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Regensburg-Stadt
Donnerstag, 25. Mai 2017 20° 4

Stadtplanung

Grieser Steg ist eine Gefahr


Von Marianne Sperb, MZ

Regensburg kann aufatmen. Die Hochwasser-Lage wird sich bis Freitag deutlich entspannen – auch am Unteren Wöhrd. Dort war es während der Flut zu einer brenzligen Situation gekommen: Der Grieser Steg drohte einzustürzen. Bei Donau-Höchststand rauschten die Wassermassen nur ein paar Zentimeter unter der Mini-Brücke dahin. Kräfte des Technischen Hilfswerks fürchteten schon, der Steg könnte mitgerissen werden. Die Retter sperrten den Steg vorübergehend ab.

Alternative: Steg bis nach Weichs?

Der Steg ist vor allem im Sommer heiß geliebte Verbindungsschneise von der Altstadtseite hinüber zu Andreasstadel und Stadtamhof. Die historische Konstruktion nutzen Liebespaare gern als Ankerplatz für Schwüre auf Vorhängeschlössern. Über kurz oder lang wird der Schneidbrenner das Brückchen zerlegen. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir den Steg ersetzen, auch wenn das nicht sofort geschehen muss. Das ist eine Erkenntnis aus dem Hochwasser“, sagte Oberbürgermeister Hans Schaidinger am Mittwoch zur MZ.

Wann und wie der Steg ersetzt wird, ist noch völlig offen. Schaidinger hat dem Planungsreferat den Auftrag erteilt, Überlegungen anzustellen. „Es könnte sich ja auch anbieten, einen neuen Steg etwas weiter östlich anzulegen, vom Weichser Neubaugebiet über den Spitz zur Südseite Donau, weil ihn dort viel mehr Menschen nutzen würden“, nannte Schaidinger als Beispiel.

Der Grieser Steg war beim aktuellen Hochwasser die einzige gefährdete Brücke in Regensburg. Die anderen Flussübergänge in Regensburg sind HW-100-sicher, das heißt: Selbst bei einem hundertjährlichen Hochwasser blieben noch 50 Zentimeter Platz zwischen der Wasseroberfläche und der Unterkante der Brücke. Dieser Platz – das sogenannte Freibord – ist der Puffer für Treibgut, erläuterte Katrin Butz von der städtischen Pressestelle . Um als HW-100-sicher zu gelten, muss eine Brücke so auch bei einem hundertjährlichen Hochwasser noch einen halben Meter Abstand zwischen Wasseroberfläche und Brückenunterkante haben. Für den Grieser Steg hieße das: Die Unterkante müsste um 1,20 Meter höher liegen, als es der Fall ist. „Ohne Freibord besteht die Gefahr, dass Treibgut gegen den Steg prallt“, so Butz. So ein Anprall könnte den Steg im schlimmsten Fall aus der Verankerung heben und verschieben.

Ohne Denkmalschutz

Beim 30-jährlichen Hochwasser, das Regensburg gerade erlebt hat, rauschte das Wasser dicht an der Unterkante des Stegs entlang. Ein Baum blieb am Steg hängen; die Feuerwehr musste ihn freischneiden.

Der Grieser Steg wurde 1947 als mobiles militärisches Brückengerät aus Stahl errichtet („Fachwerktrog-Konstruktion“). Die Fahrbahnplatte ist ein Trägerrost. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand die Platte noch aus Holzbohlen, dann aus Stahlbetondielen und seit 1998 aus beschichteten Stahlprofilen. Der Steg ist nicht denkmalgeschützt – anders als der ungefähr gleichaltrige Eiserne Steg im Westen, der seit 2012 auf der Denkmalliste steht.

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