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Dult
Sonntag, 24. September 2017 20° 4

Volksfeste

Stadt macht mit der Dult keinen Reibach

Bislang stand am Ende der 17 Tage jeweils ein Plus. Mehr Sicherheit kostet auch mehr Geld: Heuer wird ein Defizit erwartet.
Von Norbert Lösch, MZ

Auf der Maidult geht’s rund – auch finanziell. Für die Stadt bringen Volksfeste aber nicht das große Geld; aktuell hat sie sogar mehr Ausgaben als Einnahmen. Foto:Pieknik

Regensburg.Die Maidult geht am Sonntag zu Ende – und hinterlässt aller Wahrscheinlichkeit nach höchst zufriedene Festwirte, Schausteller und Besucher. Deren Zahl dürfte sich einschließlich des kommenden Wochenendes geschätzt um die 800000 bewegen, das sind jeden Tag an die 50000. Standgebühren, Gewerbesteuer, Strom – da muss doch am Ende auch für die Stadt etwas hängenbleiben, könnte man meinen. Mit den Regensburger Volksfesten mache man aber kein großes Geschäft, sagt die Stadt. Bei der Maidult werden die Ausgaben sogar die Einnahmen übersteigen – weil die schärferen Sicherheitsbestimmungen und die erstmals installierten Zufahrtssperren ordentlich Geld kosten.

Taschenkontrollen sind bei der Maidult obligatorisch. Foto: Ried

Der städtische Rechtsreferent Dr. Wolfgang Schörnig wird den Stadträten zu gegebener Zeit erläutern, warum bei der Maidult 2017 ein Defizit von rund 50000 Euro entstanden ist. „Wir haben heuer im Vergleich zu den Vorjahren Mehrausgaben von 70000 Euro“, verriet der „Dultbeauftragte“ der Stadtverwaltung vorab unserer Zeitung.

In den Vorjahren sei es so gewesen, dass – hauptsächlich durch Standgebühren und Platzgelder generierte – Einnahmen von rund 220000 Euro dem finanziellen Aufwand der Stadt – etwa für die Bereitstellung von Strom- und Wasserversorgung, Sicherheitspersonal, Toilettenfrauen und die Beseitigung von Vandalismusschäden – in Höhe von etwa 200000 Euro gegenüberstanden. „Die Stadt hat also bisher immer ein kleines Plus gemacht“, so Schörnig.

„An der Dult nie groß verdient“

An der Dult groß verdient habe sie aber nie – was auch gar nicht beabsichtigt sei. „Wir betreiben die Dult als kostenrechnende Einrichtung. Die Stadt will also keinen Gewinn erzielen, sondern lediglich schwarze Zahlen schreiben.“ Schausteller und Händler würden Gewerbe- und Umsatzsteuer an das für sie zuständige Finanzamt entrichten, also dort, wo sie gemeldet sind. Ein Teil dieser Steuereinnahmen fließt laut Schörnig zwar über die Schlüsselzuweisungen tatsächlich an die Stadt zurück, allerdings ebenfalls in überschaubarer Größenordnung.

Der „Wirtschaftsfaktor Volksfest“ ist in Regensburg generell so unbedeutend, dass es dafür nicht einmal einen eigenen Posten im städtischen Haushalt gibt. Einen erklecklichen Betrag nimmt allenfalls die Rewag ein, denn immerhin summiert sich der bei beiden Dulten gezapfte Strom auf rund eine halbe Million Kilowattstunden.

Wirtschaftsfaktor Volksfest – bundesweite Zahlen dazu finden Sie in unserem Video:

Video: MZ

Dazu kommen Wasser- und Abwassergebühren von ungefähr 25000 Euro pro Dult. Bei Strom und Wasser werden Zeltbetreiber und Schausteller aber nur für den Eigenbedarf zur Kasse gebeten, die Kosten für die öffentliche Versorgung – beispielsweise für die Beleuchtung des Dultplatzes und der Fluchtwege oder für die Toiletten – trägt die Stadt.

Das tut sie aus Überzeugung, denn Volksfeste sind für die Stadt ein bedeutender weicher Standortfaktor – und viele Gäste verbinden damit ein bestimmtes Lebensgefühl oder Lebensqualität. „Bei der Dult wird niemand ausgegrenzt. Vertreter großer Firmen kommen mit ihren oft ausländischen Gästen ebenso wie die Familie, die sich nicht viel leisten kann, aber das Bummeln und die Atmosphäre trotzdem genießt“, sagt der Rechtsreferent. „Es gibt keinen Standesdünkel, und bei der Jugend ist schon länger der Trend zu beobachten, dass die Dult zum Event geworden ist.“

Damit die Dult attraktiv bleibt, bemühe sich die Stadt stets um Attraktionen, die es sonst nur auf weit größeren Volksfesten gibt. Das Riesenrad beispielsweise „ist eins zu eins das vom Oktoberfest“, weiß Schörnig. Weitere „Kracher“ unter den Fahrgeschäften machen die Dult aus seiner Sicht zu einem Anziehungspunkt mit großer Strahlkraft im Umkreis von 30 Kilometern um Regensburg – ähnlich wie beim Stadion.

Sperren und Personal kosten Geld

Die Mehrkosten bei der aktuellen Maidult seien dem deutlich erweiterten Sicherheitskonzept geschuldet. Mehr Security-Personal – vor allem für die mittlerweile obligatorischen Kontrollen von Taschen und Rucksäcken – kostet ebenso Geld wie die beiden neuen Sperren an den Zufahrten Oberpfalzbrücke und Protzenweiher. Dort wurden jeweils zwei große Betonwürfel aufgestellt, zwischen denen ein massives Stahlseil gespannt ist. Da die Zugänge zugleich auch Rettungswege sind, braucht es auch dort zusätzliches Personal, damit Rettungsfahrzeuge und die Feuerwehr die Sperren im Notfall wie gewohnt passieren können.

„Die Sperren halten auch einem Lkw stand“, verweist Wolfgang Schörnig auf den Hintergrund der Maßnahme: das Attentat auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin. Grundsätzlich soll Dult-Besuchern „das Gefühl gegeben werden, dass wir Gefahrenquellen minimieren und alles für die Sicherheit der Gäste tun“.

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