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Gesundheit

Die Mut-Macher stoppen in Regensburg

Enttabuisierung der Depression: Dieses Ziel streben die Mitstreiter der Tour an. 45 Teilnehmer legen dabei 3270 km zurück.
Von Theresa Stangl, MZ

  • Die Tandem-Fahrer wollen mit ihrer Tour eine wichtige Botschaft vermitteln. Foto: Heinrich
  • Depressive sollten sich nicht verstecken. Foto: dpa

Regensburg.Zurück in ein normales Leben finden – das beweist Willensstärke. Bei der diesjährigen Mut-Tour werden wieder Menschen zusammengeführt – mit oder ohne Depressionserfahrung. In Sechser-Teams geht es durch ganz Deutschland.

Zahlreiche Menschen radeln über den Domplatz. Die Sonne strahlt mit ganzer Kraft auf die Köpfe der Regensburger. Zwischen Autos, Rollerfahrern und Fußgängern sticht etwas heraus: ein Tandem. Drei stehen vor dem Dom in Regensburg. Die sechs Radler des 2. Teams der Mut-Tour tragen einheitliche Farben. Sie halten Schilder in ihren Händen. Der Slogan „Mach mit! Macht Mut!“ soll Menschen auffordern, sich ohne Weiteres mit dem Thema Depression auseinanderzusetzen und die Krankheit nicht als Tabu wahrzunehmen.

Das Aktionsprogramm „Mut-Tour“ gibt es seit 2012. Die Beteiligten möchten die Entstigmatisierung von Depression erreichen. Bisher haben 126 Menschen an den Touren teilgenommen und über 22 000 km zurückgelegt. Dieses Jahr sind 45 Teilnehmer mit dabei. Sie legen bis zum 25. August 3270 km zurück. Zwei Tandem-Teams, ein Wander- und ein Kajak-Team bestreiten das Abenteuer.

„Es kann jeden treffen“

Täglich sprechen die Mut-Macher mit Journalisten und Interessierten, um zu vermitteln, dass Depression eine riskante Krankheit ist. „Egal welche Altersgruppe, welcher Berufsstand oder welcher soziale Hintergrund, es kann jeden treffen“, sagt Lukas König, der Teamleiter. Außerdem habe niemand Schuld an einer Erkrankung.

Die Gruppenmitglieder kennen sich vor Beginn der Tour nicht. Einige waren jedoch schon einmal mit von der Partie. Dabei sei es egal, ob man eine Sportskanone ist oder nicht. „Wir betreiben kein Hochleistungs-Radeln“, sagt König. Einige seien Fahrrad-affin, es könnten aber auch unerfahrene Radfahrer mithalten. Es soll ohne Leistungsdruck funktionieren. Die Radler sind zwischen 20 und 60 Jahren alt.

Bei der 5. Mut-Tour macht eine der vier Gruppen in Regensburg Halt. Der gelbe Smiley ist zu ihrem Symbol geworden: Betroffene zeigen die Symptome der Krankheit oft nicht nach außen. „Keiner sollte sich hinter einer Maske verstecken müssen“, sagt König.

Der Smiley sei außerdem ein Repräsentant für die Anderen, denn jeder Mensch könne Betroffener sein. Deswegen möchte das Projekt Aufklärungsarbeit leisten. Zeigen, dass Depression kein Tabu-Thema ist und vor allem, dass Erkrankte Verständnis und Unterstützung benötigen.

In der Natur die Gedanken ordnen

Das Gruppengefühl in der freien Natur soll Raum schaffen, um Gedanken ordnen zu können. „Wenn ich manches früher gewusst hätte, wäre mir vieles erspart geblieben“, sagt Sarina Krebs. Ein Bewusstsein der Gesellschaft solle geschaffen werden, um den Blick auf die Mitmenschen zu schärfen.

Die letzte Station der Mut-Tour ist Leipzig. Im nächsten Jahr geht das Projekt in die sechste Runde. Depressionserfahrene oder Nicht-Erfahrene können sich online unter mut-tour.de/mitmachen informieren. Für diejenigen, die nur ein paar Stunden an der Tour teilnehmen möchten, gibt es Aktionstage.

Gefahr Depression

  • Dringlichkeit:

    Depressionen gehören zu den am meisten unterschätzten Krankheiten weltweit.

  • Betroffene

    : Weltweit ist die Zahl der an Depression Leidenden auf 350 Millionen gestiegen. In Deutschland gibt es 4,1 Millionen Menschen, die betroffen sind.

  • Handlungsbedarf:

    Vor allem Jugendliche, Frauen nach der Geburt und ältere Menschen seien besonders gefährdet.

  • Symptome:

    Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Gleichgültigkeit oder Angst, sowie diffuse körperliche Beschwerden können Anzeichen sein.

  • Behandlung:

    Depressionen sind behandelbar. Es gibt zahlreiche Methoden.

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