grünen-Bundestagsabgeordneten Dr. Valerie Wilms und Beate Walter-Rosenheimer diskutierten mit Prof. Dr. Meinhard Miegel (von links). Foto: Die Grünen

Regensburg.. Eine recht skeptische Bilanz der Suche nach einem neuen Wohlstandsindikator zogen der Vorstandsvorsitzende des „Denkwerk Zukunft - Stiftung kulturelle Erneuerung“, Prof. Dr. Meinhard Miegel, und die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Dr. Valerie Wilms, bei einer öffentlichen Diskussion in Regensburg. Beide hatten innerhalb der Enquete-Kommission des Bundestags „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ einen neuen Wohlstandsindikator gefordert und stellten die Ergebnisse nun im Kaisersaal vor. Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Endlich wachsen - Zukunftsfähigkeit statt Bruttoinlandsprodukt messen“.

Gleich zu Beginn warf der Bezirksvorsitzende der Grünen, Stefan Schmidt, die Frage in den Raum, wie viel der guten theoretischen Arbeit der Kommission in die Praxis umgesetzt werden würde. Die beiden Referenten zeigten sich hier recht desillusioniert. Prof. Miegel machte deutlich, dass man zwar schnell Einigkeit darüber erzielt habe, dass das Bruttoinlandsprodukt als Indikator unzureichend sei. In seinem Vortrag machte er deutlich: „Fest steht, dass das BIP kein geeigneter Wohlstandsindikator ist, es misst nicht mal Wachstum vernünftig.“ Vielmehr würde durch die aktuelle Wachstumspolitik Lebensgrundlagen zerstört. Deutschland erwarte kaum mehr Wachstum, verbrauche aber 2,7 mal so viel an Ökostruktur, wie die Erde kompensieren könne.

Wilms warb indes für ein Indikatormodell, das sich stark an Miegels Konzept orientiere und von den Grünen innerhalb der Enquete-Kommission als Alternative vorgestellt wurde. Dieser „Wohlstandskompass“ misst neben dem Bruttoinlandsprodukt auch die ökologische Dimension durch den sogenannten ökologischen Fußabdruck, die soziale Dimension durch Messung der Einkommensverteilung mittels der sogenannten 80/20-Relation und die Lebenszufriedenheit durch eine subjektive Befragung. In diesem Konzept fand sich auch Miegel weitgehend wieder, der das von der Mehrheit der Kommission vorgeschlagene Indikatorenset mit insgesamt 58 Messgrößen als völlig unpraktikabel anprangerte.

In der anschließenden Diskussion im Kaisersaal wurde insbesondere nach der praktischen Bedeutung der Kommissionsarbeit gefragt. Unter der Moderation der bayerischen Bundestagsabgeordneten Beate Walter-Rosenheimer machten Wilms und Miegel deutlich, dass neben dem Gestaltungswillen der Politiker besonders auch die Bürgerinnen und Bürger gefragt seien. Miegel machte deutlich, dass das Umdenken, das in vielen Teilen der Gesellschaft schon erfolge, letztlich wohl schneller zum Erfolg führe. An dieser These ließen auch die rund 50 interessierten Bürgerinnen und Bürger, die an der Veranstaltung teilnahmen, darunter Vertreter der Bewegung „Transition Town Regensburg“, wenig Zweifel.

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