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Regensburg-Stadt
Montag, 20. November 2017 5

Bildung

Riesenwirbel um die Deutschförderung

Das Kultusministerium pfeift den Regensburger Schulamtsleiter Heribert Stautner zurück. Ein Sprecher sagt, der Behördenchef habe sich verrechnet.
Von Marion Koller, MZ

Echte Integration ist nur möglich, wenn die jungen Migranten gutes Deutsch sprechen. Foto: dpa

Regensburg.Heribert Stautner, der Leiter des Staatlichen Schulamts Regensburg, ist sehr mutig, wenn es um das Wohl der Grund- und Mittelschüler geht. Bei großen Problemen meldet er sich auch öffentlich zu Wort. Im Bildungsausschuss des Stadtrats bedauerte er letzte Woche, dass ab Herbst 12,3 Prozent weniger Lehrerstunden für die Deutschförderung von Migrantenkindern zur Verfügung stehen werden. Zuständig für dieses Budget ist der Freistaat.

Doch jetzt rudert der Schulamtsdirektor zurück und Dr. Ludwig Unger, Sprecher des Kultusministeriums, sagt gar, Stautner habe sich verrechnet.

Noch vorige Woche hatte Unger gegenüber der MZ eingeräumt, die Gesamtsumme für die Deutsch-Förderung bleibe zwar gleich, doch die Regierung der Oberpfalz könne je nach Migrantenzahl in den Schulamtsbezirken Geld umschichten. Da die Zahl der Flüchtlinge woanders schneller steige, erhielten Regensburg und das Umland weniger Finanzen.

„Fehlerhafte Datengrundlage“

Auf den MZ-Bericht hin meldeten sich die Landtagsabgeordneten Sylvia Stierstorfer und Dr. Franz Rieger (beide CSU) zu Wort. In ihrer Pressemitteilung heißt es: Das Kultusministerium stelle klar, dass die Annahme des Schulamts über einen Rückgang des Deutschförder-Budgets in Stadt und Landkreis Regensburg um 12,3 Prozent „auf einer fehlerhaften Datengrundlage im Schulamt“ beruhe. Das habe eine nochmalige Überprüfung der Daten durch Schulamtsdirektor Stautner jetzt ergeben. Ministeriumssprecher Dr. Ludwig Unger betonte am MZ-Telefon, es handle sich um einen „Rechenfehler“.

Die MZ hakte in der Regensburger Schulbehörde nach. Doch Direktor Heribert Stautner ruderte zurück: „Die Klarstellung des Staatsministeriums wird bestätigt. Nach dem derzeitigen Planungsstand sind wir zuversichtlich, dass wir die Klassen bedarfsgerecht versorgen können.“ Wenige Tage zuvor hatte er gesagt, die über 3800 Migrantenkinder an Grund- und Mittelschulen könnten nach Wegfall von 12,3 Prozent der Lehrerstunden nicht ausreichend gefördert werden. Für Ausländerkinder auf dem flachen Land, die zu weit weg wohnen von einer Übergangsklasse, werde Deutsch als Fremdsprache völlig flach fallen.

MdL und Stadträtin Margit Wild (SPD), die seit Jahren in den Bildungsausschüssen beider Gremien mitwirkt, zeigte sich verwundert über die Volte des Schulamtsleiters. „Vermutlich hat das Ministerium Herrn Stautner zurückgepfiffen“, sagte sie. „Tatsache ist, wir haben mehr Schüler mit Deutsch-Förderbedarf, er bekommt aber nicht mehr Geld.“ Vielmehr müsse wohl dieselbe Lehrerstundenzahl wie bisher auf mehr Köpfe verteilt werden. De facto also eine Kürzung.

„Herr Stautner ist doch nicht doof“

„Herr Stautner hat das ausgerechnet. Der ist doch nicht doof.“ Wild hat mit dem Schulamtsdirektor über die Angelegenheit gesprochen und gibt zu bedenken: „Stellen Sie sich vor, ein Beamter, der zur Loyalität verpflichtet ist, geht an die Öffentlichkeit und dann kriegt er eins drauf, weil die Behauptung mit den 12,3 Prozent nicht so stehenbleiben soll.“ Wild hat vor, das Thema im Bildungsausschuss des Landtags anzusprechen.

Bis zum Schuljahresbeginn wird sich noch einiges ändern, denn es gibt mehrere Unbekannte: Die Schülerzahl für die Grund- und Mittelschulen wird erst Ende Juli endgültig feststehen. Wie viele Flüchtlinge nach Regensburg und in den Landkreis kommen werden, ist laut Pressesprecher Josef Karl von der Regierung der Oberpfalz unklar. „Die Zahl steigt, aber ob schulpflichtige Kinder dabei sein werden, wissen wir nicht.“ Die dritte Unbekannte: Auch wenn das bayerische Gesamtbudget für die Deutsch-Förderung gleich bleibt, sagt das laut Josef Karl „nicht viel“. Die Regierung der Oberpfalz bekommt ein – jährlich variierendes – Lehrerstundenbudget für die Deutsch-Förderung, das sie wiederum auf ihre sieben Schulamtsbezirke verteilt.

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