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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Traumatag

Zusammenspiel kann Leben retten

Notärzte und Rettungskräfte Hand in Hand: An der Feuerwehrschule übten Notfallhelfer die Bergung verunglückter Personen.
Von Kerstin Hafner, MZ

An mehreren Autowracks durften sich Notärzte und Rettungskräfte unter Anleitung von Feuerwehrlern mal selbst mit Rettungsspreizern und Säbelsägen versuchen. Fotos: Hafner

Regensburg.Ein Auto landet nach einem Unfall auf dem Dach. Die Türen lassen sich nicht öffnen, die schwer verletzen Insassen brauchen dringend Hilfe. Nun ist es Aufgabe der Feuerwehr, Fahrer und Beifahrer aus dem beschädigten Fahrzeug zu retten. Es gilt, schnell und präzise zu handeln, Prioritäten zu setzen und abhängig vom Schweregrad der Verletzungen die richtigen Maßnahmen einzuleiten, damit die Notfallmediziner die Opfer schnell versorgen können.

Beim mittlerweile 5. Traumatag – einer Veranstaltung der Klinik für Anästhesiologie des Uniklinikums Regensburg (UKR) – setzten am Samstag an der Staatlichen Feuerwehrschule in Lappersdorf nun erstmals auch 20 Notärzte und noch weit mehr Rettungskräfte aus Stadt und Landkreis hydraulische Rettungsgeräte der Feuerwehr ein, um ein besseres Verständnis für die technischen Möglichkeiten vor Ort und die körperlichen Anstrengungen ihrer Partner von der Feuerwehr zu bekommen.

„Ziel ist es, dass die unterschiedlichen Notfallhelfer sich untereinander austauschen können und ihre jeweiligen Aufgaben besser koordinieren lernen“, erklärte Professor Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik für Anästhesiologie des UKR. „Bei einem Unfall entscheidet der Notarzt, in wie vielen Minuten er beim Patienten sein muss und danach richtet die Feuerwehr ihre technische Bergung.“ Je nach Zustand der Insassen werde also das Fahrzeug entweder schnell auseinandergerissen, ohne auf Sekundärschäden (wie zum Beispiel einen brechenden Knochen) der Schwerstverletzten Rücksicht zu nehmen oder es werde – wenn genug Zeit bestünde – im Verlauf der sogenannten ‚patientengerechten Bergung‘ vorsichtig zerlegt.

Dr. Markus Zimmermann, Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme des UKR, führte weiter aus: „Bei der Oslo-Methode wird ein Auto binnen weniger Minuten auseinandergezogen, steht mehr Zeit zur Verfügung, arbeitet die Feuerwehr mit Rettungsspreizern, Säbelsägen und weiteren Geräten, schneidet das Fahrzeug auf oder dringt durch die Scheiben ein.“

Franz Liegl, Lehrgangsleiter der Staatlichen Feuerwehrschule, betonte: „Es gibt dabei keine Musterlösung. Man muss sich immer auf neue Herausforderungen einstellen. Ein echtes Problem stellen die immer stabileren Neuwagen dar, die großen SUVs und Limousinen. Generell gilt: Je sicherer ein Auto gebaut ist, desto schwerer kommt man da dann auch rein, wenn doch mal eine Person drin eingeklemmt ist.“

Damit es im Ernstfall nicht zu zeitraubenden Diskussionen zwischen den Rettungskräften komme, sei es nötig, das Zusammenspiel unter realen Bedingungen zu üben. Und zwar interdisziplinär. Während 2016 beim Traumatag noch ein Busunfall mit vielen Verletzten simuliert wurde, stand heuer die technische Rettung aus Autos im Fokus – mit anschließenden praktischen Übungen bei Polytrauma.

Wie Experten den Traumatag bewerten:

Prof Bernhard Graf

Professor Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik für Anästhesiologie des UKR: „Es ist unser mittlerweile fünfter Trauma-Tag. Markus Werkmann, der gute Kontakte zur Feuerwehr hat, lässt sich dafür jedes Jahr etwas Neues einfallen. Längerfristig geplant ist die Etablierung einer Art ‚Runder Tisch‘, an dem sich alle an Unfällen beteiligten Rettungskräfte regelmäßig austauschen.“

Dr. Markus Zimmermann

Dr. Markus Zimmermann, Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme des UKR: „Im Landkreis Regensburg gibt es fünf Notarztstandorte, allein in der Stadt rund hundert Notärzte. Wir bekommen durch diese freiwilligen interdisziplinären Übungen die Gelegenheit, uns in die an der Rettung beteiligten Partner hineinzuversetzen. Das hilft uns bei der Entwicklung von Bergungsstrategien.“

Franz Liegl

Franz Liegl, Lehrgangsleiter Staatliche Feuerwehrschule: „Viele neue Fahrzeuge stellen für uns eine Herausforderung dar: Bei so mancher B-Säule aus hochfestem Stahl stoßen unsere 7-Tonnen-Rettungsspreizer an ihre Grenzen. Auch alternative Antriebe sind nicht ohne – man kann nicht einfach durch einen E-Akku schneiden. Da muss man sich dann andere Methoden überlegen.“

Dr. Manuela Malsy

Dr. Manuela Malsy, Fachärztin Anästhesie und Notärztin: „Man lernt beim Traumatag viele Basics und übt als Notarzt die Kommunikation mit Feuerwehr und Rettungsteams. Das ist bei getrennten Trainings einfach nicht möglich. Auch ist es von Vorteil, Szenarien in Ruhe durchspielen zu können, ohne dass es um Menschenleben geht. Man wird kompetenter und präziser.“

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