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Forum

Anselm Bilgri problematisiert Lohnlücke

Der ehemalige Prior sprach zum Equal-Pay-Day. Er fordert eine Partnerschaft auf Augenhöhe statt traditioneller Rollenbilder.
Von Davina Lang, MZ

Irene Weininger (v. l.), Birgit Mogler, Frauke Ewert, Anselm Bilgri, Christel Riedel, Karin Schlecht und Ingrid Asche sprachen beim Regensburger Forum zum Thema Gehaltstransparenz..Foto: mdl

Regensburg.Gleicher Job, gleiche Qualifikation, gleiche Leistung – weniger Lohn. Laut Statistischem Bundesamt betrage der Abstand zwischen Männern und Frauen beim Bruttolohn im Schnitt acht Prozent, sagte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in ihrer Grußrede zum Regensburger Forum anlässlich des Equal Pay Days 2015. „Betrachtet man die gesamte Verdienststruktur fällt der Unterschied noch extremer aus. Letztes Jahr haben Frauen sogar 22 Prozent weniger verdient als Männer“, so die zweite Bürgermeisterin.

Der Verband der Business and Professional Women (BPW) veranstaltete am Mittwochabend in Kooperation mit der Bundesgeschäftsstelle Entgeltgleichheit des BPW Germany sowie dem Katholischen Deutschen Frauenbund und der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen ein Forum mit Anselm Bilgri als Hauptredner im Leeren Beutel, Bertoldstraße. Thema waren die Transparenz der Gehaltsstrukturen, der Arbeitsbewertung und der Leistungsbeurteilung.

„Spiel mit offenen Karten! Was verdienen Männer und Frauen!“ ist das diesjährige Motto des Equal Pay Days, das Schwerpunktthema ist Lohntransparenz. „Nur wenn Frauen und Männer wissen, was innerhalb ihres Unternehmens in vergleichbarer Position verdient wird, können sie die eigenen Gehaltsforderungen überzeugend vertreten“, sagte Christel Riedel, Projektleiterin des Forums Equal Pay Day in ihrer Eröffnungsrede im Leeren Beutel. „Lohntransparenz ist eine zentrale Voraussetzung, um die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zu schließen“, so Riedel.

In einem Impulsvortrag beleuchtete Anselm Bilgri, ehemaliger Prior des Klosters Andechs und Unternehmensberater, im Anschluss das Thema Transparenz aus wirtschaftsethischer Perspektive. Die Lohnlücke zwischen Mann und Frau bezeichnete Bilgri als „nicht eingelöste Gleichberechtigung“. Die vom Bundestag verabschiedete Quotenregelung sei ein erster Schritt in die richte Richtung, sagte der ehemalige Prior. Traditionelle Rollenzuweisungen sollen laut des Wirtschaftsethikers einer ebenbürtigen Partnerschaft weichen.

Lohntransparenz sei ein ethischer Wert und Merkmal fortschrittlicher Unternehmenskultur, so Bilgri. Eine daraus resultierende Entgeldgleichheit führe zu besserem Betriebsklima und zu „nachhaltigem Erfolg“. Denn eine Unternehmenskultur, die Mann und Frau gleichermaßen wertschätze, profitiere langfristig, sagte der Wirtschafts-Ethiker. „Talente, die vorhanden sind, müssen gefördert werden“, meinte Bilgri abschließend. Dabei dürfe das Geschlecht keine Rolle spielen.

Nahtlos schloss sich Birgit Mogler, Botschafterin des Instituts „Great Place to Work“, mit ihrem Vortrag zur Transparenz durch Mitarbeiterbefragungen, an den Wirtschaftsethiker an. „Unternehmenskultur und Betriebsklima werden oft zusammenhängend erwähnt“, so Mogler. Zur Messung des Betriebsklima und daraus resultierenden Verbesserungen kann eine anonymisierte Mitarbeiterbefragung dienen, meint die Systemische Organisationsentwicklerin aus Frankfurt.

Frauke Ewert, Personalleiterin der VR Leasing Gruppe, zeigte am Beispiel ihres Unternehmens, eine Art der Umsetzung des Instruments der Mitarbeiterbefragungen. Diese werden regelmäßig durchgeführt und beinhalten Fragen zur fairen Behandlung unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung oder Behinderung. Außerdem gebe es ein transparentes und einfach nachvollziehbares Vergütungssystem. Beides wirke sich wiederum positiv auf das Betriebsklima aus.

Irene Weininger, Betriebsratsvorsitzende der Regensburger Firma Osram, schilderte die Sicht zu Lohntransparenz aus der betrieblichen Interessensvertretung. Zwar verdienen Männer und Frauen innerhalb ihrer geltenden Gehaltsgruppen bei Osram relativ gleich viel, jedoch wäre der Aufstieg in eine höhere Gehaltsgruppe – trotz gleicher Qualifikation – für Frauen schwerer, sagte Weininger.

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