mz_logo

Regensburg-Stadt
Samstag, 27. Mai 2017 25° 1

Konflikt

Kampf um die Kinder als Lebensaufgabe

Seit Jahren streitet Günter Mühlbauer von den „Trennungsvätern“ mit den Behörden. Was bewegt den Mann, der seinen Kampf öffentlich austrägt?
Von Hans Scherrer, MZ

  • Günter Mühlbauer zeigt Hunderte von ungeöffneten Briefen, die die Mutter seiner Kinder über fünf Jahre hinweg ignoriert hat, darunter zahlreiche Post von Behörden und Rechtsanwälten. „Normal ist das nicht“, sagt der 55-Jährige, der seit Jahren um das Sorgerecht für seine Kinder streitet. Foto: Scherrer
  • Günter Mühlbauer ist gelungen, wovon viele nur träumen: Er bekam eine kurze Audienz bei Papst Benedikt XVI., dem er ein gläsernes Herz schenkte und ihn bei dieser Gelegenheit auf das Schicksal der Trennungsväter aufmerksam machte. Foto: Vatikan

Regensburg.Wenn am 7. Juli der „Fall Mollath“ vor dem Landgericht Regensburg neu verhandelt wird – Gustl Mollath saß sieben Jahre lang zu Unrecht in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie –, dann nimmt auch der Regensburger Günter Mühlbauer dies zum Anlass, um auf seinen eigenen Fall hinzuweisen. Mollath sei nur die „Spitze eines Eisbergs“, sagt Mühlbauer, der seit Ende der 90er-Jahre um das Sorgerecht für seine beiden minderjährigen Kinder kämpft. Denn: „Die Mutter meiner Kinder ist schwer alkohol- und drogenabhängig, war deswegen auch schon wiederholt in Behandlung.“

Besonders fuchst es den 55-Jährigen, wie die Behörden über all die Jahre mit ihm umgegangen seien. „Man wollte mich schon wiederholt unter Betreuung stellen“, erzählt er und zeigt zum Beweis die entsprechenden behördlichen Unterlagen. „Sogar eine Hausdurchsuchung wurde bei mir durchgeführt, natürlich ohne Ergebnis. Bloß weil mir die Mutter meiner beiden Kinder Straftaten unterstellt hat.“

Freispruch vor Gericht

Angefangen hat Mühlbauers Ärger Ende der 90er Jahre. Damals hatte der „überzeugte Single“ (Mühlbauer über Mühlbauer) eine Affäre mit Sonja K. (Name geändert), die nicht ohne Folgen blieb. Doch schon zwei Monate nach der Geburt seines Sohnes Kevin (Name geändert) stellte Günter Mühlbauer fest, dass seine Gefährtin ein massives Alkoholproblem hat. Da aber war bereits das zweite Kind – ein Mädchen – unterwegs.

„Ich habe dann das Sorgerecht für die Kinder beantragt“, erzählt Mühlbauer, „weil ich mich für die bessere ,Mutter’ gehalten habe.“ Und „aus Angst um das Wohl der Kinder“ habe er sogar – nach der Trennung von der Gefährtin – in dem Haus geschlafen, in dem auch die Kinder wohnten. Dabei sei es immer wieder zum Streit mit der Kindesmutter gekommen. Und weil die Frau auch nicht krankenversichert war, habe er, Mühlbauer, die Kosten für die Geburt seiner beiden Kinder aus der eigenen Tasche bezahlen müssen: damals rund 25 000 Mark.

Manchmal, so erzählt Mühlbauer, sei sogar der Pfarrer vorbeigekommen, um nach dem Rechten zu sehen. Bei einer solchen Gelegenheit habe ihn seine Frau tätlich angegriffen und hinterher gegen ihn Strafanzeige erstattet und ihn beschuldigt, sie misshandelt zu haben. Der Fall kam schließlich vor Gericht und auch der Pfarrer wurde als Zeuge geladen. Der aber, so Mühlbauer, habe sich nicht mehr so genau an den Vorfall erinnern können. Selbst auf die Frage von Mühlbauer, wie oft ihn seine Frau angegriffen habe, habe der Geistliche geantwortet, dass er auch das nicht mehr so genau wisse. „Das war mein Glück“, so Mühlbauer, „denn damit hatte der Pfarrer bestätigt, dass ich angegriffen worden bin.“ Das Ergebnis war ein Freispruch.

