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Regensburg-Stadt
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Ehrenamt

Lebensretter sprangen aus Heli in Donau

DLRG-Freiwillige übten in Regensburg mit der Polizei. Die Spezialisten helfen bei Naturkatastrophen.
Von Julia Ried, MZ

Ein DLRG-Wasserretter beim Absprung aus dem Polizeihubschrauber Foto: Tino Lex

Regensburg.Ein Hubschrauber kreist über der Donau, geht in den Sinkflug, so weit hinunter, dass er die Bäume am Ufer kräftig zaust und das Wasser kräuselt – dann springt jemand im Neoprenanzug hinein und klammert sich mit einer zweiten Person, die vor ihm dort schwamm, an das Seil aus dem Hubschrauber. Es waren dramatische Szenen, die sich am Mittwochvormittag auf der Donau an der Wöhrdstraße abspielten, unüberseh- und -hörbar für die zahlreichen Regensburger, die in den Buchten die Sonne genossen.

Sie merkten wohl schnell: Hier ging es um keinen Ernstfall. Denn auch der „Gerettete“ trug Helm und der Hubschrauber flog immer wieder denselben Weg hin und her – die etwa 500 Meter zwischen Schleuse und Grieser Spitz. Bis 13 Uhr übten hier am Mittwoch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit ihren Spezialisten für besonders anspruchsvolle Wasserrettungen, den „Strömungsrettern II“, und die Hubschrauberstaffel der Polizei Bayern den Wasserrettungs-Einsatz mit dem Helikopter.

Bei der Simbacher Flut im Einsatz

Die DLRG Regensburg hat 23 auf stark strömende Gewässer, Wild- und Hochwasser spezialisierte Strömungsretter in ihren Reihen, gab DLRG-Ortsverbandsvorsitzender Michael Trifellner Auskunft. Strömungsretter aus Regensburg waren etwa bei der Hochwasserkatastrophe im Juni 2016 in Simbach am Inn in Einsatz; die Sturzflut, bei der der Pegel des Simbachs innerhalb weniger Stunden von einem halben auf fünf Meter angestiegen war, hatte sieben Menschen das Leben gekostet. In Regensburg sind die Experten für reißende Fluten „eigentlich bei fast jedem Einsatz dabei“, wie Trifellner im Gespräch mit uns erläuterte, „weil wir mit der Donau ein schnell fließendes Gewässer haben“.

Nur die acht zum „Strömungsretter II“ weitergebildeten Ehrenamtlichen des DLRG-Ortsverbands Regensburg dürfen „an der Maschine“ arbeiten, dem Hubschrauber, erklärte Trifellner. Die Regensburger Kreiswasserwacht hat zwei solche Spezialisten, die allerdings nicht in der Region üben.

Am Mittwoch gingen sieben „Strömungsretter II“ der DLRG, darunter zwei Gäste aus Franken, mit Neoprenanzug, Wildwasserweste und Helm in die Donau und in die Luft. Zehn weitere Ehrenamtliche unterstützten sie am Ufer und im Boot. Die Polizei war aus München mit zwei Hubschrauberbesatzungen angerückt, die jeweils aus einem Piloten und einem Flugtechniker bestanden – letzterer lässt etwa den Rettungstau ins Wasser.

Polizei braucht die Ehrenamtlichen

Die Polizisten retten im Ernstfall soweit möglich mit Ehrenamtlichen oder den Spezialisten der Berufsfeuerwehren zusammen, erläuterte Jürgen Ulbrich, Ausbildungsleiter der Hubschrauberstaffel Bayern. Sowohl die Beamten als auch die Ehrenamtlichen müssen regelmäßig den Einsatz proben. Für die DLRG-Freiwilligen mit der Spezialausbildung „Strömungsretter II“ sind pro Jahr eine Übung im Flugsimulator in Bad Tölz und ein „Realflug“ Pflicht, nur dann dürfen sie Einsätze fliegen, erläuterte Trifellner. Er sagte: „Wir versuchen, einmal bis zwei zweimal im Jahr eine reelle Übung zu bekommen.“ 2016 gab es zwei Übungen an und im Guggenberger See.

DLRG-Ehrenamtliche und Polizeibeamte spielten am Mittwoch verschiedene Szenarien durch: Die Rettung mit „Rettungswinde“ und Retter, bei der ein DLRG-Ehrenamtlicher sich gemeinsam mit dem „Opfer“ hinauf in den Helikopter ziehen lässt, die Rettung mit „Rettungswinde“ ohne Retter und den Einsatz mit „Fixtau“. Dabei wird der Retter, der aus einer Höhe von 1,50 bis zwei Metern über dem Wasser aus dem Helikopter springt, mit dem „Geretteten“, den er mit einer Schlinge sichert, ans Ufer gezogen.

Die Retter kämpfen nicht nur mit der Strömung, sondern auch mit dem Wind, den der Hubschrauber macht. Am Mittwoch hatten sie es für ihre Verhältnisse relativ angenehm: Die Donau floss ruhig, das Wasser war recht warm, erzählte Strömungsretterin Franziska Naumann (26). Trotzdem galt: „Man muss sich extrem konzentrieren, dass man nicht andere gefährdet.“ Doch der Übungseinsatz hat für sie auch schönes Seiten: „die tollen Ausblicke aus dem Hubschrauber“ und „das Gefühl zu fliegen“.

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Sehen Sie hier mehr Bilder von der Übung an der Donau:

Eindrücke von der Wasserrettungsübung Regensburg

Die DLRG Regensburg

  • Ortsverband:

    Der DLRG-Ortsverband Regensburg hat gut 600 Mitglieder. Die Aktiven rücken dem Vorsitzenden Michael Trifellner zufolge zu etwa 75 Einsätzen im Jahr aus. Dazu zählt er auch Dienste bei Veranstaltungen.

  • „Strömungsretter II“:

    Die acht Mitglieder der DLRG Regensburg mit einer Ausbildung zum „Strömungsretter II“ dürfen sich an Einsätzen mit Hubschraubern beteiligen und Gruppen von Strömungsrettern führen, etwa mit ihnen in ein Hochwassergebiet gehen.

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