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Regensburg-Stadt
Sonntag, 19. November 2017 7

Ernährung

Vielfalt auf dem Acker und dem Teller

Das „Slow-Food-Youth“-Netzwerk hat sich in Regensburg im Alumneum vorgestellt. Es steht für „genussvolles, gesundes und regionales Essen“.
von Daniel Steffen, MZ

„Slow-Food-Youth“-Mitglied Christoph Hauser bereitete die Folienkartoffeln zu. Die konnten die Gäste im Alumneum im Rahmen einer Infoveranstaltung probieren. Foto: Steffen

STADTMITTE. Die Schnecke ist ihr Symbol. Denn diese lässt es bekanntlich langsam angehen, unbeeindruckt vom Geschehen im Umfeld. So soll sich nach Auffassung von „Slow Food“ auch der Mensch verhalten – und zwar beim Essen.

Sich Zeit bei der Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel nehmen, genüsslich essen und genauer auf Herkunft und Zusammensetzung der Speisen achten – das sind nach Meinung des internationalen Netzwerks die Tugenden, die ein bewusster Esser mit sich bringen sollte. Getreu des Mottos „Teller und Tafel, Hirn und Herd“ stellte sich die „Youth“-Sparte der Organisation in Regensburg im Alumneum dem Publikum vor. Anders als bei vielen vergleichbaren Veranstaltungen ging das Programm mit einem genüsslichen Teil los: Hierbei konnten die Gäste frisch zubereitete Folienkartoffeln mit Gartenkräutern und frisch gepressten Apfelsaft probieren.

Der „Markt des guten Geschmacks“

Im Anschluss folgte eine Podiumsdiskussion, die von Dr. Carsten Lenk, dem Leiter des Evangelischen Bildungswerks, moderiert wurde. Als Ehrengast begrüßte er den Tierarzt, Grünen-Politiker und Vorstand des „Slow-Food“-Netzwerks Dr. Rupert Ebner, der extra aus Ingolstadt angereist kam. „Unser Netzwerk fördert gute, sauberere und faire Lebensmittel. Slow Food verbindet Produzenten und Co-Produzenten“, sagte Ebner, der sich für eine „Vielfalt auf dem Acker und dem Teller“ aussprach. Um das Konsumbewusstsein der Mitmenschen zu fördern, sei Bildung ein Hauptthema des Netzwerks. Er verwies auf die italienischen Wurzeln von „Slow Food“, dessen Mitgliederzahlen in den letzten Jahren auch in Deutschland stark angestiegen seien.

Wie Ebner anführte, gebe es beim Netzwerk alle zwei Jahre ein Meeting, bei dem sich Kleinproduzenten aus aller Welt treffen, um ihre Erfahrungen in der Landwirtschaft auszutauschen. Ein wichtiges Thema dort: die Bodenfruchtbarkeit, die nach Auffassung von Ebner den „späteren Generationen erhalten bleiben“ sollte. Er verwies auf diverse Messeveranstaltungen in Deutschland, wie zum Beispiel den „Markt des guten Geschmacks“ in Stuttgart, wo regionale Anbieter ihre Produkte präsentieren. Die Orientierung an Lebensmitteln aus der Region spiele bei Slow Food ebenso eine wichtige Rolle.

Mehr Regionalität gefordert

An der Podiumsdiskussion zum „Kulinarischen Frühling“ beteiligten sich unter anderem Birgit Kociper und Robert Eder vom konsumkritischen Netzwerk „Transition Town“, Küchenchef Torsten Frank vom Stadtamhofer Lokal „Meier“ sowie Dr. Regina Elsner, die Leiterin der Abteilung Ökologie vom städtischen Rechts- und Umweltreferat. In ihrem Impulsreferat bot Elsner einen Rückblick auf das Konsumverhalten der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten. „Der Massenkonsum, so wie wir ihn heute kennen, ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg losgegangen“, sagte sie. Sie gab sich als Gegnerin der „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ und der „XXL-Lebensmittelpackungen“. Ob es in Zukunft einen „ethischen Konsum“ geben könne, das wisse sie nicht.

Der Ruf nach mehr Regionalität wurde in der Runde laut. Wie man diesen Weg beschreiten könne, war Gegenstand der Diskussion. Johann Koop, Initiator des Stadtamhofer „Foodcoop“-Netzwerks, berichtete von der „gemeinschaftlichen Gartennutzung“, wie sie im Netzwerk praktiziert werde: Auf einem 600 Quadratmeter großen Areal im Stadtteil pflanzen 20 Mitglieder ihr Gemüse an und leisten sich gegenseitig Hilfestellungen, so Koop.

Küchenchef Torsten Frank berichtete, dass Fleisch und Gemüse im Lokal Meier regional bezogen werden: „Es macht Spaß, sich mit den Lieferanten über die Lebensmittel zu unterhalten“, sagte er.

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