Die nächste unangenehme Überraschung für Mühlbauer sollte nicht lange auf sich warten lassen. Denn vom Senioren- und Stiftungsamt der Stadt erhielt er eine Vorladung. Inhalt: „Im gemeinsamen Gespräch soll geklärt werden, ob Sie Hilfe in Form einer Betreuung benötigen.“ Da habe er schon leise am Verstand der Behörde gezweifelt, sagt Mühlbauer. Denn Sonja K. sei nicht nur wiederholt auf Entziehungskur gewesen. Auch habe er zuvor zufällig in verschiedenen Papiercontainern ungeöffnete, an Sonja K. adressierte Post gefunden, von Behörden, Rechtsanwälten etc., insgesamt über 300 Briefe über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren an die unterschiedlichsten Adressen. „Die Frau hatte sicher etwas zu verdrängen“, ist sich Mühlbauer sicher, „aber normal ist so etwas nicht.“ Dass Sonja K. aber dennoch für „voll geschäftsfähig“ erklärt wurde, er dagegen unter Betreuung hätte gestellt werden sollen, „das haut doch dem Fass den Boden aus“.

Es sollte nicht das einzige Mal sein, dass man ihn für unmündig erklären wollte. Und so musste er sich auch amtsärztlichen Untersuchungen unterziehen. Mühlbauer, der zwischenzeitlich rund hundert Kisten voller Aktenordner gesammelt hat, die von seinem Kampf mit den Behörden zeugen, zieht gegenüber der MZ den Befund hervor, den ihm der Amtsarzt im Staatlichen Gesundheitsamt ausgestellt hat.

Befund: Michael-Kohlhaas-Syndrom

Darin heißt es u. a.: Mühlbauer „erhob Vorwürfe gegen seine ehemalige Lebenspartnerin Frau K. in dem Sinne, dass diese ihre gemeinsamen Kinder nicht adäquat versorgen könne. Er berichtete, dass er schon mehrere Schritte unternommen habe, um das Sorgerecht für seine Kinder zu bekommen, bisher ohne Erfolg. (...) Bei seinen Schilderungen ging er oft ins kleinste Detail. Er ist richtig in die Sache verbissen. Man kann bei ihm von einem ,Michael-Kohlhaas-Syndrom’ sprechen. Bei der Untersuchung war er teils emotional bewegt, voll orientiert und psychopathologisch unauffällig. Eine Fremdgefährdung geht von ihm nicht aus. Eine Unterbringung ist nicht notwenig, auch eine Betreuung ist zurzeit abzulehnen.“ So weit der Befund.

„Mir geht es um Gerechtigkeit und um Wiedergutmachung“, sagt Mühlbauer, der entschlossen ist, seinen Kampf „auch um das Wohl meiner Kinder“ fortzusetzen. Bereits in der Vergangenheit hat er eine Vielzahl von Aktionen und Initiativen gestartet, war Gründungsmitglied von „Trennungsväter e.V.“ und Mitinitiator der „Trennungseltern“ und hat immer wieder mit originellen Aktionen auf die Probleme der Trennungskinder hingewiesen. So unter anderem mit Fußmärschen nach München, Berlin, Straßburg und Rom.

„Vom Dom nach Rom“ war das Motto eines Fußmarsches in die Ewige Stadt, wo Günter Mühlbauer sogar Papst Benedikt bei einer Audienz auf das Problem der Trennungskinder aufmerksam gemacht hat. Und um seinem Anliegen noch mehr Gewicht zu verleihen, kandierte er sogar mit der Liste „Mehr Rechte für Kinder“ bei der letzten Bundestagswahl im September 2013 – allerdings ohne Erfolg.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht