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Regensburg-Stadt
Montag, 27. April 2015 23° 3

unfall auf der A3

Parkplatzmangel auf Autobahn endet tödlich

Bei Wörth kracht ein Laster gegen drei geparkte Lkw — ein Fahrer stirbt. ADAC bemängelt fehlende Stellflächen.

  • Drei LKW fingen auf der A3 Feuer und brannten komplett aus. Ein Fahrer starb in den Flammen.
  • Drei LKW fingen auf der A3 Feuer und brannten komplett aus.Foto: Schießl
  • Drei LKW fingen auf der A3 Feuer und brannten komplett aus. Ein Fahrer starb in den Flammen.

Kirchroth.Erneut ist in Bayern ein Mensch bei einem Unfall auf einem überfüllten Autobahn-Parkplatz ums Leben gekommen. Ein 53-jähriger Lastwagenfahrer verbrannte am Dienstagmorgen zwischen Wörth und Kirchroth an der Autobahn Regensburg-Passau (A3) im Führerhaus seines Sattelschleppers. Der ADAC bemängelt, dass an deutschen Autobahnen zehntausende Lkw-Parkplätze fehlen.

Für die Helfer bot sich am Dienstag ein Bild des Grauens. An der Einfahrt zum Autobahnparkplatz Tiefenthal, hatte ein 53-jähriger Brummifahrer aus der Slowakei die Herrschaft über sein Gefährt verloren. Dieses streifte einen verbotenerweise in der Einfahrt am Fahrbahnrand geparkten Lastzug und krachte dann gegen zwei weitere davor geparkte Lkws. Alle drei Lastwägen gingen sofort in Flammen auf, der Unfallverursacher verbrannte in seinem Führerhaus.

Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung steht im Raum

Die beiden anderen Fahrer konnten sich in letzter Sekunde retten. Der in der Einfahrt stehende Brummifahrer könnte wegen fahrlässiger Tötung belangt werden. Die Polizei beziffert den Schaden auf 500.000 Euro.

Rettungskräfte waren am Morgen mit einem Großaufgebot im Einsatz, darunter allein 100 Feuerwehrleute. „Das Feuer konnte relativ schnell gelöscht werden“, sagte Polizeisprecher Thomas Pfeffer. Der Bereich des südlichen Parkplatzes war noch bis weit nach Mittag verwüstet. Das Führerhaus des Lkws aus der Slowakei wurde schon bei der ersten Berührung mit einem am rechten Fahrbahnrand geparkten Brummi aufgerissen. Herumliegende Blechteile zeugten Stunden später davon. Hunderte von Eimern, die der Unfallverursacher geladen hatte, waren zu Boden gefallen und aufgerissen.

Die A3 wurde erst am späten Nachmittag wieder für den Verkehr freigegeben. Auf der Autobahn in Richtung Passau entstanden lange Staus. Die Polizei leitete die Verkehrsteilnehmer an der Ausfahrt Wörth-Ost ab. Einmal mehr quälten sich kilometerlange Schlangen über die B8 durch Pfatter.

Erst am vergangenen Mittwoch war ein 64-Jähriger nahe des oberbayerischen Bergen (Landkreis Traunstein) an der A8 unter ähnlichen Bedingungen ums Leben gekommen. Er war mit seinem Auto in einen Anhänger gerast. In beiden Fällen hatten Fernfahrer ihre Laster im Parkverbot abgestellt.

Der ADAC prangert den Parkplatzmangel an

Der ADAC München verwies am Mittwoch auf eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen, nach der bereits im Jahr 2008 entlang der deutschen Autobahnen 14.000 Parkplätze fehlten. Bis 2015 könnte diese Zahl sogar auf 21.000 steigen. „Das ist ein massives Sicherheitsproblem,“ sagte ADAC-Sprecher Jürgen Grieving der MZ. „Der Lkw-Verkehr hat in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen,“ erläuterte Grieving den Grund für die Misere. Nach einer aktuellen Untersuchung rollen heute um zwei Drittel mehr Güter auf den Straßen als noch 1990. Bis 2030 droht Deutschland in einer regelrechten Lkw-Lawine zu ersticken. In den nächsten 20 Jahren könnte sich der Schwerlastverkehr laut einer Shell-Studie noch einmal verdoppeln.

Die Transportunternehmen forderten nach dem tödlichen Unfall auf der A3 mehr Stellplätze für Laster. Der Parkplatzmangel sei immer wieder Ursache für schwere Unfälle, sagte Sebastian Lechner, Hauptgeschäftsführer des Verbands Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen. „Es muss mehr Geld fließen,“ sagte er mit Verweis auf die Einnahmen des Bundes aus der Lkw-Maut.

Das Bundesverkehrsministerium kommt mit dem Bau neuer Autobahnparkplätze nicht nach. 2008 fehlten in Südbayern 1500 Parkplätze. Bis heute seien 500 neue Stellflächen gebaut worden. Laut ADAC ist das Ganze nicht nur eine Kostenfrage. Denn gemessen an den 12 Milliarden Euro, die der Bund jedes Jahr für Verkehr ausgibt, nehmen sich die vom Verkehrsclub geschätzten 240 Millionen für neue Lkw-Parkplätze eher bescheiden aus.

ADAC-Sprecher Grieving verwies auf die langwierigen Genehmigungsverfahren. Widerstände der Anwohner oder Umweltauflagen könnten die Projekte um Jahre verzögern.

Brummifahrer in der Zwickmühle

Die Leidtragenden sind vor allem die Brummifahrer. „Kein Lkw-Fahrer steuert freiwillig einen überfüllten Parkplatz an“, sagte ADAC-Sprecher Grieving. Doch die Fahrer befänden sich in einer Zwickmühle.

Einerseits müssten sie die vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten, andererseits fänden sie schon am frühen Abend oft keinen regulären Parkplatz mehr. Dann bleibt den Truckern nur noch die Wahl zwischen zwei Gesetzesverstößen: Entweder stellen sie den Lastwagen regelwidrig ab – immer öfter sieht man inzwischen Brummis, die auf dem Standstreifen parken. „Oder die Brummipiloten fahren völlig übermüdet weiter.“

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