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Dult
Samstag, 18. November 2017 5

Schutz

Dult: Die Lkw-Sperren bleiben

Mit dem Sicherheitskonzept sind alle zufrieden. Ein Anschlag wie in Barcelona ist Thema. Aber es geht nicht nur um Terror.
von Mario Geisenhanslüke, MZ

Die Regensburger Dult wird nicht nur von Polizisten – in Uniform und in Zivil – geschützt. Fotos: Matthes/Ried

Regensburg.Zwei große Betonklötze, auf denen je zwei Warnlampen stehen. Zwischen ihnen spannen sich zwei Stahlseile. An die Lkw-Sperren, die bei der Maidult an beiden Eingängen ihre Premiere feierten, werden sich die Dultbesucher gewöhnen müssen. Denn auch bei der Herbstdult, die am Freitag beginnt, werden sie wieder im Einsatz sein.

Nicht erst seit dem schweren Anschlag mit einem Kleintransporter auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas vor wenigen Tagen geht es bei Sicherheitsfragen rund um die Dult nicht nur um Diebstähle und Schlägereien, sondern auch um Schutz vor Terror. Die Stadt als Veranstalter ist für das Sicherheitskonzept verantwortlich. Außerdem sind der kommunale Ordnungsservice, ein privater Sicherheitsdienst und vor allem Polizisten aus der ganzen Oberpfalz im Einsatz auf dem und um das Festgelände.

Kosten: 100 000 Euro

Bei der Dult schützen Lkw-Sperren die Zufahrten. Foto: Steffen

Dr. Wolfgang Schörnig leitet bei der Stadt Regensburg das Rechts- und Regionalreferat. Er sagt: „Natürlich spielt das eine Rolle. Wir müssen auf die aktuelle Geschichte eingehen.“ Vor dem Anschlag in Nizza beispielsweise wäre niemand auf die Idee gekommen, dass es Attentate mit Lkws geben könnte. Seither habe man in Regensburg nach dem idealen System gesucht und in Form der Lkw-Sperren gefunden – ein System, das für den G20-Gipfel entwickelt worden ist. Die Zufahrten mit großen Lkw zu schützen – wie beim Bürgerfest – würde bei der Dult nicht funktionieren. Zwei Komplettsysteme hat die Stadt deshalb gekauft: für 30 000 Euro. Um ein wenig die Kosten zu decken, werden sie auch verliehen. Insgesamt gibt die Stadt pro Jahr für die Sicherheit bei Mai- und Herbstdult rund 100 000 Euro aus.

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„Leider ist es der Takt der Zeit, dass es ein Risiko gibt, wenn sich viele Menschen in einem öffentlichen Raum bewegen“, sagt Schörnig. „Es gibt keinen sicheren Raum mehr.“ Doch der Rechtsreferent denkt bei Sicherheitsfragen rund um die Dult nicht nur an das Schlimmste. Er sagt auch deutlich: „Sicherheit ist viel mehr als das.“ Diebstähle, Schlägereien und vieles mehr gilt es zu verhindern – aber auch Katastrophen wie vor drei Tagen in Österreich. Beim Sommerfest der Freiwilligen Feuerwehr in St. Johann am Walde reißt ein Sturm ein Festzelt nieder. Zwei Menschen sterben, zahlreiche werden verletzt. In Regensburg gibt es laut Schörnig schon seit Jahren ein spezifisches Windstärken-Register, was klar und deutlich eine Frage beantwortet: Welches Geschäft muss bei welcher Windstärke schließen? Außerdem würden die Festzelte penibel geprüft: Was halten sie aus? Ab wann müssen die Türen geschlossen werden? Wann muss geräumt werden – und wie läuft das ohne Panik ab?

Konzept wurde immer verbessert

Die Zufahrten zum Bürgerfest wurden mit Lkws geschützt. Das würde laut Stadt bei der Dult nicht gehen. Foto: Waller

Das Sicherheitskonzept der Dult ist ein über Jahre gewachsenes Konstrukt. Markus Hartung ist Leiter der Ermittlungsgruppe der Polizeiinspektion Nord. Er sagt: „Mit dem Sicherheitskonzept und dessen Umsetzung bei der Maidult sind wir sehr zufrieden.“ Lediglich in Nuancen habe man für die kommende Dult nachgebessert. Gründe für Zufriedenheit haben Behörden, Sicherheitsdienst und Polizei auch genug: Denn mit 31 registrierten Straftaten war bei der jüngsten Dult ein Tiefstand erreicht worden. Auch Michael Hahn, Chef des gleichnamigen Zeltes, sagt: „Schlägereien und andere Vorfälle sind Vergangenheit. Die Menschen kommen mit einem ganz anderen Bewusstsein zur Dult und feiern gemeinsam.“ (Lesen Sie dazu auch: „Dult: 800 000 Besucher, zwei Ausraster“)

Doch neue Sicherheitsvorkehrungen wie Lkw-Sperren bringen auch neue Probleme mit sich – und seien sie nur ästhetischer Natur. Denn die Barrieren hatten laut Schörnig zwar auch die erhoffte Symbolwirkung, führten aber überraschend dazu, dass viele freiwillig dort ihre mitgebrachten Getränke abstellten. Die Rucksackkontrollen, die es auch wieder geben wird, taten ihr Übriges. „Wir hätten einen Getränkehandel aufmachen können“, erinnert sich Schörnig. Am ersten Dultwochenende habe man das Problem aber überschätzt. Aus der Lkw-Sperre wurde ein Müllberg. Große Container lösten das Problem.

Was kann ich tun?

  • Beobachtung

    Wer einen Diebstahl oder eine Schlägerei beobachtet, soll laut Markus Hartung von der PI Nord sofort die Polizei rufen – per Notruf (110) oder Ansprechen eines Polizisten vor Ort.

  • Eingreifen

    Davon, selbst einzugreifen, rät Hartung eher ab: „Niemand muss sich selbst in Gefahr begeben.“ Natürlich gebe es das Recht zur „Jedermannsfestnahme“, trotzdem sei es meist die bessere Option, Hilfe zu rufen.

Alles zur Dult

Bilder, Videos, Hintergründe und alle Infos: Auf www.mittelbayerische.de/dult finden Sie wie jedes Mal das große MZ-Spezial.

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